Auch die HNO Fraktion hat damit zu tun - Trigeminus

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Lesen Sie auch die Artikel Gesichtsschmerzen ohne CT Befunde sind neurologisch  und Hat mein Zahn Migräne?  aus der Rubrik Chronische Schmerzen

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Ein Hals- Nasen- Ohren / Neurologen /Allergologen / und Allgemeinärztliches Übereinkommen zur Diagnose und Behandlung von Kopfschmerzen der Kieferhöhle

Von Levine HL, Setzen M, Cady RK, Dodick DW, Schreiber CP, Eross EJ, Blumenthal HJ, Lumry WR, Berman GD, Durham PL.

Cleveland Nasal-Sinus & Sleep Center, Cleveland, Ohio, USA.

Obwohl der "Kieferhöhlen-Kopfschmerz" eine häufig verwendete klinische Diagnose darstellt, sind viele medizinische Spezialisten nicht davon überzeugt, dass das der Grund für wiederkehrende Kopfschmerzen darstellt. Unnötige diagnostische Schritte, chirurgische Eingriffe und medizinische Behandlungen sind oft die Folge einer nicht korrekten Diagnose "Kopfschmerz von der Kieferhöhle".  Beide Gesellschaften, die Internationale Kopfschmerzgesellschaft und die Amerikanische HNO und Halschirurgie Gesellschaft, haben versucht die Bedingungen darzustellen, unter denen Kopfschmerzen von Nasennebenhöhlen bedingten Ursachen entstehen können. Allerdings haben sie das aus verschiedenen Perspektiven und isoliert voneinander und anderen Spezialisierungen getan. Ein interdisziplinäres ad hoc Komitee tagte kürzlich, um die Rolle von Kieferhöhlen Erkrankungen und der Nase in der Ursachenkette des Kopfschmerzes zu diskutieren und sich die neuen epidemiologischen (mit dem Auftreten der Krankheiten in der Bevölkerung befaßten) Studien anzuschauen, die nahelegen, dass der Kieferhöhlen Kopfschmerz (Kopfschmerz mit Ursache im Nasenbereich) und die Migräne häufig miteinander verwechselt werden.


Dabei wurden klinische Daten präsentiert, die klar zeigen, dass die Mehrzahl der Kieferhöhlen Kopfschmerzen tatsächlich als Migräne einzustufen ist. Dieses Komitee untersuchte wissenschaftliche Beweise von verschiedenen ärztlichen Fachgebieten und kam zum Schluss, dass noch erheblicher Forschungsbedarf besteht um die Rolle der nasalen Erkrankungen und der autonomen Aktivierung in der Migräne und von Kopfschmerzen durch nasenbedingte Ursachen besser zu verstehen.


An otolaryngology, neurology, allergy, and primary care consensus on diagnosis and treatment of sinus headache.
Levine HL, Setzen M, Cady RK, Dodick DW, Schreiber CP, Eross EJ, Blumenthal HJ, Lumry WR, Berman GD, Durham PL.

Cleveland Nasal-Sinus & Sleep Center, Cleveland, Ohio, USA.

While "sinus" headache is a widely accepted clinical diagnosis, many medical specialists consider it to be an uncommon cause of recurrent headaches. Unnecessary diagnostic studies, surgical interventions, and medical treatments are often the result of the inappropriate diagnosis of sinus headache. Both the International Headache Society and the American Academy of Otolaryngology-Head and Neck Surgery have attempted to characterize conditions leading to headaches of rhinogenic origin. However, they have done so from different perspectives and in isolation from the other specialty groups. An interdisciplinary ad hoc committee recently convened to discuss the role of sinus disease and the nose in the etiology of headache and to review recent epidemiologic studies suggesting that sinus headache (headache of rhinogenic origin) and migraine are frequently confused with one another. Clinical trial data are presented which clearly indicate that the majority of sinus headaches can actually be classified as migraines. This committee reviewed scientific evidence available from multiple disciplines and concludes that considerable research and clinical study are needed to further understand and explain the role of nasal pathology and autonomic activation in migraine and headaches of rhinogenic origin. However, there was a consensus from this group that greater diagnostic and therapeutic attention needs to be given to patients complaining of sinus headache that may indeed be due to the nose.

 
PMID: 16500456 [PubMed - indexed for MEDLINE]

 

 


 

Kommentar: Dieses Dokument der vielschreibenden HNO Spezialisten (u.a. DW Dodick und EJ Eross) aus 2006 ist eines von vielen Hinweisen darauf, dass es immerhin den fachärztlichen Disziplinen im unmittelbaren Nachbarbereich der Zähne (die Kieferhöhle ist von den Oberkiefer Backenzähnen genau 1 mm weit durch eine ebenso dünne Knochendecke entfernt) allmählich dämmert, dass die radikalen Kieferhöhlenoperationen der 60-er und 70-er Jahre zur "Behandlung" von chronischen Schmerzen im Bereich der Kieferhöhle vermutlich auf kardinalen diagnostischen Fehlern beruhten und deshalb auch so wenig erfolgreich waren.

Offensichtlich sehen die jetzt neu gesammelten Daten von entsprechenden Schmerzpatienten so aus, dass die Mehrzahl der Kieferhöhlen Schmerzen eindeutige Zeichen einer Migräne zeigen, also mit bakteriell oder viral ausgelöster Entzündung überhaupt nichts zu tun haben. Das wiederum bedeutet, dass

  • es sich um eine Trigeminus vermittelte Schmerzerscheinung handelt
  • es sich im Prinzip eine Neuropathie (Erkrankung des übertragenden Nerven) handelt
  • die Behandlung eben nicht mit Antibiotika funktionieren kann, dafür aber mit Antimigränemitteln, was auch praktisch bewiesen worden ist.

 

Schlussfolgerung: Die HNO Fachleute werden also in Zukunft wesentlich schneller als bisher an eine Behandlung des Trigeminus denken, wenn es im Bereich des Oberkiefers längere Zeit weh tut. Und zwar mit dem geballten Sachverstand der Neurologen (International Headache Society), die erst kürzlich ihre Kopfschmerzkategorien und Systematik aufgrund neuer Erkenntnisse umgestellt und erweitert haben.

Und wir Zahnärzte - wie gesagt nur 1mm tiefer am Werk - wollen jetzt immer noch dem Patienten vermitteln, dass die Schmerzen, die er seit Jahren im Bereich seines Oberkiefers empfindet und für die es offenbar keinen schuldigen Zahn gibt, von 0,01 mm zu hohen Füllungen kommen?  Die Hardcore CMD Vertreter in unserem Fach dichten ja bekanntlich den Früh- und Fehlkontakten der Zähne eine Bedeutung bis zum Beckenschiefstand an. Genau diese "Experten" sollten sich aufmerksam die neueren Entwicklungen in den humanmedizinischen Fächern anschauen. Denn jetzt schlägt es von dort immer dichter ein. Der Tag kommt, an dem auch der tüchtigste CMDler zurückrudern muss: "Ich habe ja schon immer gesagt, dass der Trigeminus eine große Rolle spielt ... "

 

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