Warum die Internet Diagnose besser als ihr Ruf ist

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Themenverwandte Artikel sind : CMD Experten haben neues Spielzeug  und  Cranio-mandibuläre Dysfunktion oder Trigeminus-Probleme? aus der Rubrik Biss, Knirschen und 'Funktion

Schmerzen hat dieser Patient nicht, sagt er. Ja das Beissen auf dem abgebrochenen Zahn wäre wohl etwas unangenehm, aber nicht ernsthaft.



Das Gegenstück steckt in dieser Krone. Der ca. 70 Jahre alte Mann hat sich seinen lebenden Pfeilerzahn für die herausnehmbare Prothese quer abgebrochen und ihn stört nun in erster Linie, dass die Prothese nicht mehr fest genug ist.

Kontrastprogramm
 
Heute entdecke ich im hier angeschlossenen Forum eine ganz schöne Nachricht eines Hilfesuchenden vom September 2007. Der Mann hatte eine Endlosserie an zahnmedizinisch / orthopädisch / komplementärmedizinischen (Quacksalber) Behandlungen und Produktkäufen hinter sich, die komplett ohne Erfolg waren. Unter anderem erhielt er diese

Diagnosen von Ärzten:

- Phantomschmerzen bedingt durch die Wurzelbehandlung
- Neue Kieferstellung nach Extraktion der WZ
- Kieferknochenentzündung
- Zähneknirschen
- Sinusitis Maxillaris
- Psychosomatischer Hypochonder
- Halswirbel
- Allergie
- Folge von der Wurzelbehandlung
- Folge von der WZ & Pseudozysten Entfernung
- Folge vom Bohren und Polieren der Füllungen
- Trigeminusnerv

Gestern also kommt die Rückmeldung, wie denn die Geschichte jetzt weitergeht. Ich fasse kurz zusammen: Seitdem der Patient - unterstützt auch durch meinen Rat - 300mg Carbamazepin nimmt, sind die dramatischen Beschwerden weitgehend abgeklungen.



Was haben diese beiden Geschichten miteinander zu tun? Der Schmerz bzw. der nichtvorhandene Schmerz verbindet diese Patienten. Laut Lehrbuch müßte beim Zahnbruchfall oben der abgebrochene Zahn mit der offen liegenden Pulpa (das Rote in der Mitte) den Patienten die Wände hochgehen lassen. Das ist aber nicht so.
Im Fall des Herrn Aua-aua-aua (so der Benutzername im Forum) haben mehrere (Zahn)Ärzte Mühe, sich solche Diagnosen aus den Fingern zu saugen, die einerseits den starken Schmerz und andererseits die nicht erkennbare Ursache unter einen Hut bringen. Hier liegt das exakte Gegenteil vom Zahnbruchfall vor: keine Ursache sichtbar, aber jede Menge Schmerz.

Jetzt kommt die Stelle für die Internet Zahnmedizin. Was kann die Internet Beratung leisten? Hier ist es offensichtlich: Herr Aua-aua-aua hat davon profitiert, dass es bei www.zahnfilm.de einen Zahnarzt gibt, der die Diagnose Neuropathie des Trigeminus und zentrale Sensibilisierung nicht nur buchstabieren kann. Und das ist offenbar keine einfache Sache, was alleine schon daran deutlich wird, mit welcher Regelmäßigkeit ähnliche Krankengeschichten hier präsentiert und beraten werden wollen. Da ist ein erheblicher Bedarf auf der Patientenseite und zuwenig Wissen auf der professionellen Seite zu erkennen.

Wie sieht die Qualifikation für die Internet-Beratung im Segment "hartnäckige nicht zahnbedingte Kieferschmerzen" aus?

Frage: Sind hier die Theoretiker, also die titelgierige Akademikerfraktion, die ihr Wissen hauptsächlich im Lesen erwirbt, gefragt?
Antwort: Sogenannte Zahnmediziner, die in ihrer gesamten beruflichen Laufbahn keine 5.000 normale Patienten behandeln werden (die man als normaler "kleiner" Allgemeinzahnarzt spätestens nach 10 Jahren gesehen hat), weil sie sich z.B. für eine Lehr- oder Funktionärskarriere entschieden haben, sehen zuwenig wirkliches Leben. Deshalb glauben sie den Lehrbuchbehauptungen mehr als der Realität. Das ist schlecht für die Patienten mit Dauerschmerzen.


Eine solche Internet Beratung ist natürlich auch nicht von einem gänzlich unvorbereiteten Zahnmediziner aus der beschriebenen Klasse der arbeitenden Bevölkerung zu leisten. Da muss schon eine gewisse Leidenschaft für das Thema Schmerz dahinterstehen.

Dann aber kann die Internet Beratung Dinge leisten, die von Niedergelassenen in dieser Form kaum zu erbringen sind:
  • Zusammentragen ähnlicher Fälle
  • Auftreiben und Entwickeln spezielle Frageformulare für Angststörungen, BDD und Depression
  • Entwicklung von Diagnose Algorithmen (wenn Angststörung, dann ...)
  • unaufgeregte Betrachtung schriftlicher Äußerungen des Leidenden, der seinerseits in Ruhe formulieren kann.
  • das Aneinandervorbeireden ist später nachvollziehbar, besonders Äußerungen von Ignoranz und Arroganz, also Vorsicht.
  • Nachdenkenmüssen für die Diagnose, denn sie wird schriftlich formuliert und von kritischen Augen gesehen.
  • Hinweise auf Behandlung sollten eine EBM (Evidenz basierte Medizin) Begründung aufweisen. Alles andere ist zu leicht angreifbar.

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