Neuropathiker : so sind sie zu erkennen

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SchwachSuper 

Lesen Sie auch die Artikel  Kommt der Schmerz vom Zahn oder nicht vom Zahn?  und  Beantworten Sie bitte folgende Fragen

 

Gestern beklagt sich die langjährige Patientin F.G. (48) über starke "Zahnschmerzen" bei kalt/warmen und süßen Reizen auf der linken Seite. Dazu muß man wissen, dass diese Patient seit 11 Jahren in jeder Sitzung über Schmerzen auf der linken Seite klagt, was sie selbst auf eine vor 11 Jahren stattgefundene Weisheitszahnentfernung zurückführt.
Der Befund im Mund ist wie immer: Initialkaries an 2 altbekannten Stellen, ein paar freiliegende Zahnhälse, aber es kann - auch das ist jedesmal gleich - kein einzelner Zahn mit Perkussionsschmerzen oder herausragender Kälteempfindlichkeit ermittelt werden.
Drückt man aber simultan auf die rechten und linken Austrittspunkte des Trigeminus supraorbital, infraorbital und mental, dann ergibt sich eine eindeutige Druckschmerzhaftigkeit des V1 und V3 auf der linken Seite. Auf gezieltes Nachfragen stellt sich heraus, dass die Patientin auf der linken Seite nicht mehr schlafen kann, weil der Druck des Kissens auf der Wangenhaut deutliche Schmerzen verursacht.
Diese Ermittlungen berechtigen zur Feststellung einer krankhaften Hyperästhesie (Verschiebung der Schmerzschwellwerte hin zu häufigem Fehlalarm) des linken Trigeminus. Die Therapie dieser Neuropathie soll jetzt mit 5mg Amitryptilin/Tag beginnen. Die Pat. ist angewiesen, die Dosis nach einer Woche zu verdoppeln.


Fall 2 innerhalb von 24 Stunden ist eine 12 Jahre alte Schülerin K.J., die in Begleitung ihrer Mutter während der Schulzeit mit folgenden Schmerzsymptomen vorstellig wird: Sie habe das Gefühl, als ob der Knochen reibt und zeigt dabei die Gegend des rechten Kiefergelenks. Die Schmerzstärke gibt sie mit VAS=5 (0 bis 10) an. Die Mundöffnung ist nicht eingeschränkt, es gibt keinen Hinweis auf Knirschen/Pressen, alle Zähne sind karies- und füllungsfrei. Bei der Abtastung zeigt sich die Gegend um das rechte Kiefergelenk und der Muskelansatz des Masseters am Unterkiefer druckempfindlich. Rheumatoide Athritis kann ausgeschlossen werden.
Merkwürdigerweise berichtet die Mutter, dass zu dem "Kiefergelenksschmerz" rechts neuerdings auch noch Ohrenschmerzen beidseits dazugekommen seien, und der HNO eine Erkrankung der Ohren kategorisch ausgeschlossen habe.
Bei der orientierenden neurologischen Prüfung erweisen sich die Austrittsstellen des Trigeminus rechts bei V2 und V3 als deutlich druckempfindlich.
Auch hier ergibt sich ein starker Verdacht auf eine neuropathische Verursachung des Schmerzes. Das Alter der Patientin schließt eine verschleißbedingte Entzündung im Kiefergelenk praktisch aus und die völlig unmotivierten Ohrenschmerzen beidseits passen auch nicht in das Konzept einer sonst denkbaren echten Kiefergelenkserkrankung. Da die Patientin noch sehr jung ist, erhält sie einen Arztbrief mit den hier dargelegten Überlegungen und der Bitte um Übernahme der antineuropathischen Behandlung. Erst bei Scheitern dieser Strategie soll die Patientin für eine wenig Erfolg versprechende Bißschiene rücküberwiesen werden.

Wieder einmal sind 2 Frauen betroffen. Wieder einmal könnte man sich als Zahnarzt die Arbeit einfach machen und eine TMD-Erkrankung diagnostizieren. Das zieht dann eine stereotype Schienenbehandlung nach sich, die in beiden Fällen voraussehbar keine Lösung bringen wird. Und eine kleine Verbesserung zählt hier deshalb nicht, weil das auch spontan ohne Behandlung passiert. Im Fall 1 ist die Neuropathie schon alleine aufgrund der Krankengeschichte eine todsichere Diagnose. Im Fall 2 besteht noch eine geringe Chance, dass es sich um einen Fehlgriff handelt. Wir werden sehen.

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