Höchste Zeit diese Kunststoff Füllung zu entfernen

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SchwachSuper 

Lesen sie auch die Artikel Noch ein Zahnfilm.de Denker: Dr. David H. Pashley   und  Kollagen wird zwischen Hybridschicht und Dentin zerstört aus der Rubrik Welches Füllungsmaterial

 

dsc_0014.jpg

 

Die Patientin erscheint mit der Meldung, dass sie auf der rechten Seite ein Problem mit dem Zubeißen habe, seit einiger Zeit macht das blitzartige Schmerzen. Sie vermeide es inzwischen, die rechte Seite zu benutzen. Der dafür zuständige Zahn läßt sich schnell anhand des offenen Spaltes zwischen Kunststoff und Zahn verhaften.

 dsc_0019.jpg Diese Charisma (Hersteller: Heraeus Kulzer) Kunststoff Füllung habe ich 1995 vollflächig mit dem Dentin verklebt mit Scotchbond MP (Hersteller: 3M, jetzt 3M/Espe). Heute erweist sie sich als komplett losgelöst vom Dentin.
 dsc_0020.jpg Die Resthülle der Füllung ist im Zahn beweglich und war das vermutlich auch schon, bevor der Diamantschleifer heute die letzten Verbindungen zum noch halbfesten vorderen (mesialen) Teil der Füllung abgerissen hat.
 dsc_0021.jpg Ganz anschaulich kann man sich in der  Spiegelaufnahme vorstellen, wie der Kunststoff Klumpen die letzten Monate, vielleicht auch Jahre, frei im ausgehöhlten Zahn auf einer Speichelschicht schwebend verbracht hat.
 dsc_0023.jpg Das Schwebestück ist jetzt herausgenommen und der helle Fleck liegt genau in der Richtung zum Zahnnerv (= Pulpa). Das was hier hell gefärbt erscheint, sehen Sie 4 Bilder weiter unten als dünnflüssige Matsche auf dem kleinen Exkavations- Löffel präsentiert.
 dsc_0024.jpg Das ist der Blick von innen aus dem Zahn auf die Füllung. Achten Sie auf die bräunlichen Inseln auf dem hellen Kunststoff. Es handelt sich verdünnte Bakterienkolonien aus dem Zahnzwischenraum. 2 Bilder weiter unten sehen Sie die Originalkolonien auf der Kunststoff Oberfläche Richtung Nachbarzahn.
 dsc_0025.jpg Hier schauen Sie von oben in die größtenteils ausgebohrte Füllung. Abgesehen vom Bohrmuster des Diamantschleif- körpers sind die dunklen Verfärbungen im Zahnzwischenraum bemerkenswert, die vermutlich auf Rauchen zurückzuführen sind.
 dsc_0027.jpg Das ist der Blick vom Nachbarzahn aus auf die Ex-Füllung. Der helle Bereich oben mit blankgeriebener Oberfläche ist die Kontaktzone zum Nachbarzahn. Direkt darunter befinden sich biologisch aktive Beläge (= lebende Bakterienkolonien), die selbstverständlich auch in den defekten Rand hineinreichen.
 dsc_0030.jpg Mit dem kleinen Löffel (Durchmesser ca. 1 mm) frisch entfernte dünnflüssige Matsche aus dem hellen Zentrum des Lochs. Ohne Frage handelt es sich hierbei um ein hochaktives Gemisch aus lebenden Mikrobiota, Dentinresten und Abbauprodukten des Zahns.  
dsc_0029.jpg
Weitere Handexkavatoren (Instrumente zum Entfernen von Karies nur mit Hand) fördern zunächst noch dünnes, dann zunehmend festeres Material zu Tage. 
 dsc_0031.jpg Auf diesem Foto ist vielleicht zu erahnen, dass das "neue" Kariesloch, das durch die freie Bakterienentfaltung unter dem Kunststoff zustande kam, vom sowieso schon tiefen alten Boden weitere 1,5 mm tief in Richtung Zahnnerv wandert. Es ist also praktisch in jedem Moment damit zu rechnen, dass es in der Bildmitte anfängt zu bluten. Dann ist der Zahnnerv offen und die Wurzelfüllung in greifbarer Nähe.
 dsc_0032.jpgUm genau das zu vermeiden, wurde die Kariesentfernung an der tiefsten Stelle genau auf dem Stand des Bildes oben abgebrochen und nur noch die nicht gefährdeten Dentinbereiche sorgfältig bearbeitet. Dann alle Oberflächen mit 10%iger Polyacrylsäure eingepinselt, mit Wasser abgespritzt und sofort mit Ketac molar vollflächig - ohne irgendwelche Bonder und ohne (!) Trocknen des Dentins - aufgefüllt. GIZ (= Glas Ionomer Zement) ist genau dafür das richtige Material.

Der Kommentar

 

Ich erinnere mich sehr gut an die wohlfeilen Worte 1995 von Dr. Gordon J. Christensen, Betreiber des CRA Institutes - übrigens damals auch ein oft gesehener Dozent im Fortbildungsinstitut der Zahnärztekammer Nordrhein -  in seinem immer noch herausgegebenen "CRA Report": "Die Anwendung der 3. Generation der Dentin Adhäsive mit beeindruckenden Klebekräften von mehr als 20 MPa (MegaPascal) ist eine klinische erprobte und sichere Methode, Komposite (= Kunststoff) fest mit Dentin zu verbinden ...". Die Botschaft fiel auf fruchtbaren Boden. Kaum ein universitär bezahlter "Forscher" hier in Germanien wagt es heute - anno domini 2008 - diese Behauptung zu erschüttern. Mal im Ernst: ich (Joachim Wagner) sehe momentan gar keinen. Das finde ich gelinde gesagt ernüchternd.

Leider hat Christensen vergessen anzumerken, dass die Plastik - Zahnbein Klebeverbindung mit einem Ablaufdatum kommt. [Yes Mr. Christensen, if you dare to read this blog: you forgot to mention, that dentin bonding isn't meant to be forever. It will not last nearly as long as half the time amalgam fillings are in place and functioning. Yes, I am talking about a man's average half live, that is 40 (= fourty) years.] Und liebe mitlesende Kollegen und Kolleginnen, ich lade Sie herzlich gerne ein, mit mir die Debatte anzufangen, ob ich mir hier etwas aus dem Finger sauge, oder ob das auch schon untersucht und bewiesen ist. 

 

Zurück zu meiner Patientin: vor 13 Jahren hatte ich eine "Mehrkostenleistung" erbracht, damals mit fester Überzeugung und noch gutem Gewissen.  Heute gibt es zwar in meinem PC irgendwo noch so eine Position "Mehrkosten plastische Füllung mit adhäsivem Sch..ß ...", aber raten Sie mal, wie häufig ich die im Jahr 2008 genutzt habe? Richtig. Gar nicht. Und jetzt verrate ich Ihnen, warum das so ist. Weil mir höchstpersönlich eine nach allen Regeln der Kunst adhäsiv festgepappte Plastikfüllung meiner damaligen Assistentin, Frau W., nach einer gefühlten Nutzung von 1 Jahr (müßten etwa 3 gewesen sein)  einfach herausfiel. Dazu kamen Patientinnen mit unklaren Schmerzen nach frisch gelegten "Mehrkosten" Füllungen in die Schmerzsprechstunde. Auch wegweisend war ein Vortrag von Prof. Dr. (Schweden) Per Axellson über die Vorteile von Versiegelungen mit GIZ im Unterschied zu Kunststoff. Und eine Fotoserie in der Quintessence International ca. 1995 ... 1997, die ein australischer Kollege über seine mehr als 10 Jahre alten Glasionomerzement (GIZ) Frontzahnfüllungen (!) zeigen konnte. Makellos waren diese, ohne jeden bräunlich / beige abgesetzten Rand. Ich fand und finde das beeindruckend.

 

Nachtrag Frühjahr 2010: Der Zahnnerv des abgebildeten Unterkiefer Molaren hat die Prozedur nicht überlebt. Wenige Tage nach der Tiefstkariesversorgung kam es zu einer Schwellung. Wir können davon ausgehen, dass bereits zum Zeitpunkt dieser Bilder massenweise Bakterien in die Pulpa eingedrungen waren, die Patientin das aber nicht als Dauerschmerz empfunden hat.

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  • MatthiasK's Avatar
    Ich hab den Artikel jetzt online gestellt: http://www.matthiaskauer.com/2014/11/dental-care-minimum-effort-for-maximum-effect/ Vielen Dank noch mal!
  • Sabrina Fuchs's Avatar
    Hallo Gregor, habe und hatte zum Glück (dafür bin ich auch wirklich sehr dankbar!) die ganze Zeit keine Schmerzen! Das habe ich meinem ZA von Anfang an auch gleich gesagt und betone dies jedesmal wieder. Es ist lediglich dieses fürchterliche...
  • Gregor's Avatar
    Hallo Sidonie, ich würde trotzdem dazu raten den Zahn einmal untersuchen und röntgen zu lassen. Sieht man eine knöcherne Auflösung um die Wurzelspitze, spricht das schon für eine lokale Infektion, die vom Zahnarzt behandelt werden kann. Nach...
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    Hallo Sabrina, ist alles nur geraten, was ich von mir gebe. Habs ja selber nicht gesehen. Bringen denn normale Schmerzmittel eine Änderung des Druckgefühls oder ist es so unterschwellig, dass du keine brauchst? Ich würde das deinem Zahnarzt...
  • Sabrina Fuchs's Avatar
    Hallo Gregor, die Schwierigkeit dabei ist, daß mein ZA von Anbeginn nichts von einem Fremdkörper wissen und hören will, und daß, obwohl seine Assistentin mir einen Fremdkörper entfernen konnte. Er meinte dazu nur, daß er diesenn schließlich...
  • Gregor's Avatar
    Hallo Sabrina, ich würde anregen, dass die betroffenen Zähne nochmal mit Ultraschall Aufsatz gereinigt werden; vielleicht hat sich was von dem Fremdkörper tiefer unters Zahnfleisch gesetzt. Anschließend ein Chlorhexidingel in die Taschen...
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