Amitriptylin bleibt noch eine Weile Nummero Uno

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Ein Dozent hat während des Schmerzkongresses 2007 in Berlin diese Grafik eingeblendet. Da steht im Grunde die wissenschaftliche akzeptierte Reihenfolge der Wirksamkeit der heute zur Verfügung stehenden antineuropathischen Mittel. NNT heißt Numbers Needed to Treat und je niedriger der Wert dahinter ist, desto besser wirkt die Substanz. Am besten wäre ein Wert von 1,0. Das würde nämlich bedeuten, dass 100% aller damit behandelten Personen die volle Wirkung erfahren würden. Ein NNT von 2 bedeutet, dass 2 Personen behandelt werden müssen, damit einer die beabsichtigte Wirkung erfährt. Bei NNT 4 sind es schon 4 Personen.

Wie unschwer zu erkennen ist, liegt Amitriptylin mit deutlichem Abstand vor Gabapentin (Neurontin) und Pregabalin (Lyrica). Trozdem wird Amitriptylin kaum verschrieben. Warum ist das so?
  • Mit Amitriptylin verdient kein Pharmahersteller mehr richtiges Geld - die Substanz ist zu alt
  • Der Außendienst von Herrn Pfizer ist sehr effektiv und hat es geschafft, mindestens der Hälfte aller Mediziner zu suggerieren, dass NNTs unwichtig wären.
  • Amitriptylin hat keine spezielle Zulassung als antineuropathisches Mittel. Die Packungsbeilage "Antidepressivum" fördert leider nicht die Compliance des Patienten.
Schwarz Pharma, Monheim, Rheinland hat ein interessantes neues Anti-Epileptikum durch die ersten klinischen Tests: Lacosamid. Das Material hat offensichtlich auch ausgeprägte antineuropathische Eigenschaften, die im Tierversuch - hier an der Ratte, präsentiert als Poster auf dem Schmerzkongress 2007 - mindestens genauso stark erscheinen wie die von Amitriptylin. Auch hier taucht die schon bekannte relative Schwäche von Pregabalin auf (niedrigen Säulen sind schwache Säulen).

Nachtrag: die rührige Firma Schwarz hat auch schon das Potenzial des neuen Medikaments in Richtung Trigeminus erkannt: in Göteborg hat man systematische Verletzung am 1. Ast der Trigeminus gesetzt und dann die typischen neuropathischen Schmerzreaktionen darauf mit Lacosamid unterdrückt. Erstaunlicherweise funktioniert das bei weiblichen Tieren besser als bei männlichen.

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