Neuropathische Schmerzen besänftigen

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SchwachSuper 

Lesen Sie auch die Artikel Die offiziellen Behandlungsempfehlungen Neuropathie  und Neuropathischer Mund/Gesichtsschmerz Teil 2  aus der Rubrik Chronische Schmerzen

 

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Die Grafik stellt 20 Jahre Pharmaforschung über die Behandlung von Neuropathien dar. Auf dem oberen Bild ist symbolisch das Ende einer Nervzelle, die irgendwo in der Haut beginnt, abgebildete. Das untere Bild zeigt den Spalt zwischen den beinen Verbreiterungen der Nervzellen (Synapsenspalt) und den Beginn der 2. Zelle in Richtung Hirn. Auf dieses kleinen Stück Nervgewebe können viele Steuerungstechniken einwirken.

 

Sie erkennen folgende Substanzen (von links nach rechts):

Lidocain, Carbamazepin, Pregabalin, Gabapentin, Ziconitid,  Flupirtin, Ketamin, Memantin, Opiate, Opioide für die Opiatrezeptoren, Baclofen.

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Hier sind nicht einmal die Hälfte aller heute schon bekannten Rezeptoren und dazu gehörenden Liganden (Substanzen , die die Wirkung am Rezeptor auslösen) dargestellt. Sie sollen hier als Leser einen Eindruck von der Vielfalt der  verschiedenen Angriffspunkte der Chemie auf die Nervzellen und deren Kontaktstellen zur nächsten Zelle (= Synapse) bekommen.

Ich zähle allein auf diesen beiden Grafiken 7 verschiedene Angriffspunkte für Liganden, und dazu auch Rezeptoren, die mehr als einen Liganden zulassen. Das ist der Grund für eine wichtige Regel: die beste Medizin gegen starke neuropathische Schmerzen kann eigentlich immer nur eine Kombination sein, weil die Substanzen an verschiedenen Rezeptoren oder / und Ionen Kanäle der Nervzellen in der Gesamtwirkung dann genau das tun, was sie sollen: dämpfen. In welchem Maße das an welchem Stellmechanismus am besten funktioniert, läßt sich heute noch nicht vorhersagen. Vermutlich wird es eines Tages dafür Gentests geben, die mit PC-Hilfe ziemlich zuverlässig den korrekten Mix an Gabapentin, Baclofen, Opioid und Ami für die konkrete Patientin angeben können. Aber bis dahin ist noch sehr viel Arbeit zu leisten, insbesondere auch die Frage, warum ein erheblicher Teil der Neuropathie Erkrankten auf ganz bewährte Substanzen überhaupt nicht reagieren.

Was Sie auch sehen ist, dass eines der wichtigsten Mittel in der Bekämpfung neuropathischer Schmerzen fehlt: Amitriptylin. Das liegt daran, dass Amitriptylin zwar das älteste bekannte Mittel (mehr als 40 Jahre im Einsatz z.B. bei Diabetes verursachten Schmerzen im Bein) ist, aber die genaue Wirkungsweise bis heute nicht bekannt ist, kein Scherz. Auf jeden Fall macht Amitriptylin nicht nur Wirkungen an den Opiat-Rezeptoren, sondern auch an vielen anderen neuralen Steuerungsstrukturen. Das führt zu einer Art Breitbandwirkung, aber auch zu einer hohen Zahl an Nebenwirkungen.

Mittel wie Pregabalin (Lyrica) und Gabapentin benehmen sich wesentlich übersichtlicher, sie greifen an den Calcium Kanälen an, während Lidocain (typisches lokales Betäubungsmittel)  und Carbamazepin (Tegretal) an den Natrium Kanälen Veränderungen macht. 

Übersichtlich ist auch Baclofen, ein stark unterbenutztes Antineuropathikaum, das gezielt am GABA Rezeptor ansetzt. 

Ketamin und Memantin muss man nicht kennen, diese stehen auf  der internationalen Liste für Antineuropathika erst auf dem 3. Rang der zu verwendenden Mittel, weil sie ausgesprochen üble Nebenwirkungen haben.

Opiate dürften allmählich bekannt sein: da hat es das Naturprodukt Heroin (chemisch leicht verändertes Morphium),  dann Oxycodon und das synthetischen Opiat Fentanyl, alles Sachen, die der Zahnarzt ganz sicher nicht verschreibt, weil sie in Deutschland allesamt dem Betäubungsmittel Gesetz unterliegen. Hingegen dürften die Opioide (Opiatähnliche) mehr Chancen haben, auch in der zahnärztlichen Praxis Verwendung zufinden: Tramal, Tilidin, Flunitrazepam, ...

Ob und inwieweit Zahnärzte für das Abfangen sehr starker (VAS > 8) Schmerzen, die dem Trigeminus zuzuordnen sind, zuständig ist, hängt sehr stark davon ab, was an Alternativ - Verschreibern zur Verfügung steht. Neurologen sind in Deutschland systematisch überlastet, ihr Arzeimittelbudget sowieso, beim Hausarzt sieht es nicht viel besser aus, und der Orthopäde denkt im Traum nicht daran, wegen der CMD "Peanuts" Schmerzen - gehen Sie mal als Patient zum Orthopäden: 4 Stunden warten mit schmerzverzerrtem Gesicht, weil der Rücken gar nicht mitspielt und in 2 Minuten ist der Meister mit Ihnen durch - irgend ein BTM Mittel herauszurücken.

Realistisch betrachtet sollte sich der ein oder andere Kollege/in berufen fühlen, die Schmerzmedikation von Fibromyalgikern und akuten TMD-Patienten selbst in die Hand zu nehmen.

 

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