Skandal - Abszesse unter Kunststoff

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Zuerst die Fakten: Dr. M.L.Rodrigues Accorinte, Dr. A. Reis, Dr. A.D. Loguercio et.al. haben 2006 am zahnärztlichen Institut der Universität Sao Paulo, SP, Brasilien eine sehr wichtige Untersuchung durchgeführt. Sie holten sich von 40 Patienten der Klinik im Alter von 14-24 das Einverständnis, jeweils einen gesunden Zahn, der aus KFO Gründen sowieso gezogen werden sollte, noch 60 Tage vor dem Ziehen bis zum Zahnnerv einschließlich aufzubohren und danach mit Kunststoff (=Komposite) zu füllen. Die Studie verfolgt das Ziel, echte Menschenzähne in richtigen Mündern zu behandeln, von denen man genau weiß, welches Schicksal sie haben, um sie nach dem Ablauf des Versuchs genauestens unter dem Mikroskop auswerten zu können. In diesem 40-Zähne Versuch werden 2 Methoden verglichen:
  1. Abdecken der offenen Pulpawunde mit Ca-OH und darüber Dentinbonder und Kunststoff
  2. Abdecken der offenen Pulpawunde nur mit Dentinbonder und Kunststoff


Die Tabelle stellt das Ergebnis dar. Dazu noch zwei Hinweise: die Gruppen links 1-4 und 5 bis 8 kommen durch weitere Unterteilung der jeweils 20 Zähne zustande, wobei Gruppe 1+2 und 5+6 mit Kofferdam und 3+4 und 7+8 ohne Kofferdam gefüllt wurde. Entscheidend ist die Spalte "Inflammatory cell response" = Entzündliche Zell Antwort mit einer Gradeinteilung von 1 bis 4, wobei 3 bedeutet "Severe inflammatory lesion appearing as an abscess or dense infiltrate involving on third or more of the coronal pulp" und 4 bedeutet "Completely necrotic pulp". In die Kategorie 3 und 4 fallen beim Kunststoff 9 von 20 Zähnen, was einer satten Quote von 45% entspricht. Diese Zähne haben schwere Schäden erhalten und ihre Prognose ist zumindest zweifelhaft. 2 von diesen Zähnen sind nekrotisch, deren Nerv ist definitiv hinüber, wobei es sich pikanterweise auch noch um 2 Zähne mit Kofferdambehandlung handelt. Schaut man in die Zeile Calcium Hydroxid, dann ist da wirklich alles eitel Freude und Sonnenschein, nicht ein einziger Ausfall.

Worin liegt jetzt der Skandal? Darin, dass wir Zahnmediziner diese wichtige Untersuchung am Menschen nicht kennen. Hier wurde eine klinische Studie auf allerhöchstem Niveau durchgeführt mit lebenden Zähnen in richtigen Mündern, es handelt sich also um den so genannten Goldstandard. Dagegen sind Tier- und Laborversuche Sandkastenspiele.

Was bedeutet das konkret für den Zahnarzt? Gegen die gegenwärtige Kunststoff Mania, insbesondere auch bei den kaum noch an Menschen forschenden deutschen Lehrstuhlinhabern, gibt es hier knallharte Fakten gegen die unkritische Verwendung von Bond und Kunststoff. Ich bin gespannt, wie unsere dentale Kunststoff Lobby sich aus dieser mißlichen Situation herausreden will.

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