NP-Patientin Nummer 24 weint bei Wind im Gesicht

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SchwachSuper 

Lesen Sie dazu auch die Artikel Halb-Neuropathikerin heute nachkontrolliert und 3 Neuropathikerinnen in kurzer Folge aus der Rubrik Chronische Schmerzen Diese Neuropathie-Geschichte (NP)- jetzt die Nummer 24 - kommt heute ganz ungelegen. Mein Bohrprogramm des Freitags hat eh schon keine Luft dazwischen. Und dann kommt - gänzlich unerwünscht - dieser Härtefall mittenhinein. Frau M (49) erhält von mir eine freie Redezeit von 5 Sätzen, ohne unterbrochen zu werden, denn sie ist zum ersten Mal bei mir. Bereits nach diesen ersten Sätzen wird deutlich, dass hier ein neuropathischer Härtefall sitzt.

Die Geschichte geht so: Vor 30 Jahren zog der Zahnarzt den 36. Es folgte die Beratung, dass ein fester Ersatz unbedingt vonnöten sei, weil die Nachbarzähne sonst umfallen, der Gegenbeißer runterwächst, das Kiefergelenk schwere Schäden davon trägt ... , halt der übliche zahnärztliche Sermon. Sie willigt ein. Das hätte sie besser nicht getan. Die Brückenzähne werden flugs beschliffen und so beginnt die Dauerschmerzgeschichte. Es folgen ungezählte Korrekturen an der Brücke, am Biss. Es wird funktionsanalysiert, dann ringsrum eingeschliffen, mit dem Ergebnis, dass alles nur schlimmer wird. Die Patient wechselt entnervt den Behandler. Der Neue wechselt die Brücke. Danach wird es schlimmer. Der Zahnarzt tötet die Zahnnerven der Pfeiler, die Wurzeln entzünden sich, und laut Patientin entsteht auch eine Vereiterung, in deren Folge eine Operation nötig erscheint. Zahn 37 wird geopfert, und der Zahnarzt ausgetauscht. Behandler Nummer 3 fertigt - ist klar - die Brücke Nummer 3. Nichts wird besser. Behandler 4 reißt den Zahn 35 und entfernt die Brücke. Behandler 5 will wieder eine neue Brücke von 34 auf 38 bauen und deshalb wechselt die Patientin jetzt zu mir. Sie läuft zur Zeit mit einem zusammengeschliffenen und nicht versorgten 38 und den fehlenden 37,36,35 herum. Die Schmerzen sind erträglich, meint sie.

"Die Zahnärzte wollten immer nur die Brücke bauen oder erhalten, der Rest hat sie nicht interessiert" sagt die schon recht abgeklärt wirkende Frau. Das ist aber noch nicht alles. Rechts oben ließ sich Frau M drei gesunde Zähne 18,17,16 nacheinander ziehen, weil die starken Schmerzen in dem Bereich sie mürbe gemacht hatten. Heute hat sie immer noch Schmerzattacken, da wo die Zähne fehlen, also Phantomschmerzen. Mindestens einmal die Woche über mehrere Stunden in der Stärke VAS=5.

Das Anhören und Niederschreiben alleine der Highlights (sind ja eher Lowlights) der Krankengeschichte verschlingt 30 Minuten. Die Patientin wird auf einen nächsten Termin vertröstet. Beim Hinausgehen und Händeschütteln kommt die wichtigste Information: "Schon als Kind habe ich geweint, wenn der Wind meine Wangen angepustet hat", sie hatte schon immer richtiggehende Schmerzen nur durch den Luftzug in ihr Gesicht. Das haben damals selbst ihre Eltern nicht verstanden oder geglaubt.

Was wissen wir bis jetzt? Diese Patientin hat offensichtlich einen angeborenen Schmerzverarbeitungsfehler im Bereich des Trigeminus rechts und links. Das beweist das "Weinen". Und weil die zahnärztlichen Behandler keinen Plan von einer solchen Diagnose haben, behandeln sie zielstrebig immer an den Bedürfnissen der Patientin vorbei. Mit voraussagbarem Ergebnis.

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