Neurologen haben zum Knirschen Fakten

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SchwachSuper 

Lesen Sie auch die Artikel  Der ultimative Knirscher - Buch der Rekorde und Messwerte für den Mund   aus der Rubrik Biss, Knirschen und 'Funktion'

 

knirsch9.jpg

  Das schrieb ein Teilnehmer im Zahnmedizin Forum, das ich betreue: 


BeitragVerfasst am: 07.03.08, 13:39    Titel: Zähneknirschen + Massage      Antworten mit Zitat
Hallo zusammen!

Ich leide seit ca. 16 Jahren an Bruxismus/Zähneknirschen. Habe im Laufe der Jahre vieles ausprobiert - Progressive Muskelentspannung, Psychotherapie und Co.

Es hilft aber alles nix, ich knirsche nach wie vor. Und trotz Beißschiene habe ich jeden morgen übles Kopfweh, und den ganzen Tag über so ein verspanntes Kiefergefühl.

Jetzt habe ich vor ein paar Wochen von 2 verschiedenen Quellen gehört, dass ihr Zahnarzt ihnen Physiotherapie mit Massage verschrieben hat, genau wegen dieser Problematik.

Meine Zahnärztin meinte jedoch letztens und auch gestern noch mal, das gäbe es nicht, die seien dann wohl privatversichert. Ich habe anschließend noch mal Rücksprache mit den beiden gehalten - beide sind gesetzlich versichert. Die wohnen aber beide nicht in meiner Nähe, von daher ist es keine Option, zu deren Zahnärzten zu wechseln.

Weiß da jemand Bescheid?

Ich leide halt jetzt schon ziemlich lange unter diesem Knirschen und seinen Folgen. Für Tipps im besonderen in Bezug auf Therapie wäre ich sehr dankbar.

Aber auch für Tipps zur Abhilfe allgemein

Smilie

Danke!

Achilla

 


Links oben sehen Sie ein Schema, das aus der Feder dieses Teams stammt:

 

NEUROBIOLOGICAL MECHANISMS INVOLVED IN SLEEP BRUXISM

G.J. Lavigne*

Facultés de Médecine et Médecine dentaire, Université de Montréal, C.P. 6128, Succursale Centre-ville, Montréal, PQ, Canada H3C 3J7, Centre d’étude du sommeil, Hôpital du Sacré-Coeur de Montréal, Montréal, PQ, Canada, and Faculty of Dentistry, University of Toronto, Toronto, ON, Canada;

erschienen 2003

 

Um einen kleinen Einblick in den wissenschaftlichen Artikel zu geben, folgt hier die Übersetzung des Schlusskapitels

Schlußfolgerungen und Forschungen für die Zukunft

 

Obwohl im Schlaf die Muskel Anspannung nachlässt, kommt es bei 60% aller normalen Menschen ein bis zwei mal pro Stunde zu spontanen rythmischen mastikatorischen Muskel (Kaumuskel) Aktivitäten, auch bekannt als RMMA. Die RMMA sind bei SB (Schlaf-Bruxer = Schlaf Knirscher) häufiger und dazu schleifen diese ihre Zähne und berichten teilweise über Muskelschmerzen. Die meisten RMMA Episoden bei Knirschern und Normalpersonen kommen in der Nicht-REM (Rapid-Eye-Movement = Schnelle Augen Bewegung) Phase 1 und 2 vor. Es gibt neuere Beweise, dass nächtliches Knirschen Beziehungen zu Angststörungen hat und in der Folge einer Schlaf Zwischenerwach Phase auftritt, die definiert ist als vorübergehende Zunahme der Hirnströme und der Herztätigkeit. Das geht einer Zahnschleif Episode voraus. Im wachen Zustand wird die willentliche rhytmische Kieferbewegung durch ein Hirnstamm CPG (Central Pattern Generator = Bewegungsmustergenerator) gesteuert, das aus einem Nervennetzwerk besteht, das nacheinander Kieferöffnung- und schließbewegungen produziert. Zusätzlich muss das Kauen mit der genauen Lage des Nahrungsbreis koordiniert werden, dann der Zungenposition, des Schluckaktes, der Atmung usw, damit keine Nahrungsbestandteile in die Luftwege geraten. Während des Schlafes ist die plötzliche Ingangsetzung der Kiefermuskeln häufig mit RMMA oder Knirschen vergesellschaftet und/oder mit einer Wiederkehr der offenen Atemwege nach einem akuten Luftverschluss durch Schlafapnoe. Basierend auf dieser Übersichtsarbeit wird empfohlen diese Themen für zukünftige Forschungen über die neurobiologischen Mechanismen von RMMA und SB aufzugreifen:


  
  
   1. Über 90% aller RMMA und SB Ereignisse passieren im Zusammenhang mit einem Fast-Aufwachen sichtbar im EEG und Herz Monitor während des Schlafes. Noch ist unklar, ob daran ein kurzfristiger Schwund des - im Schlaf dominierenden - Einflusses des Parasympathikus, der u.a. eine Senkung des Herzschlags macht, oder eine vorübergehende Stärkung des Sympathikus beteiligt ist.
   2. Obwohl eine plötzliche und rhytmische Aktivität der kieferöffnenden und -schließenden Muskulatur im Schlaf sowohl in normalen als auch auch in SB Patienten gefunden wird, verbleiben trotzdem Fragen, z.B.: Sind die CPG (Bewegungsmustergeneratoren), die im Wachzustand für das Kauen und Schlucken zuständig sind, auch im Schlaf aktiv? Wie hoch ist der Pegel der Muskelspindel und Motornerven Erregungsfähigkeit wärend des Nicht-REM Schlafes, also der Zeit, in der die meisten RMMA und SB Episoden beobachtet werden?
   3. Die meisten SB Episonden scheinen mit dem Schlucken zu tun zu haben, aber es ist noch nicht geklärt, ob die RMMA tatsächlich die Funktion haben, den oberen Ernährungsweg während des Schlafs feucht zu halten.
   4. Die gleichzeitige Aktivierung der Kiefer-Öffner und -Schließer ist keine Besonderheit der Schlaf RMMA und SB. Das wird auch beobachtet bei bestimmten Schmerzzuständen und am Ende einer Schlafapnoe, wenn die Atmung wieder einsetzt und die Luftwege frei werden. Es müßte noch gezeigt werden, ob die RMMA zur Stellung der Zunge und des Kiefers und der Öffnung der Atemwege beitragen.

 

 


Schlussfolgerung von Joachim Wagner: Die Neurologen haben in ihrem Schema zum SB = Knirschen: 1) einen Hirnstamm Rhytmusgenerator, 2) die allgemeine Neurochemie (Transmitter etc.), 3) das Schlaf Nervnetzwerk, 4) die Muskelerregbarkeit im Schlaf, 5) Medikamente, 6) die Angststörung, 7) die genetische Anlage zum Knirschen, 8) die autonome Steuerung der Herzfunktion als handfeste Einflussgrößen ermittelt.

 

In dieser Aufzählung finde ich keine Okklusion, keine Psyche und auch keine Erwähnung von Stress. Möglicherweise hat also unser fragender Forumsteilnehmer richtig beobachtet: dass Progressive Muskelentspannung, Psychotherapie und Co. wirklich nix nutzt.

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