Chirurgie: bei Trigeminusast-Verletzung sofort proximalen Block legen

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Die schlimmsten Schmerzen sind neuropathische Schmerzen. Da ist der Schmerzursprung nicht mehr ein Zahn, oder Knochengewebe, sondern Webfehler im komplizierten Weg der Schmerzfasern im ZNS (Zentralen Nervensystem). Eine hochinteressante Erkenntnis wie und warum diese Webfehler entstehen, wurde vor wenigen Monaten veröffentlicht: eine sofortige Blockade des verletzten Nervs auf der Strecke zwischen Verletzung und Hirn für mindestens 5 Tage verhindert das Entstehen von Phantomschmerzen = neuropathische Schmerzen.

Die Forscher benutzten dafür 2 verschiedene etablierte Tiermodelle für neuropathische Schmerzen: 1) Chronic constrictive injury (CCI) model und das 2) Spared nerve injury (SNI) model. Ganz kurz erklärt: an Vollnarkose-Ratten legt man beidseitig den Nervus sciaticus (Beinnerv) frei, und bindet mit Nahtmaterial den Nerv leicht ab (CCI) oder trennt 2 von 3 Ästen komplett durch (SNI). 5 Tage später kann man dann am wieder wachen Tier feststellen, dass es die Hinterpfote beim Belichten mit einer starken Lampe schneller wegzieht als ohne Verletzung. Das bedeutet, dass der Schwellenwert für den Schmerz bei Wärme (normal ca 42 Grad C) im Zentralen Nervensystem durch die Nervquetschung heruntergeregelt wurde. Dadurch wird die Hinterpfote Temperatur-überempfindlich. Im Falle des SNI-Rattenmodells hält das mehr als 4 Monate lang an.

Jetzt kommt der Clou: man weiß schon länger, dass bei Amputationen von Körperteilen neben einer Vollnarkose (Bewußtseinsverlust) zusätzlich auch eine örtliche Betäubung sinnvoll ist. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit von Phantomschmerzen. Jetzt haben die Forscher bei den Neuropathie-Ratten vor der Verletzung des Nervus sciaticus 2 verschiedene Nervblockaden (= Blockierung der Signalleitung) im proximalen (= zum ZNS führenden) Stumpf eingebaut.

Das Ergebnis:
blockiert man die Signalweiterleitung sofort nach der Nervverletzung über mehr als 3 bis 5 Tage am Stück, bildet sich keine Temperatur-Überempfindlichkeit und keine Berührungs-Überempfindlichkeit aus. Diese Wirkung hält auch dann monatelang an, wenn nach 5 Tagen die Blockade wieder aufgehoben wird.

Wie erklärt man sich das? Man weiß, dass frisch verletzte Nerven ein erhöhtes Dauersignal Richtung Hirn senden. Das führt unter anderem dazu, dass im Rückenmark und weiter zentral ein Aussprießen von Zellfortsätzen der autonomen Nervzellen (Symphatikus) in die Richtung der erhöht aktiven Fasern stattfindet. Möglicherweise entstehen bei diesen nicht normalen Kontakten die späteren Phantomschmerzen. Und das läßt sich - wie gesagt - durch das Blockieren der Leitung während 5 Tage dauerhaft verhindern.

Interessant sind diese Erkenntnisse speziell bei Verletzungen des Nervus lingualis oder mentalis bei chirurgischen Entfernungen von unteren Weisheitszähnen und Setzen von Implantaten im Seitenzahnbereich. Bei Durchführung von Prozeduren mit dem Risiko der Nervverletzung also unbedingt die Spritze mit Bubivacain (Langzeitanästhetikum) bereithalten.

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