Knirscher und Totalprothese Teil 5

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Lesen Sie auch die Artikel Cerec im Knirschermund   und Der zweitbeste Knirscher von Zahnfilm   aus der Rubrik  Biss, Knirschen und 'Funktion'

 

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Im Grunde erklärt sich diese Bildergeschichte selber. Trotzdem darf ich die Gelegenheit nutzen, dem Nichteingeweihten diesen typischen Fallverlauf einer Oberkiefer Totalprothese bei bestehendem Knirschen mit seinen üblen Folgen näherzubringen.

Frau S. (77) befindet sich seit 21 Jahren in meiner Behandlung und hatte beim ersten Besuch bereits eine Totalprothese im Mund. Von mir erhielt sie 2 mal neue Exemplare, nämlich gleich zu Anfang (1988) eine mit Stahlverstärkung, denn ihre Prothese davor, gar nicht so alt, zerbrach regelmäßig. Was ich als dezenten Hinweis auf erhöhte Kräfte im Mund und auf die Prothese wertete. Der Erfolg der Metallarmierung zeigte sich auch prompt: statt Brüche durch die Prothese hindurch, brachen nun einzelne Frontzähne aus und es entstanden kaum beherrschbare Druckstellen häufig im Frontzahnbereich. Nach keinen 10 Jahren Nutzungszeit hatte Frau S. ihre OK Totalprothese derart nachdrücklich in den Oberkiefer Knochen eingepresst, dass von den Schneidezähnen nicht einmal bei voll hochgezogener Oberlippe etwas zu erahnen war. Darum erhielt sie 1999 die hier gezeigten Zahnersatz Exemplare mit dem superhohen Oberkiefer (gut ersichtlich auf Bild 5). Zwischen der "Wurzel" der oberen Kunststoff Schneidezähne und der Schleimhaut befinden sich hier etwa 10 mm rosa Kunststoff plus 1 mm Stahl (Jawohl, Herr Kollege, Sie haben recht, das ist kein Stahl, sondern ... ). Normalerweise braucht es hier 1 bis 3 mm Kunststoff.

Dazu passen die Bilder 1 bis 3. Besonders in Bild 3 wird das Ausmaß der Verwüstung im Oberkiefer deutlich. Die Nasenunterkante liegt jetzt auf gleicher Höhe wie der Oberkiefer Knochen. Und das ist alles Andere, nur nicht normal. Vergleichen Sie das bitte mal mit Ihrem eigenen Mund und Nase, hier fehlen enorme Mengen vom Kiefer Knochen. Dieser ist dem Knirschen zum Opfer gefallen und das Problem ist keineswegs zu Ende. 

Es erübrigt sich eigentlich, noch aufzuschreiben, wie viel "Führung" und Festigkeit die obere Totalprothese jetzt noch hat, falls sich irgend jemand aus der Leserschaft Sorgen über eine Front- und Eckzahnführung macht. Die Oberkiefer Prothese schlabbert beim Seitwärtsbewegen des Unterkiefers etwa so, wie die Taumelbewegung von Waschmaschinen Trommeln beim Auslaufen aus dem Schleuderprogramm: anschaulich ließe sich das als "Eiern" bezeichnen.

 

Wer will das wissen, wer muss das wissen

Betroffen von dem geschilderten Problem sind 2 Bevölkerungsgruppen: 1) Knirscher/innen mit Totalprothesen und 2) die Behandler von 1). Für die Gruppe 1) stellt sich die Situation subjektiv immer so dar:

  • der Zahnersatz drückt relativ häufig
  • die Totalprothese sitzt locker
  • schon frühzeitig nach der Neuanfertigung fallen "einfach so" Schneidezähne heraus
  • Bruchreparaturen werden teilweise schon im ersten Jahr der Nutzung notwendig
  • der Zahnarzt kommt ins Schwitzen, ist unzufrieden und gibt Signale, der Patient möge woanders hingehen

 Umgekehrt erleben die Behandler die Knirscheigenschaft der Kunden als schwere Prüfung ihrer Kunst:

  • Knirscher mit Totalprothesen erscheinen 10 mal häufiger  zu Nacharbeiten nach Einsetzen einer neuen Prothese
  • Die etwa 10% Knirscher unter allen Totalprothesenträgern  verursachen  mindestens 50% aller Brüche und "ausfallenden" Schneidezähne
  • Ohne Metallverstärkungen zerlegen Knirscher ihre Totalprothesen in einem atemberaubenden Tempo. *) Wer hier bei der Planung schläft, wird vom Leben bestraft.
  • Knirscher mit Totalprothesen planieren alles: den eigenen Knochen, jede BissFinessen und jede Einschleif Philosophie. Im Endergebnis kommt es immer zu einer Tischplatten Okklussion und lockerem Sitz
  • Auch mit vielen Unterfütterungen ist über die lange Sicht kein fester Sitz der Prothese machbar. Das führt zu Enttäuschungen beim Patienten, der kein Verständnis für die Situation entwickelt.
  • Das Frustpotential dieser Klientel "Knirscher mit Totalprothese" ist und bleibt für den Zahnmediziner hoch 

 

  Schlußfolgerungen

Warum kann sich die verfaßte Zahnärzteschaft nicht endlich dazu durchringen, das Problem "Knirschen verträgt sich nicht mit Totalprothesen" offen anzusprechen? Wenn es etwas gibt, was ich als Behandler in meinen nunmehr 23 Praxisjahren verstanden habe, dann das. Wir werden keinem Knirscher das Knirschen abgewöhnen, oder ausreden oder wegtherapieren, denn das können wir nicht. Noch lange nicht. Und schon gar nicht zahntechnisch, mechanistisch.

Die bisherige Strategie des NichtHören, NichtSehen und NichtzurKenntnisNehmenWollen ändert aber nichts an den Tatsachen, wie ich in mehreren Beiträgen mit klinischen Fotos hier im Blog belegen kann.  Was würde eine Anerkennung der Tatsache "Knirschen verträgt sich nicht mit Totalprothesen" nützen? Antwort: eine ganze Menge. 

  1. Behandler brauchen den Besserwessi Gutachter bei einem Reklamationsgutachten nicht mehr fürchten. Wenn die Knirscher Totalprothese dauernd drückt und locker bleibt, ist das eben kein alleiniges Behandlerproblem
  2. Zahnmedizin Anfänger würden frühzeitig alarmiert, die Entstehung solcher Problempatienten zu vermeiden
  3. Die betroffenen Patienten würden einheitlich von allen Zahnheilkundigen  unterrichtet, dass sie Problemfälle sind und nicht - wie heute üblich - den Vorbehandler solange vom laufenden Behandler als unfähig dargestellt bekommen, bis der laufende Behandler - vorhersagbar - selber zum unfähigen Vorbehandler wird.
  4. Endlich kann ein korrekter Risiko Bruch Zuschlag für die Anfertigung von Zahnersatz bei Knirschern eingeführt werden. Nach dem Motto: Entweder Sie zahlen von vornherein für die Spezial Bruchfest Ausgabe deutlich mehr Geld, oder es gibt Zahnersatz wie bisher, dann wollen wir aber kein Gemecker mehr hören wegen des sicher eintretenden Dauerschwundes.

 

*) Nebenbei: die Begründung, mit der Metallverstärkungen für Totalprothesen aus dem Katalog der gesetzlichen Krankenversicherungen herausgenommen wurde, zeigt die Ignoranz der offiziellen Zahnärzteschaft gegenüber dem echten klinischen Problem Knirschen/Pressen. Augen zu und durch, lautet offensichtlich die Devise.

 

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