Kopf- und Kieferschmerzen nach Plombieren

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Lesen Sie auch die Artikel  Kunststoff konsequent falsch verwendet und Kunststoff Füllung sofort für den Müll   und  Nebenwirkungen von Kunststoff Füllungen aus der Rubrik Welches Füllungsmaterial

 

In einem der hier verlinkten Patientenforen findet sich im November 2008 folgender Beitrag . Beachten Sie bitte, dass alle eingerückten Sätze, die mit 3 Bindestrichen (---) beginnen, von mir als zahnärztlichem Ratgeber stammen.





Mir wurde vor ungefähr einem Monat ein Zahn plombiert und mit einer Kunststoff-Plombe aufgefüllt.
sany0052.jpgNach der Behandlung haben sowohl Zahn und Kiefer ungewöhnlich stark geschmerzt,
--- irgendetwas hat den Zahnnerv geärgert. Vermutlich das Austrocknen für den Kleber

der Schmerz selbst verging auch nie ganz - immer, wenn ich auf was härteres, wie zum Beispiel auf einen Chip beiße, schmerzt der Zahn. Auch so fängt er an oft schmerzhaft zu pochen.
--- klassisches Zeichen für eine Pulpitis


Auch leide ich seit dem Plombieren praktisch ständig unter Kopfschmerzen, etwas, mit dem ich vorher überhaupt keine Probleme hatte.
--- Das können Sie jetzt nicht wissen, aber die Migräne (DIE Kopfschmerzen schlechthin) werden durch Fehlfunktionen des Trigeminus *) ausgelöst, das ist der gleiche Hirnnerv, der auch für die Schmerzmeldung von Zähnen zuständig ist. Deshalb besteht ein konkreter Verdacht, dass die Kopfschmerzen vom Zahn ausgelöst werden.

Zuerst dachte ich, die Beschwerden rühren davon, dass die Füllung etwas zu hoch geraten ist - doch nach dem Abschleifen dieser hat sich eigentlich nichts verändert.
--- das Abschleifen ändert an der Pulpitis mehr oder weniger nichts.


Da ich auch mit den Zähnen knirsche wollte ich abwarten, bis meine Knirscherschiene fertig ist, um zu sehen, ob sich die Beschwerden dann legen. Leider ist dem nicht so...
--- die auch nicht.

Zusätzlich zu Kopf und Zahn hat jetzt auch noch das Kiefer angefangen stechend zu Schmerzen, auch der Wangenknochen ist mittlerweile betroffen.
--- wenn der Schmerz eine gewisse Stärke überschritten hat, strahlt er dermaßen aus, dass eine Ortung für Sie fast unmöglich wird.

Meine Zahnärztin hat mich heute noch einmal untersucht, aber sie meint, dass man auf dem Röntgenbild nichts ungewöhnliches erkennen kann, auch sei die Plombe nur klein und nicht einmal in der Nähe des Nervs.
--- das beweist leider gar nichts. Ich kann Ihnen Bilder zeigen, wo nachweislich eine Kunststoff Füllung schuld ist im Nervuntergang (= Endstation einer Pulpitis) Siehe hier: http://www.zahnfilm.de/af/index.php?option=com_content&task=view&id=118&Itemid=2



Und sie hätte noch nie gehört, dass man vom Plombieren Kopfschmerzen bekommen kann.
--- wie gesagt ...


Jetzt bin ich mit meinem Latein ziemlich am Ende... weiß vielleicht hier jemand, was ich versuchen könnte?
Ich wäre für jede Hilfe sehr dankbar!
--- Wenn ich Ihr Behandler wäre, würde ich sofort den Kunststoff komplett rausnehmen und gegen Glas Ionomer Zement (GIZ) z.B. Ketac Molar auswechseln.


Besprechung

Ich habe diese Patientenbeitrag als Link aufgenommen in meine Sammlung "interessante Beobachtungen rund um den Trigeminus". Interessant sind hier die Schmerzerscheinungen des Patienten nach einer "kleinen Kunststoff Füllung", die zudem auch weit von der Pulpa entfernt sein soll. Der Patient berichtet von a) starken Schmerzen direkt nach der Behandlung, b) Schmerzen beim Beißen und c) Kopfschmerzen.   Während a) und b) typischerweise bei den Komplikationen von Kunststoff Füllungen, die immerhin jede 5. solche Füllung betrifft, mit dabei sind, ist das Auftreten von c) ungewöhnlich. 

Man könnte an dieser Stelle einwenden, dass der Patient seine Schmerzen in der Schilderung übertreibt, dass die Kopfschmerzen eher zufällig da sind, oder dass er sowieso ein Weichei ist. Aber ist das wahrscheinlich? Er schreibt ausdrücklich, dass er eigentlich nie Kopfschmerzen hat. Und die Füllung ist erst einen Monat alt, d.h. die Vermengung völlig unabhängiger Ereignisse (Kopfschmerz und Füllung) ist eher unwahrscheinlich. Außerdem: wieso sollte uns ein uns fremder Mensch in dem Moment belügen, in dem er eine fachlich sinnvolle Antwort erhalten möchte, die darauf beruht, dass die Tatsachen möglichst unverändert geschildert werden? Kurzum: die Wahrscheinlichkeit, dass die Kopfschmerzen wirklich mit der Füllung zusammenhängen, ist hoch.

Dann würde dieser Beitrag gleich mehreres beweisen:

  • 1. eine Pulpitis kann Kopfschmerzen auslösen und über Wochen und Monate unterhalten
  • 2. eine Kunststoff Füllung mit deutlichem Abstand zum Zahnnerv kann eine Pulpitis verursachen, die wiederum Kopfschmerzen auslöst.
  • 3. Der typische Griff des Behandlers zum Schleifer zur Reduzierung des vermeintlichen Vor/Überkontaktes als Ursachenbehandlung ist in solchen Fällen Unsinn. Genauso auch die Schienenbehandlung.

 

*) Neuroanatomisch ist das ganz übersichtlich, warum Zähne und Kopfschmerzen zusammen passen. Von der Dura mater (harter Hirnhaut) laufen sensible Trigeminusfasern genau in das Kerngebiet im Hirnstamm (Nucleus caudalis Nervi Trigemini), in dem auch die Fasern aus den Kiefern, bzw. Zähnen enden. Bei Migräne findet eine Mikroentzündung um die Arterien der Dura mater statt.


Nachsatz: Gerade erreicht mich die Nachricht des Patienten, dass inzwischen eine Wurzelbehandlung im Notdienst an diesem Zahn durchgeführt wurde. Und schon verbessern sich alle Beschwerden.

Dieser Artikel hat eine direkte Fortsetzung gefunden unter dem Titel: Tod einer Pulpa - was die Gesundheitspolitik tun kann

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