Wasser aus Dentin macht Kunststoff undicht

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Lesen Sie auch die Artikel Kunststoff Zahnmord   und Eines der wichtigsten Tierexperimente mit Kunststoff-Bonder   aus der Rubrik  Fortbildung

 

Wir haben neue Beweise, warum Glas Ionomer Zement (GIZ) Füllungen solchen aus Kunststoff grundsätzlich überlegen sind.

 reader_07.06.2009_144927.jpg

Bild 1

Zu sehen ist hier ein spezielles Elektronenmikroskop Foto (FE SEM) mit Glas Ionomer Zement (GIZ) in den oberen 85% des Bildes und Dentin (= Zahnbein) in den unteren 15%. Die kleinen Pfeile weisen auf die Besonderheiten dieses Schnittes hin. Die kugelförmigen Gebilde im Zement erregen das besondere Interesse der Forscher. Denn der Zement selbst bildet solche kugel- bis eiförmigen Räume nicht aus, wie vergleichende Untersuchungen ohne Dentin ergeben haben. Das passiert also nur, wenn der Zement auf Dentin von richtigen Zähnen (es handelte sich hierbei um gerade gezogene Weisheitszähne) gespachtelt wird.

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Bild 2

Im herkömlichen Elektronenmikroskop muss die Probe wasserfrei gemacht werden. Das Ergebnis sehen Sie links: der Glas Ionomer Zement (GIZ) scheint überall von Rissen durchzogen zu sein. Um die Kugel herum - gekennzeichnet durch ein Sternchen (*) - findet sich sogar ein großer Hohlraum. Die Risse und der Hohlraum entsprechen aber nicht der Wirklichkeit im feuchten Milieu. Es handelt sich um Artefakte (Kunstprodukte) durch die Trocknung. Das zur Klärung des ersten Eindrucks. Im Bild 2 geht es natürlich um diese Kugeln, wie sehen sie aus, was ist dadrin, wie entstehen sie?

 reader_07.06.2009_144957.jpg

 Bild 3

Das Bild 3 gehört nicht direkt zu der "Kugel" Geschichte. Aber hier zeigen die Forscher eine höchstauflösende Raster Elektronenmikroskop Aufnahme der Zone zwischen dem Glas Ionomer Zement (= hier als GIC geschrieben) und Dentin (= hier mit "D" bezeichnet). Dazwischen befindet sich der "intermediate layer" (= IL) , damit bezeichnen die Bildautoren die Zone in der a) ein spaltfreier Kontakt des Zements mit dem Zahnbein passiert, b) ein Austausch von Ionen (= lösliche Atome) stattfindet und c) Wasser vom Dentin in den Zement transportiert wird.

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 Bild 4 **)

In der linken Bildhälfte erhalten Sie einen Blick auf abgeschliffenes Zahnbein (= Dentin) - in diesem Fall für eine Krone - bei dem noch keinerlei Behandlung nach dem Schleifvorgang vorgenommen wurde. Das Dentin wird deshalb noch von dem so genannten "Smear layer" (= Schmierschicht) bedeckt. Die kleinen hellen Kügelchen darauf sind nicht anderes als Wasser (genau genommen "dentinal fluid", was aber zu 99% aus Wasser besteht). In der rechten Bildhälfte wurde ein Dentinbonder der vierten Generation der Firma De Trey (NT) angewendet.  Das Ergebnis ist, dass die Wasserquellen aus dem Dentin noch reichlicher sprudeln.

 vollbildaufzeichnung_07.06.2009_150937.jpg

 Bild 5

Ein in Deutschland meines Wissens nicht erhältliches Dentin Klebeprodukt namens Excite DSC taugt genauso wenig *), wie das Material aus Bild 4:  in der linken Bildhäfte wird die Dentinoberbläche direkt nach dem Klebevorgang abgebildet. Darauf scheint alles bestens zu sein. Knipst man die Oberfläche eine Woche später noch einmal, zeigen sich auch hier Undichtigkeiten en masse, dass man sich fragt, wozu jetzt eigentlich überhaupt das Zeug auf die Oberfläche gepinselt wurde. Offensichtlich hat es einen fast gegenteiligen Effekt. 

*) Ich empfehle die Originalarbeit (siehe unten) hierzu zu lesen. Darin schneidet das Produkt Prompt der Firma Espe noch schlechter ab.

 

Die Bilder 4 und 5 sind entnommen aus dem - jedem Zahnmediziner dringend anempfohlenen - Artikel

Water movement across bonded dentin - too much of a good thing

Franklin R. Tay  I; Ricardo M. Carvalho  II; David H. Pashley  III

I Pediatric Dentistry and Orthodontics, Faculty of Dentistry, The University of Hong Kong, China
II Department of Operative Dentistry, Endodontics and Dental Materials, Bauru School of Dentistry, University of São Paulo, Brazil
III Department of Oral Biology and Maxillofacial Pathology, Medical College of Georgia, Augusta, GA, USA

 Die Bilder 1 bis 3 kommen von

Interaction of glass-ionomer cements with moist dentin.


Yiu CK, Tay FR, King NM, Pashley DH, Sidhu SK, Neo JC, Toledano M, Wong SL.

Paediatric Dentistry and Orthodontics, Faculty of Dentistry, University of Hong Kong, Prince Philip Dental Hospital, 34 Hospital Road, Hong Kong SAR, China.

 

 


 

Die Kugeln - was ist damit?

 In der Studie "Interaction of glass-ionomer cements with moist dentin" (= Austausch von Flüssigkeiten bei Glas Ionomer Zement mit feuchten Zahnbein) wird im Laufe der Untersuchung klar herausgearbeitet, dass die Kugeln nichts anderes als Wasser aus dem Dentin sind. Denn im getrockneten Zustand entpuppen sie sich tatsächlich als leere Eier, soll heißen, außenherum befindet sich eine dünne Schale und innen nichts. Diese Kugeln können ausschließlich in der unmittelbaren Nähe zum Dentin (bis 350 Mikrometer = 0,35 Millimeter) gefunden werden. Bei entsprechenden Füllungen auf Schmelz (= harter Mantel außen am Zahn) kommen sie nicht vor, genauso wie bei Zementproben ohne Zahn. 

Und so kann ich (Joachim Wagner, Zahnarzt) den Kreis auch mit den Kunststoff Klebe Bildern Nummer 4 und 5 schließen. Der Beweis für einen Wassertransport vom Dentin in die Grenzzone zwischen Füllung und Zahn gelingt sowohl mit Glas Ionomer Zement (Bilder 1 und 2), als auch mit den Fotos von gebondeten Zahnoberflächen (Bilder 4 und 5). Ob also Wasser aus dem Zahn heraus fließt, kann gar nicht die Frage sein, sondern wie verkraftet das Material diesen Fluß? Die Antwort fällt angesichts der eindeutigen Bilder auch sehr einseitig aus: das Rennen gewinnt GIZ - um Längen.

 

**) im englischen Originalartikel genehmigt sich einer der Forscher in einer Bildunterschrift auch einen Klartext Satz: "How many more crown preps must weep through this episodes of condolences before manufacturers realize that permeability prevails in simplified-step adhesives" = Wie viele zusätzliche abgeschliffenen Kronenzähne müssen noch Beileid weinen, bis endlich die Hersteller einsehen, dass bei den 1-Flaschen Bonder alles offen bleibt?

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