Prof. Dr. Hickel und seine Vorliebe für Weißes

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Lesen Sie auch die Artikel  Probleme nach Kunststoff im Backenzahn   und  Respekt vor Amalgamfüllungen bitte   aus der Rubrik Welches Füllungsmaterial

 

Meinem geschätzten Kollegen Michael Logies, Zahnarzt in Wallenhorst, Niedersachsen, ist es tatsächlich gelungen, in der DZW (Die Zahnarzt Woche) von dieser Woche (18.06.2009) folgenden Leserbrief zu veröffentlichen. Der Abdruck hier erfolgt mit der ausdrücklichen Genehmigung des Autors.


 

Leserzuschrift zu DZW 23/09, S. 1 "Zahnfarbene direkte Restaurationen auch im Seitenzahnbereich"

Es ist schon atemberaubend, wie Herr Hickel als Professor für Zahnerhaltung die wissenschaftliche Literatur selektiv referieren kann, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist: Daß Füllungsmaterialien wie Amalgam, Composite oder Kompomer in ihren "Erfolgsraten" mehr oder weniger "ähnlich" wären. Wegen der gesundheitlichen wie gesundheitspolitischen Folgen solcher Falschaussagen ist dem energisch entgegenzutreten.

Wenn man sich die ernstzunehmenden Studien anschaut, also die randomisierten, prospektiven, mehrjährigen, in denen die oben genannten Materialien direkt (!) verglichen wurden, ist das Gegenteil richtig: In jeder dieser Studien schneidet Amalgam drastisch besser ab als Composite oder gar Kompomer. In den letzten Jahren sind in den USA (3) und Portugal (4) herausragende Studien an jeweils ca. 500 Kindern zu diesen Fragen durchgeführt worden, deren voller Text von der ADA frei angeboten wird.

Auszugsweise: In bleibenden Zähnen mußten innerhalb von nur 5 Jahren 14,9% der Compositefüllungen, aber nur 10,8% der Amalgamfüllungen ersetzt werden (P=0,45), die Reparaturrate betrug 2,8% vs. 0,4% (P=0,02) zuungunsten von Composite (3). In der Beobachtung von bis zu 7 Jahren betrug die Überlebensrate für Amalgam 94,4%, die für Composite 85,5%. Die Sekundärkariesrate, vor Frakturen Hauptgrund für Füllungsverlust, war für Composite 3,5fach gegenüber Amalgam erhöht (4). In einer Nachanalyse zu (3) konnte kein kariesprotektiver Effekt des Fluorids in Kompomer gegenüber Amalgam festgestellt werden (1).

Daß Herr Hickel selbst keine solche Studie durchgeführt hat, steht auf einem anderen Blatt: In Medline/PubMed lassen sich nur prospektive Arbeiten mit kleinen Teilnehmerzahlen von ihm nachweisen, in denen weiße Materialien untereinander, aber nicht mit Amalgam verglichen wurden. Und die Studiendauer betrug hinsichtlich Klasse I- und II-Füllungen auch nur 3 Jahre (Xeno III vs. Tetric Ceram, 43 Patienten, (2)), was hinsichtlich der diskutierten, ansteigenden Ausfallraten in späteren Jahren zu kurz ist (5).

Also: Nach (4) beträgt die Ausfallrate innerhalb von 7 Jahren für Amalgam 5,6%, für Composite 14,5 %. Der Wechsel von Amalgam auf Composite führt also zu 2,6mal mehr zu ersetzenden Füllungen in diesem Zeitraum. Ein schönes Konjunkturprogramm in schwierigen Zeiten zu Lasten von Patienten, Krankenkassen und, über die Honorarverteilungsmaßstäbe der KZVen, zu Lasten von Zahnärzten, die langlebige Amalgamfüllungen legen.

Nach diesen Ausführungen ist es wenig überraschend, daß eine im Auftrag einer deutschen Behörde (DIMDI) durchgeführte, aktuelle Übersichtsarbeit zum Ergebnis kommt, daß Amalgam länger hält als Composite und letzteres teurer ist (5).

Michael Logies, Zahnarzt, Wallenhorst

1. Trachtenberg F, Maserejian NN, Soncini JA, Hayes C, Tavares M. Does fluoride in compomers prevent future caries in children? J. Dent. Res. 2009;88(3):276-279. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19329464
2. Manhart J, Chen H, Hickel R. Three-year results of a randomized controlled clinical trial of the posterior composite QuiXfil in class I and II cavities. Clin Oral Investig. 2008. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18998173
3. Soncini JA, Maserejian NN, Trachtenberg F, Tavares M, Hayes C. The longevity of amalgam versus compomer/composite restorations in posterior primary and permanent teeth: findings From the New England Children's Amalgam Trial. J Am Dent Assoc. 2007;138(6):763-772. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17545265
4. Bernardo M, Luis H, Martin MD, u. a. Survival and reasons for failure of amalgam versus composite posterior restorations placed in a randomized clinical trial. J Am Dent Assoc. 2007;138(6):775-783. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17545266
5. Antony K, Hiebinger C, Genser D, Windisch F. Haltbarkeit von Zahnamalgam im Vergleich zu Kompositkunststoffen. DIMDI: Schriftenreihe Health Technology Assessment. 2008;76. http://gripsdb.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta224_bericht_de.pdf

--
Michael Logies, Zahnarzt, Große Straße 28, D-49134 Wallenhorst,
http://www.logies.de/ (u. a. _die_ Mailingliste für die Dentalbranche),

 

 


Kommentar

 

Die DZW setzt in der gleichen Ausgabe direkt dahinter einen grafisch hervorgehobenen Kasten mit einer anonymen Gegendarstellung folgenden Inhalts: "Der oben genannte Beitrag ist eine Zusammenfassung von zwei Vorträgen Prof. Hickels durch die DZW-Redaktion. Hickel hat in seinen Vorträgen in keiner Form eine Präferenz für zahnfarbene Füllungsmaterialien erkennen lassen, noch Amalgam als bewährtes Füllungsmaterial in irgendeiner Form infrage gestellt" Ende der anonymen Gegendarstellung der DZW.

 

Egal wer diese 2 Sätze  dahin geschrieben hat; die DZW Redaktion nach Telefonat mit Hickel, oder der Meister in München selber. Die Behauptung "in keiner Form eine Präferenz ... erkennen lassen" ist eine glatte Lüge. Hickel sagte sinngemäß 1) Komposit ist genau so haltbar und gut geeignet für die Zähne wie Amalgam und 2) man müßte nur etwas Kunststoff angepaßter arbeiten, dann wäre die Verarbeitung von Kunststoff im Seitenzahnbereich völlig unbedenklich, denn 3) schließlich gäbe es dafür ja auch mehr Geld, nämlich die Mehrkostenberechnung. Diese tendenziöse Darstellung der Eigenschaften von Komposit im Seitenzahnbereich ist von vornherein irreführend, denn sie suggeriert ähnliche Langzeitergebnisse. Hickel macht aber alles noch einseitiger, in dem er die bekannten und lange dokumentierten Probleme von Plastik in  Backenzähnen einfach unterschlägt. Ich erinnere an

  1. Spalten zwischen Kleber und Dentin nach Thermocycling
  2. Spalten zwischen Kleber und Dentin nach Alterung
  3. Häufigkeit endodontischer Komplikationen nach neuer Füllung mit Kunststoff
  4. Häufigkeit von Schmerzen nach neuer Füllung mit Kunststoff
  5. etc.

Als akademischer Vorturner ist es unanständig, solches zu tun.

 

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