Neue Leitlinien zur Behandlung der Migräne

Bewertung:  / 0
SchwachSuper 

Lesen Sie dazu die Artikel : Migräne und Phantom Zahnschmerzen hängen zusammen  und   Hat mein Zahn Migräne?  aus der Rubrik Chronische Schmerzen im Gesicht und Kiefer

 

Neue Leitlinien zur Behandlung der Migräne bei Erwachsenen und Kopfschmerzen von Kindern

01.04.2009

Neue Erkenntnisse in Therapieempfehlungen umgesetzt

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) hat in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) eine ausführliche revidierte Fassung ihrer evidenzbasierten Leitlinie für die Therapie der Migräne bei Erwachsenen vorgelegt. Die Leitlinie wurde im Laufe des Jahres 2008 von Experten beider Fachgesellschaften erstellt.
"Grund für die Revision war, dass die bisherigen Leitlinien mit neuen Erkenntnissen aus der Forschung aktualisiert werden konnten," sagte Prof. Dr. Dr. Stefan Evers, 1. Vizepräsident der DMKG und Ltd. Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Münster, anlässlich einer Pressekonferenz in Hamburg. Dazu gehören zum Beispiel neue Empfehlungen für die Therapie der chronischen Migräne oder der Einsatz von Kombinationen in der akuten Attackenbehandlung. Zur Akuttherapie der leichten Migräneattacke wird die frühzeitige und hochdosierte Einnahme von NSAR oder von Paracetamol empfohlen. Bei schweren Migräneattacken wird die Einnahme eines Triptans empfohlen, eine generelle Präferenz für eine bestimmte Substanz wird hierbei nicht ausgesprochen. Zur medikamentösen Prophylaxe der Migräne werden als Substanzen der ersten Wahl Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Valproinsäure und Topiramat empfohlen. Als Substanzen der zweiten Wahl werden Amitriptylin, Venlafaxin, Gabapentin, Naproxen, Acetylsalicylsäure, Pestwurz, Magnesium und Vitamin B2 empfohlen. Im Mittelpunkt der nicht-medikamentösen Behandlung der Migräne stehen neben Empfehlungen zur Lebensführung Entspannungsverfahren (progressive Muskelrelaxation), Biofeedbackverfahren und kognitive Verhaltenstherapie. Gerade die Kombination von nicht-medikamentösen Verfahren untereinander oder mit einer medikamentösen Prophylaxe ist besonders wirksam.

Zeitgleich haben die DMKG und die Deutsche Gesellschaft für Neuropädiatrie eine revidierte Fassung ihrer Leitlinie für die Behandlung von Kopfschmerzen im Kindes- und Jugendalter vorgelegt. Auch hier hat sich in den letzten Jahren eine Weiterentwicklung der medikamentösen Therapie gezeigt. So sind zum Beispiel Triptane jetzt auch für das Kindesalter erfolgreich untersucht worden. Nach den Richtlinien der Evidence-Based Medicine sind darin die spezifischen kontrollierten Studien für die Behandlung von idiopathischen (primär, unabhängig von anderen Erkrankungen) Kopfschmerzen im Kindes- und Jugendalter analysiert und in Therapieempfehlungen zusammengefasst worden.

Mit der höchsten Evidenz wird für die Behandlung akuter Migräneattacken oder von Kopfschmerzen vom Spannungstyp Ibuprofen (10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht) empfohlen. Diese Substanz hat sich in mehreren Studien als die wirksamste in der Behandlung von Kopfschmerzen bei Kindern gezeigt. Als Mittel der zweiten Wahl wird für alle Altersstufen Paracetamol (15 mg pro kg Körpergewicht) empfohlen, ab dem 12. Lebensjahr ist für Migräneattacken auch Sumatriptan Nasenspray (10 bis 20 mg) Mittel der zweiten Wahl (im Einzelfall kann es auch bei jüngeren Kindern eingesetzt werden). Bei Versagen der Akutmedikamente der ersten und zweiten Wahl werden als Ausweichsubstanzen der dritten Wahl Zolmitriptan 2,5 mg als Schmelztablette, Zolmitriptan 5 mg als Nasenspray, Rizatriptan 5 bis 10 mg, Almotriptan 12,5 und Dihydroergotamin 20 bis 40 µg pro kg Körpergewicht empfohlen. Für die medikamentöse Prophylaxe der Migräne werden Magnesium, Betablocker (Propranolol oder Metoprolol) und Flunarizin empfohlen. Flunarizin ist auch prophylaktisches Mittel der ersten Wahl bei migräneähnlichen Syndromen. Für andere Kopfschmerzarten liegen keine kontrollierten Studien für das Kindesalter vor. In der nicht-medikamentösen Prophylaxe von Kopfschmerzen im Kindesalter werden mit höchster Evidenz Entspannungsverfahren (progressive Muskelrelaxation), Biofeedbackverfahren und kindgerechte kognitiv-verhaltensorientierte Therapieprogramme empfohlen.

Weitere Informationen:
1. Vizepräsident der DMKG e.V.
Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers
Universitätsklinikum Münster
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Albert-Schweitzer-Straße 33
D-48129 Münster
Telefon +49 251 8348196
Telefax +49 251 8348181
E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Weitere Informationen:
http://www.dmkg.de

 

Kommentar

Ich (Joachim Wagner, Zahnarzt) bin selbst Migräniker. Seit 2007 erhalte ich die Substanz Topiramat (Topamax, Janssen) verordnet. Mit durchschlagendem Erfolg: kein großer Migräneanfall seither und die Nachreaktionen auf Alkohol sind kaum noch der Rede wert.

Die neuesten Forumbeiträge

  • MatthiasK's Avatar
    Ich hab den Artikel jetzt online gestellt: http://www.matthiaskauer.com/2014/11/dental-care-minimum-effort-for-maximum-effect/ Vielen Dank noch mal!
  • Sabrina Fuchs's Avatar
    Hallo Gregor, habe und hatte zum Glück (dafür bin ich auch wirklich sehr dankbar!) die ganze Zeit keine Schmerzen! Das habe ich meinem ZA von Anfang an auch gleich gesagt und betone dies jedesmal wieder. Es ist lediglich dieses fürchterliche...
  • Gregor's Avatar
    Hallo Sidonie, ich würde trotzdem dazu raten den Zahn einmal untersuchen und röntgen zu lassen. Sieht man eine knöcherne Auflösung um die Wurzelspitze, spricht das schon für eine lokale Infektion, die vom Zahnarzt behandelt werden kann. Nach...
  • Gregor's Avatar
    Hallo Sabrina, ist alles nur geraten, was ich von mir gebe. Habs ja selber nicht gesehen. Bringen denn normale Schmerzmittel eine Änderung des Druckgefühls oder ist es so unterschwellig, dass du keine brauchst? Ich würde das deinem Zahnarzt...
  • Sabrina Fuchs's Avatar
    Hallo Gregor, die Schwierigkeit dabei ist, daß mein ZA von Anbeginn nichts von einem Fremdkörper wissen und hören will, und daß, obwohl seine Assistentin mir einen Fremdkörper entfernen konnte. Er meinte dazu nur, daß er diesenn schließlich...
  • Gregor's Avatar
    Hallo Sabrina, ich würde anregen, dass die betroffenen Zähne nochmal mit Ultraschall Aufsatz gereinigt werden; vielleicht hat sich was von dem Fremdkörper tiefer unters Zahnfleisch gesetzt. Anschließend ein Chlorhexidingel in die Taschen...
Powered by nZambi!

Neueste Kommentare

  • Vollnarkose für Milchzähne ?

    Sylvia22.10.2014 14:16
    Bitte helft uns
    --------------- --------------- --------------- ------------- Ich habe am 30.10. Vollnarkose Termin bei ...
     
  • Vollnarkose für Milchzähne ?

    Sylvia22.10.2014 14:05
    Bitte helft uns
    Hallo. Meine Tochter ist 3.5 Jahre alt. Wir haben am 30.10. einen OP Termin. Sie hat durch einen Sturz ...
     
  • Warnung vor Jameda

    Pu100025.09.2014 17:24
    Arztbewertungen im Internet
    Die Bewertung des Zahnarztes, der verurteilt wurde, mir ein Schmerzensgeld von 6.000 € zu zahlen und ...
     
  • Warnung vor Jameda

    Pu100025.09.2014 17:16
    Arztbewertungen im Internet
    Am 23.09.2014 wies der BGH die Klage eines Arztes gegen ein Bewertungsporta l auf Löschung seines ...
     
  • Warnung vor Jameda

    B. Hinz25.09.2014 15:02
    Warnung vor Jameda
    Viele Jahre bei Jameda gewesen und mußte nun auch die schmerzliche Erfahrung wie alle anderen hier ...

GTranslate

Besucher

Besuche heute1150
Besuche gestern1359
Besuche Monat33014
Besuche Jahr374608
Seiten heute22876
Seiten Monat179320
Bots heute173