CMD Drahtseilakt mit Sturz

Bewertung:  / 1
SchwachSuper 

Lesen Sie dazu auch die Artikel One for the tmj-Gurus = Einer für die CMD Zampanos und Hier verliert jeder Zahnarzt - egal was er tut   aus der Rubrik  Depression und Verwandtes

 

 

Dr. Christian Köneke referierte am Mittwoch 29.10.2008 auf dem Internationalen Expertensymposium 2008 auf Fuerteventura/ Spanien über das Thema "funktionelle Komplikationen bei der Implantattherapie". Den Zuhörer erwartete eine 3/4 Stunde von Sprechwiedergabe der Sätze auf der Microsoft Präsentation. Mit monotoner Stimme, langen Pausen, null Inspiration und wenig Überzeugung hörten wir die Stimme des (Zitat) "Herausgeber des Fachbuchs Die Interdisziplinäre Therapie der CMD (Quintessenz Verlag) und Gründer sowie Beiratsmitglied des CMD-Dachverbandes e.V." Christian Köneke.


An einer einzigen Stelle schien Dr. K etwas leidenschaftlicher zu werden. Es handelte sich um die Stelle "medizinische Begründung für Implantate". Konkret spricht der Kollege über diese Geschichte: Fertigt man bei einem Knirscher/Presser mit distalen (nach hinten reichenden) Freiendlücken herausnehmbaren Ersatz welcher Art auch immer (Klammer, T-Kronen etc.) an und baut im Backenzahnbereich den Biss so hoch auf, dass eine Entlastung des Kiefergelenks damit tatsächlich passieren kann, dann gibt es Druckstellen ohne Ende. Schleift man die Druckstellen dann weg, verschwindet gleichzeitig auch die Entlastung des Kiefergelenks. Mit diesen - unbestrittenen - Aussagen kommt der Kollege K. zum Schluss, dass Implantate im Seitenzahnbereich deshalb medizinisch begründet seien, weil nur damit eine mechanisch wirksame Stütze des Kiefergelenks möglich wäre.

Lieber Herr Köneke,
danke - das ist Ernst gemeint - dass Sie meine Argumentation bezüglich der rausnehmbaren Versorgung von Knirschern/Pressern (siehe ... ....) unterstützen. Bekanntlich ist mein Reden seit 14/18, dass herausnehmbarer Ersatz und Knirschen inkompatibel sind. Entweder wird soviel weggeschliffen, dass der Ersatz okklusionsmäßig direkt für den Sandsack ist, oder das Ding drückt w.S. (wie Sau). Wie Sie auch sage ich, dass entweder hinten im Mund Zähne bzw. Implantate eingebaut sind, oder die distale Abstützung nicht existent ist. Zwischenbemerkung: warum auf diese Idee noch kein bezahlter Zahnersatz Forscher hierzulande gekommen ist ... who knows. Vermutlich sind die Herren Prothetik Professoren so mit Funktionsbetrachtungen benebelt, dass ihnen solcher Kleinkram entgeht.

ABER


was Sie nicht tun können ist, einfach an dieser Stelle die implizite (automatisch inbegriffene) Behauptung aufzustellen, dass Ihr "CMD" Patient wirklich eine distale (hintere) Stütze braucht, um sein Kiefergelenk zu entlasten.

WO


bitte sehen Sie dazu die wissenschaftlich sauber nachgewiesene Evidenz (= Beweis)? Wenn Sie sich die Mühe machen, in die durch randomisierte (per Zufallsprinzip verteilte) doppelblinde Studien unterlegte wissenschaftliche Forschung zu schauen, werden Sie nämlich feststellen, dass Ihre These leider nur eine reine Behauptung ist. Alles was aus großen ernstzunehmenden klinischen Studien bekannt ist zur Frage, ob distale Freiendsituationen CMD (auf englisch TMD) auslösen, deutet auf das genaue Gegenteil hin: es ist vollkommen Wurst, ob eine distale Stütze da ist oder nicht. Schmerzen im Bereich um das Ohr -- und nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass ich nicht mehr die Formulierung benutze "Schmerzen in und um das Kiefergelenk", weil sie einfach nicht zutrifft --als grobe Definition von CMD (international nur als TMD bekannt) sind nicht abhängig von der Okklusion. Punkt. Dazu finden Sie hier in der Rubrik Biss ausreichend wissenschaftliche Studien, die Sie bitte auch zur Kenntnis nehmen wollen.
Wäre die Okklusion von solcher Bedeutung, dann erklären Sie uns doch freundlicherweise:

1. warum Frauen 75% der Patienten stellen?
2. Warum Knirscher/Presser in der Gruppe der Schmerzpatienten CMD/TMD eben gerade nicht überrepräsentiert sind?
3. Warum bei 33% bis 50% dieser CMD/TMD Fälle Medikamente wie Antidepressiva z.B. Amitriptylin signifikant besser wirken, als das typische Schienenschema?

Was mir sonst  nicht gefallen:

dscf1543.jpgDr. K. bringt einen sogenannten "Derbolowski" Test ins Spiel, mit Hilfe dessen es möglich sein soll, versteckte Okklusionsstörungen  durch Zug auf die Beine des liegenden Patienten aufzudecken. Eine ausgiebige Recherche im Internet und Medline fördet zu Tage, dass so gut wie keine Literatur zu diesem ominösen Test existiert und der einzige Hinweis, das das Ding in der Welt ist, auf einem Querverweis in einer älteren deutschen Zahnmedizin Studie zweifelhaften Inhalts beruht. Vermutlich handelt es sich bei Namensgeber des "Testes" um Udo Derbolowsky (1920 -2005), dessen Wirkungsspektrum als gelernter Arzt von der Psychoanalyse, über die Neurologie, Psychotherapie bis hin zur Chirotherapie reichte. Seine "neueste" Publikation über "Leitfaden für Chirotherapie und manuelle Medizin / von Udo Derbolowsky. Mit e. Geleitw. von Harald Brodin" stammt aus dem Jahr 1981. Also aus Zeiten, als die EBM Medizin (auf Beweisen ruhende Medizin) noch praktisch unbekannt war. Wir können mit einiger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass dieser "Derbolowski" Test in erster Linie unbewiesene nichtvalidierte warme Luft ist.

Bewertung: Der Referent tritt mit dem Anspruch an, den Kollegen ein Konzept zur Diagnose, Erklärung und Behandlung von "CMD" Beschwerden an die Hand zu geben. Leider rasselt er bei nahezu allen Aussagen, die er macht, im freien Fall durch den Validierungstest: "wo wird die vetretene Ansicht durch EBM (z.B. Metastudien (= Studien von Studien) von qualitativ akzeptablen klinischen Studien) gestützt". Der Derbowolsky Test ist ein ganz typisches Beispiel. Irgendein obskurer Psychoanalyst hat sich überlegt, dass durch das Ziehen an den Füßen irgendwas am Kiefer passiert und mit dieser "Datengrundlage" macht Herr K.Vortragsveranstaltungen. Das reicht nicht.

 

dscf1550-1.jpgPS: Dr. K stellt an einer Stelle in der Patientenfall Vorstellung fest, dass die Patientin  an "massiver Logo Rhoe" leidet und ihm 2 Seiten Email pro Woche zum "Fortschritt" ihres Falles zukommen läßt. Dazu ein kleiner Tipp vom Grobraster Psychiater - Zahnarzt aus Leverkusen (von mir also): ein gezielter Fragebogen nach einer Angststörung und - ernstgemeint - einer harten psychiatrischen Diagnose Richtung Schizophrenie könnte hier weiter helfen. Logorhöikerinnen dieser Kategorie ticken anders; die Chancen auf einen positiven Befund liegen bei lockeren 50%.

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