CMD = TMD muss dringend umdefiniert werden

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tmd22.jpg

 Die hier gezeigte Tabelle ist ein Resultat einer wissenschaftlichen Arbeit des Titel

Overlapping conditions among patients with chronic fatigue syndrome, fibromyalgia, and temporomandibular disorder.

Department of Medicine, University of Washington, Seattle, USA. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

und kann als Volltext (also die gesamte Veröffentlichung in der Zeitschrift "Archives of Internal Medicine") hier heruntergeladen werden im HTML oder PDF Format

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Was kann der Tabelle entnommen werden? Zunächst ein paar Sätze zum Vorgehen der Forscher. Die Testgruppen bestanden aus a) 22 Chronic Fatigue Syndrome (CFS) Patienten,  b) 25 Fibromyalgia (FM) Patienten, c) 22 Temporo Mandibular Disorder (TMD in Deutschland gleich CMD) Patienten und d) 22 Control = gesunde Kontrollpatienten. Die Zuordnung der Diagnosen erhielten diese Patienten aufgrund langjähriger Behandlung in spezialisierten Kliniken in Washington, Seattle. Diese knapp 100 Untersuchungsobjekte mussten sich 2 Tests unterziehen: zunächst einem 138 fachen Fragebogen nach Alter, Geschlecht, Schulbildung, Dauer der Erkrankung, früheren Diagnosen, derzeitige Symptome in alle Richtungen insbesondere CFS, FM, TMD, Irritabler Darm, Nachschmerzen von OPs, Spannungskopfschmerzen, vielfältige Überempfindlichkeit auf Chemie, chronische Rückenschmerzen im unteren Bereich. Dazu kam eine Untersuchung durch einen von zwei kalibrierten Medizinern, der die einschlägigen Druckpunkte der Rheumaliga abprüfte, sowie die Untersuchung auf TMD, als auch HNO vornahm. <- Kleiner Seitenhieb von mir (Joachim Wagner, Zahnarzt), hier ist die sagenhafte interdisziplinäre Zusammenarbeit bei CMD wenigstens ein einziges Mal aktenkundig geworden.

*) Die Tabelle ist im Original eine Spalte länger, dort ist das Signifikanzniveau in P aufgeführt (bei P kleiner oder gleich 0,01 gehen die Forscher von einem nicht zufälligen Unterschied aus. Hinweis: in den meisten klinischen Studien reicht anderen Forschern schon ein Ergebnis von kleiner als 0,05). Ich führe das im Text weiter aus.

 Ergebnis

Schauen Sie bitte in die Tabelle oben. Sie finden dort die 4 Patientengruppen in der Senkrechten unter den Überschriften CFS, FM, TMD und Control. In der Waagerechten hat es links ca. 10 verschiedene medizinische Diagnosen (auf englisch) und direkt daneben die Höchstpunktzahl (= Maxium Score), die man mit diesen  Diagnosen jeweils bekommen kann, Beispiel: TMD gibt im schlimmsten Fall 25 Punkte. Nehmen wir uns nun die Zeilen einzeln vor:

  1. CFS = Chronisches Ermüdungs Syndrom. Der Normalmensch (= Control) kommt auf 1,0 Punkte von maximal möglichen 12. CFS-Kranke erreichen sagenhafte 11 Punkte, aber Fibromyalgiker 8,6 und die TMD-Patienten 5,2 Letztere mit einer Standarbweichung von 3, was besagt, dass TMD-Einzelfälle auch die 9 erreichen. Zusatzinformation: alle Gruppenwerte unterscheiden statistisch hochsignifikant (P kleiner gleich 0,001) vom Normalmensch, d.h. die Abweichungen kommen eben nicht zufällig zustande.
  2. FM = Fibromyalgie, maximal mögliche Punktzahl 6, hier sehen die Werte wie folgt aus: CFS-Patienten 5,2, FM-Patienten 5, TMD-ler 3,2, Kontrollen haben  0,4 Punkte. Hier zeigt sich die enge Verwandschaft von CFS und FM. Auch hier hochsignifikante Unterschiede zu den  Kontrollobjekten (P kleiner gleich 0,001)
  3. TMD = Temporo Mandibular Disorder = in Deutschland hartnäckig noch CMD = Cranio Mandibular Dysfunktion genannt. Maximal möglich sind 25 Punkte. Die Werte: CFS-Patienten 11,6; FM-Patienten 14,6; TMD-ler 16, Kontrollen haben 9,3  Punkte. Jetzt wird es interessant. Die erste Feststellung ist die, dass hier die Gruppen untereinander und jeweils zur Kontrollgruppe sich gerade noch (aber nur) signifikant unterscheiden lassen (P kleiner gleich 0,01), aber speziell die TMD-ler und die Kontrollen sehr hohe Standardabweichungen (bis 50% vom Messwert) haben. Das bedeutet für die Wirklichkeit, dass man durch die gezielte TMD-Befundung (also das Abtasten von Kiefergelenken, Muskeln im Mund und um die Kiefer herum) auch Gesunde zu CMD-Kranken erklären kann. Und noch etwas fällt auf: Fibromyalgiker und CMD-Patienten sind in den Krankheitssymptomen CMD überhaupt nicht unterscheidbar.
  4. IBS = Irritable Bowel Syndrome = Reizdarm, Max. Punktzahl 7. Die Werte: CFS-Patienten 5,3; FM-Patienten 4,9; TMD-ler 3,8, Kontrollen haben 1,5 Punkte. Statistisch ist der Unterschied hochsignifikant (P kleiner gleich 0,001). Passt in der Gesamttendenz zum Rest, würde ich sagen.
  5. Interstitial Cystitis =  Harndrang (Frequenz bis alle 10 Minuten) zeigt keine signifikanten Unterschiede (P ist größer oder gleich 0,05). Alle statistischen Verprobungen bis auf FM zu Kontrolle sind nicht signifikant. FM zu Control ist signifikant (P kleiner gleich 0,01)
  6. Post-Concussive Syndrome = Nach-Hirnerschütterungs Syndrom. Max. Punktzahl 5.  Die Werte: CFS-Patienten 4,3; FM-Patienten 4,3; TMD-ler 2,5 Kontrollen haben 0,7  Punkte. Mit P = 0,02 wird das Signifikanz Niveau dieser Untersuchung knapp verfehlt.
  7. Multiple chemical sensitivities = multiple Überempfindlichkeit auf Chemie, max. Punktzahl: 21.  Die Werte: CFS-Patienten 14,5; FM-Patienten 15,5; TMD-ler 13, Kontrollen haben 4,3  Punkt. Alle Gruppen unterscheiden sich signifikant (P kleiner gleich 0,01) von der Kontrolle.
  8. Chronic tension-type headache = Spannungskopfschmerz, max. Punktzahl 4.  CFS-Patienten 2,2; FM-Patienten 1,7; TMD-ler 2,2, Kontrollen haben 0,1 Punkte. Alle Gruppen unterscheiden sich hochsignifikant (P kleiner gleich 0,001) von der Kontrolle.
  9. Chronic pelvic pain =  chronische Beckenschmerzen. Die Unterschiede zwischen allen Gruppen sind überhaupt nicht signifikant (P = 0,29).
  10. Chronic low back pain =  chronische Rückenschmerzen. Max. Punktzahl 11. Die Werte: CFS-Patienten 3,6; FM-Patienten 5,8; TMD-ler 2,4, Kontrollen haben 1,4  Punkte. Die Unterschiede zwischen den Gruppen und den Kontrollen sind signifikant (P kleiner gleich 0,01).

 

Zusammenfassung

Das Chronische Ermüdungssyndrom, Fibromyalgie, der Reizdarm und der Spannungskopfschmerz sind dermaßen eng mit den Krankheiten CFS, FM und TMD (=CMD) verkoppelt, dass sich beim besten Willen der unmittelbare Zusammenhang nicht mehr abstreiten läßt. Alle statistischen Verprobungen aller Gruppen (also auch der TMD-ler) mit gesunden Versuchspersonen ergeben hochsignifikante (P ist kleiner als 0,001; das bedeutet: niemals mit Zufall zu erklärende) Unterschiede. Weiterhin ergeben sich auf einem um eine 10-er Potenz (P kleiner gleich 0,01) kleinerem Niveau signifikante Unterschieder der Gruppen CFS, FM und TMD  zur Kontrolle bei den Erkrankungen: TMD )**, Nach-Hirnerschütterungs Syndrom, multiple Überempfindlichkeit auf Chemie und chronische Rückenschmerzen.

 )** Wobei ich (Joachim Wagner, Zahnarzt) kritisch anmerken möchte, dass ich nicht nachvollziehen kann, wie man als Statistiker bei einem Basiswert bei gesunden Kontrollpersonen für TMD von 9,3 (mit einer Standardabweichung von 4,6) und einem Messwert von 16,0 bei TMD Gruppe (Standardabweichung 4,6) auf eine statistische Signifikanz des Unterschieds kommen kann, besonders angesichts der nicht so hohen Teilnehmerzahlen. Ein Gesunder mit der StandardAbweichung 4,6 nach oben kommt auf 14,9, der TMD-ler mit der Abweichung 4,6 nach unten auf 11,4. Wie soll der Praktiker da bitte den Unterschied erkennen? Denn das ist bei fast allen anderen Erkrankungen deutlich anders, da liegen die Kontrollwerte viel dichter an der Nulllinie (z. B. CFS, FM, IBS, Spannungskopfschmerz .... ). Die einzige andere "Krankheit" die auch bei Gesunden hoch ausfällt, die chronische Beckenschmerzen, hat dann auch prompt gar keine statistische Signifikanz (P = 0.29)

Fragen an die Hardcore Funktionsanalysten

0. Wie erklären Sie die offensichtliche Verwandschaft von CFS, FM und TMD? Denken Sie immer noch, dass CFS Leute nur nicht lange genug auf Bissdifferenzen untersucht sind?

1. Was glauben Sie ist trennschärfer bei der Diagnostik von CMD: a) das Abtasten von Muskelpunkten außen im Gesicht und im Mund, oder b) das Nachfragen nach Spannungskopfschmerzen, Reizdarm, CFS und Fibromyalgie?

2. Wo liegt der wirkliche Grund für das 3-4 fach häufigere Auftreten der multiplen Chemieüberempfindlichkeit bei TMD, CFS und FM gegenüber Gesunden - auch am Biss?

3. Wie oben angedeutet bezweifle ich die statistisch korrekte Aufbereitung der Unterschiede zwischen TMD Patienten und Gesunden bei den gefundenen Werten 16 respektive  9,3. Wie wollen Sie ausschließen, dass Sie einen Haufen Gesunde nur deswegen zu CMD Kranke erklären, weil Sie bei der "manuellen Funktionsdiagnostik" gerade die nach oben überschießenden Fälle der Gesunden oder astreine Fibromyalgiker erwischt haben? Meiner Meinung nach führt das zu einer erheblichen Zahl an falsch Positiven, was auch durch MRT Untersuchungen lange belegt ist. Siehe hier: Funktionsanalyse hält 32% gesunde Kiefergelenke für krank

4. Das Nach-Hirnerschütterungs Syndrome (was auch dann vorkommt, wenn gar keine Hirnerschütterung stattgefunden hat) ist gekennzeichnet durch Symptome wie: Kopfschmerzen, Schwierigkeit sich zu konzentrieren, erhöhte Reizbarkeit u.a. , auch hier nachzulesen: TMD Patienten und irritabler Darm. TMD-ler schneiden hier deutlich schlechter ab als Gesunde, aber nicht ganz so übel wie CFS und FM Patienten. Wie stellen Sie sich den Zusammenhang zwischen diesen mentalen Handicaps und  der Mundmechanik vor - als so eine Art Hirn das mit Knöchelchen arbeitet?

 

Ich sage Ihnen was

Hören Sie auf mit dem Abtasten der Kiefermuskulatur! Schmerzen dort beweisen bei Licht besehen gar nichts. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gesunder aufjault beim Betasten seines Masseters ist fast so hoch wie beim TMD-ler, und bei den chronisch Müden und den Fibromyalgikern haben Sie gar keine Chance, mit dem Betasten von den angeblich wichtigen Punkten um die Kauleiste herum irgendwelche Unterschiede zum TMD-ler herauszufinden. Am Ende Ihrer Tasterei haben Sie einen bunten Sack voll weiblicher CFS, FM, TMD- Kranke und dazu Gesunde gesammelt, die zum großen Teil zu Unrecht in die "CMD" Schublade geschoben werden. Während Sie die Gesunden und einen bestimmten Teil der TMD-ler noch mit Placebobehandlungen wie Schiene, Craniosackral und Osteopathie hingehalten bzw. "geheilt" bekommen, laufen Sie bei den CFS und FM Patienten voll ins offene Messer. Diese Patienten wollen Sie nicht wirklich in Behandlung nehmen. Das sind die, bei denen jede Schiene und jede Einschleifmaßnahme nach hinten losgeht. Klartext: die stehlen Ihnen die Zeit und haben auch von Ihrer Anstrengung keinen Vorteil. Warum nicht gleich aussortieren?

Alleine schon die Resultate des Versuchs in den Kategorien "multiple Chemieüberempfindlichkeit" und "Nach-Hirnerschütterungs Syndrom" weisen ganz eindeutig auf das Zentralnervensystem (ZNS) als entscheidendere Größe hin. In Deutschland wird fast immer die "multiple Chemieüberempfindlichkeit" mit der Diagnose "Allergie" verwechselt, was aber absolut unzulässig ist. Die Chemieüberempfindlichkeit äußert sich beispielsweise als bitterer Geschmack im Mund, den der Normalmensch nicht bemerken kann, weil bei ihm - im Unterscheid zu den Empfindlichen - die Geschmacksnerven in ihrer Empfindlichkeit nicht stark hochgeregelt sind. Bei einer Allergie sind völlig andere Mechanismen am Werk: da werden durch geringste Mengen an bestimmten Stoffen (in der Regel Lebensmittel) Entzündungsprozesse in den Kontaktflächen und im Gesamtorganismus ausgelöst. Das führt nicht zu einem bitteren Geschmack, sondern zur Rötung und Schwellung.

Zurück zum ZNS. Die 3 Patientengruppen CFS, FM und TMD haben gemeinsam, dass sie Chemikalien viel stärker riechen und schmecken als der Normalmensch und dazu leicht Kopfschmerzen bekommen, sich schlecht konzentrieren können und unter erhöhter Reizbarkeit leiden. Das ist Neurologie pur. Riechen tut man mit dem 1. Hirnnerv, schmecken geht mit dem Nervus Trigeminus und Nervus glossopharyngeus, beides sind Hirnnerven, und die Kopfschmerzen, die Konzentration und die Reizbarkeit sind reine Hirnleistungen ohne jede Körperzutat. Gibt es dazu Fragen?

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