Quintessenz Buch Bruxismus

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SchwachSuper 

Lesen Sie auch die Artikel Uniklinik Ddorf macht jetzt in CMD und Bruxismus und Brüche bis zum Abwinken Reloaded aus der Rubrik Biss, Knirschen und 'Funktion'

 

Und habe ich mir das Buch "Bruxismus" von Daniel Brocard, Jean-Francois Laluque und Christian Knellesen, übersetzt von Dr. Julie Schröder aus dem Französischen, Quintessenz Verlag, 2009 gegönnt. Hier die Besprechung.

dsc_1589.jpgMit dieser Ausgangslage erscheint ein 52-Jähriger Patient bei einem der drei Autoren des Buches vor 18 Jahren. Seine Beschwerden sind: unbefriedigende Ästhetik bemängelt durch sein Umfeld. Auf den Aufnahmen ganz gut zu erkennen, dass zwar die Frontzähne erheblich abgeknirscht sein müssen, diese aber weder endontische noch PA-Probleme aufweisen. 

dsc_1588.jpg

3 Jahre nach der ersten Kontaktaufnahme mit dem Behandler hat dieser eine erste Runde an Komplettversorgung durchgeführt. Im Oberkiefer wurden nahezu alle lebenden Schneidezähne wurzelbehandelt und mit vermutlich gegossenen Stiftaufbauten "versorgt". Verluste sind hier schon erkennbar: der Zahn 13 (oben noch Brückenanker mit Wurzelfüllung) wurde ohne Begründung extrahiert und durch ein Implantat ersetzt, am Zahn 22 hinterläßt die Wurzelbehandlung eine Entzündung an der Wurzelspitze.

dsc_1590.jpg

Das ist das Bild 18 Jahre später mit folgenden Originaluntertext: "18 Jahre später: neue Bilanz nach Abschluss der Behandlung (Wird die Behandlung jemals abgeschlossen sein?) Einige Jahre nach der ersten Behandlung mussten zahlreiche Elemente aufgrund von Frakturen der Keramik, der Wurzeln und sogar der Implantate ersetzt werden. Der Vergleich mit der Abbildung "3 Jahre später" zeigt den Umfang der durchgeführten Maßnahmen, die aufgrund des Bruxismus notwendig geworden waren, dessen Auswirkungen sich, auch nachdem der Patient in den Ruhestand getreten ist (5 Jahre zuvor), nur geringfügig abgemildert haben."

Kurze Betrachtung dieser Bilderserie

Endlich hat eine akademische Einrichtung (alle 3 Autoren des Buchs kommen von der zahnmedizinischen Fakultät Bordeaux, Frankreich) das Dauerscheitern von Prothetik im Mund eines typischen Knirschers dokumentiert. Und sie haben noch etwas getan: Sie haben im gleichen Mund den Test durchgeführt, was besser funktioniert, Vollkronen oder Vollkronen mit Stift"verstärkungen". Im Oberkiefer erhielt der Patient im ersten Behandlungsversuch Wurzelfüllungen, Stifte und darüber Kronen, im Unterkiefer nur Kunststoff Kronen ohne Wurzelbehandlung. Nach 18 Jahren sind offensichtlich dermaßen viele Komplikationen bei den wurzelbehandelten Oberkiefer Zähnen eingetreten, dass sie fast alle durch Implantate ersetzt werden mußten, im Unterkiefer dagegen kein einziger Zahn. Leider erfahren wir über das genaue Scheitern der Stift"versorgungen" nichts weiter als den Bildbegleittext zum Röntgenbild. Hier hätte es sich angeboten, die klinischen Fotos von zerstörten Kronen und gerissenen Frontzahnwurzeln wiederzugeben. In Bezug auf die zu wählende Behandlung von Knirschern scheint damit das Rennen entschieden zu sein: Vollkronen ohne Stifte sind das Gelbe vom Ei. Und das deckt sich mit meinen (Joachim Wagner, Zahnarzt) Beobachtungen.

 

Zum Buch

Es ist ein erster Versuch, über Bruxismus zu schreiben. Leider nicht mehr.  Das sowieso schon dünn ausgefallene Buch (90 Seiten) enthält Text für maximal ein Drittel davon, dafür zu viele Abbildungen von beschienten Frontzähnen. Wer auch immer die Fotos in das Buch montiert hat, es kann nicht von den Autoren selber kommen. Wenigen textlichen Highlights stehen viele Downlights entgegen. Ein Highligt sieht so aus:

" Die typische Behandlung oder Hilfe zur Behandlung des Bruxismus bleibt die Eingliederung eines Aufbissbehelfs, z.B. einer okklusalen Schiene. Der Wirkmechanismus ist jedoch nicht wissenschaftlich geklärt und sogar die Indikation ist umstritten. Die Rolle der Schiene beschränkt sich vermutlich auf den Schutz der Zähne vor Abnutzung ohne dass die Bruxismusaktivität vermindert oder verstärkt würde."

Ein Lowlight:

"Ätiologie Die Ätiologie des Bruxismus ist nicht eindeutig geklärt. Es besteht jedoch Einigkeit darüber, dass seine Ursachen multifaktorieller Natur sind. Lange Zeit hat man okklusale Faktoren favorisiert und in bestehenden Interferenzen die Auslöser für die verschiedenen Bruxismusformen gesehen. Rugh konnte jedoch durch Erzeugung experimenteller Interferenzen zeigen, dass die Malokklusion nur eine sekundäre Rolle in der Ätiologie des Bruxismus spielt und dass okklusale Korrekturen die parafunktionellen Vorgänge nicht beeinflussen. Die Berücksichtigung des Persönlichkeitstyps und des Stressgrades des Patienten hat sich schnell durchgesetzt. Dementsprechend werden heute die peripheren ätiologischen Faktoren, wie Okklusion oder anatomische Anomalien zugunsten psychosozialer Verhaltenskomponenten und psychopathologischer Faktoren vernachlässigt".

Damit das klar ist: Knirscher haben keine Persönlichkeitsstörung und was hier über Stress und Psychopathologie steht, ist Unsinn. Und dass wir über die Ursache des Knirschens noch so wenig wissen, stimmt auch nicht. Immerhin haben unsere Freunde bei der Okklusion die Kurve bekommen.

  Euro 56,-- für ein Buch im Umfang und Gehalt einer mittelmäßigen Zeitschrift erscheint dem Nichtkundigen sicher hoch gegriffen. Das Problem ist jedoch: es gibt kein einziges Buch von deutschen Autoren mit Bebilderung ausschließlich zum Thema Bruxismus. Wie gesagt: endlich haben wir einen Anfang. 

 

Nachtrag Montag 04. Mai 2009

Prof. Dr. Jakstadt, Leipzig äußert sich in der aktuellen ZM (Zahnärztliche Mitteilungen, 2-Wochenblatt) in einer Buchkritik zum gleichen Subjekt.  Danach sind die Aufnahmen im Buch wertvoll, jedoch hat Meister Jakstadt Vorbehalte gegen bestimmte Sachaussagen. Welche das sind, will er uns aber lieber nicht verraten. Bangbutz.

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