Abgeschrieben: Energiesparlampen ja, Amalgam nein

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SchwachSuper 

Lesen Sie auch die Artikel  Klartext: das hilft nicht bei Migräne und Füllung hält trotz zahnärztlichem Schwachmat 25 Jahre  aus der Rubrik Welches Füllungsmaterial

 

Den folgenden Artikel habe ich frecherweise - ohne den Autor vorher zu fragen - schlichtweg aus Der Zahnarzt Woche (DZW) Ausgabe 34/09 Seite 4 abgeschrieben, weil der Inhalt sich 100% mit der Meinung von Zahnfilm DE zur Frage "welches Füllungsmaterial" deckt. Der Autor möge es mir verzeihen.

 

Energiesparlampen ja, Amalgam nein

Von Zahnarzt Carlheinz Swaczyna, Krefeld

  Der Einsatz von Amalgam aus europäischer und medizinischer Sicht

Der Versuch, sich mit belastbaren Zahlen einer qualitätsgesicherten, evidenzbasierten Beurteilung von Füllungsmaterialien zu nähern, ist in Deutschland praktisch unmöglich. Auch die auf der IDS neu vorgestellte 10. Auflage des Dental Vademecum 2009/2010, das Standardwerk für Informationen über Dentalprodukte der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), enthält ohne deren Schuld wieder keine vollständigen Angaben zu sämtlichen Inhaltsstöffen (von mehr als 35 möglichen) von Kompositen.

  Die Zusammensetzung von Dentalamalgamen hingegen ist vollständig zugänglich. So wirkt das Silber in Amalgam als bakteriostatisch wirksame Substanz der Entstehung von Sekundärkaries entgegen. Bestandteile von Kompositfüllungen stehen im Gegensatz dazu im Verdacht, Bakterienwachstum und -besiedelung zu fördern. Hinzu kommt, dass es keinerlei verlässliche Daten zu Füllungsarten und Füllungsmaterialien und deren jährlicher Anzahl in Deutschland gibt. Weder die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und BZÄK noch das Statistische Bundesamt, die Gesundheitsministerien oder Krankenkassen verfügen über verwertbare Zahlen. Durch die Abrechnungsmodalitäten werden diese Zahlen noch undurchsichtiger, da sich hinter abgerechneten Amalgamfüllungen - legal - zunehmend Kunststoffrestaurationen verbergen oder - illegal - durch unerlaubte Zuzahlungen derselbe Effekt einstellt.

 Hochschullehrer, KZVen, Kassen in der Pflicht

  An etlichen Hochschulen werden zudem Amalgamfüllungen am Patient gar nicht mehr gelehrt. Dies nur am Phantom zu lehren und dann zu behaupten, es sei Teil der Lehre, ist schlechterdings skandalös. Diesen Umstand dann mit einer nachlassenden Nachfrage zu begründen, ist zynisch, da ohne Angebot eine Nachfrage gar nicht erst aufkommen kann. Da die Zahnärzte, anders als bei Amalgam, weder in der Hochschule noch aus anderen Quellen die Zusammensetzung von Kompositen erfahren, ist sogar das Einverständnis der Patienten gegenüber diesen Füllungswerkstoffen juristisch fragwürdig, setzt doch eine wirksame Behandlungseinwilligung eine vollständige Aufklärung des Patienten voraus. Diese sähe vermutlich anders aus, würden für Komposite und Amalgam die gleichen Maßstäbe hinsichtlich der Bestandteile und deren möglicher Nebenwirkungen angelegt. 

Unter diesen Gesichtspunkten ist die Qualifikation der "amalgamfreien Hochschulen" zur Approbationserteilug genaus zu hinterfragen wie auch die Duldung der Teilnahme von Praxen ohne Amalgamanwendung an der kassenzahnärztlichen Versorgung seitens der Krankenkassen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen, die zunehmend unter Verweigerung einer kassenversorgungskonformen Füllungstherapie stattfindet. Aus den genannten Gründen ist es überdies nach Auskunft der Gesundheitsökonomen aus der medizinischen Versorungsforschung praktisch unmöglich, die volkswirtschaftlichen Auswirkungen eines vollständigen Verzichts auf Amalgam in der kassenzahnärztlichen Versorgung der Bundesrepublik Deutschland zu kalkulieren. Dies würde auch die zahn- und allgemeingesundheitlichen Folgeschäden einbeziehen. die durch die Nichtinanspruchnahme der an sich kassenkonformen Versorgung zustande kommen, wenn diese nicht mehr flächendeckend angeboten wird. 

Dieser - für ein datenmäßig ansonsten beinahe beunruhigend lückenloses Land wie Deutschland - Mangel and epidemiologischen Daten lässt nur über den Umwege eine Spekulation über den Stand der Dinge zu. Das gilt auch für die Folgen der beobachteten Entwicklung oder ein etwaiges Verbot von Amalgam aufgrund des unlängst getroffenen Beschlusses der Umweltminister der Vereinigten Nationen bei ihrem Treffen in Nairobi. Dabei wurde eine Arbeitsgruppe beauftragt, den Beschluss bis zum nächsten Treffen des UNEP (UN-Umweltprogramms) - Verwaltungsrates 2011 in eine Verordnung umzusetzen.

Für die Europäische Union gelten ab 2011 ein Exportverbot und schärfere Laberbestimmungen. Einerseits soll zwar die Quecksilberbelastung in der EU reduziert werden, wobei das Amalgam weiterhin im Fokus bleibt, andererseits soll sich jetzt jedermann nur noch mit quecksilberträchtigen Energiesparlampen aufrüsten. Massive Zweifel an der Kompetenz der EU-Gremien drängen sich hier geradezu auf.

In den USA kam eine 2007 erschienene Studie aufgrund verlässlicher Zahlen zu dem Ergebnis, dass der Verzicht auf Amalgam erhebliche kurz- und langfristige Folgen hätte. Die persönlichen Kosten für Zahnbehandlung würden sich dramatisch erhöhen und weniger Behandlungen würden nachgefragt. Folgeschäden nicht nur zahnmedizinischer Art nähmen demnach zu und führten zu einer hohen Belastung des Gesundheitswesens und somit der Volkswirtschaft. Allein im ersten Jahr etwa nach einem Verbot würde dies in den USA 8,2 Milliarden US-Dollar ausmachen. Die gegenwärtige Wirtschaftskrise ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. Es wäre sicher interessant, diese Auswirkungen auch für Deutschland und die EU zu errechnen. 

Eine interessante Studie, wiederum aus den USA, bei der auch Interessenkonflikte (etwa durch die Nähe der Autoren zu bestimmten Materialien und Firmen) auszuschließen sind, findet sich in der Februarausgabe des JADA. Diese seriöse Studie beschreibt zutreffend die alltägliche Situation des Praktikers, sich mit der Notwendigkeit des Ersetzens einer vorhandenen Füllung durch eine neue auseinandersetzen zu müssen. Dabei ist zumeist ebenso wie in der Studie das genaue Ater der Füllung unbekannt und die Gründe für eine Neuanfertigung variieren.

Im vorliegenden Fall wurde die Behandlungsbedürftigkeit vorhandener Restaurationen in einem Zeitraum von der Erstuntersuchung bis zu einem Jahr danach bei 2.780 jungen US Marinesoldaten untersucht. 964 (15,2%) der bei der Erstuntersuchung vorhandenen Amalgamfüllungen und 199 (17,4%) der Kompositfüllungen wurden als behandlungsbedürftig eingeschätzt. Von den klinisch akzeptablen Füllungen waren innerhalb des Beobachtungszeitraumes 14,2 % Amalgamfüllungen und 16,7 % Komposit Restaurationen zu erneuern.

Die Autoren fanden einen signifikant höheren Erneuerungsbedarf für Kompositrestaurationen gegenüber Amalgamfüllungen, unabhängig davon, ob es sich um Füllungsversagen oder andere Erneuerungsgründe handelte. Insgesamt waren 30 % der posterioren Füllungen zu erneuern. Obwohl es sich dabei um eine junge militärische Population handelte, mussten mehr von anfänglich vorhandenen Komposit- als Amalgamfüllungen ausgewechselt werden. Bestätigt wurden die höhere Anfälligkeit mehrflächiger gegenüber einflächiger Füllungen und die Korrelation mit dem allgemeinen Kariesrisiko. Viele der ersetzten Restaurationen waren weniger als fünf Jahre alt und genügten daher weder den mittleren Verweildauern von Amalgam (zwischen acht und elf Jahren) noch von Komposit (sechs bis neun Jahre). Berücksichtigt man außerdem die zunehmende Verwendung von Kompositen, so kann überdies eine negative statistische Verzerrung zuungusten von Amalgamfüllungen nicht ausgeschlossen werden, da diese ja zunehmend im Vergleich zu Kompositen älter sind.

Nach diesen Ergebnissen kommen die Autoren zu dem Schluss, dass nicht ästhetische Erwägungen und/oder Patientenwünsche, sondern auch die Erneuerungshäufigkeit von posterioren Füllungen als maßgebliches Kriterium für die Entscheidung über das Füllungsmaterial mit einbezogen werden muss. Komposite sind daher nur für Patienten mit einem geringen bis mäßigen  Kariesrisiko geeignet. Die Kavitätengröße beschränkt ihren Indikationsbereich. Die entsprechenden Herstellervorgaben samt einer sorgfältigen Füllungstechnik sind exakt einzuhalten.

Auch eine andere Studie aus 2007 lässt Zweifel an der Zuverlässigkeit von interproximalen Kompositfüllungen aufkommen. Dort wurde festgestellt, das ein hoher Prozentsatz junger Erwachsener mit solchen Füllungen eine Sekundärkaries entwickelt.

Yes! We care!

Es ist angesichts dieser Studien nicht nachvollziehbar, dass hierzulande alleine einige Hochschullehrer weitreichende gesundheitspolitische Entscheidungen dadurch treffen dürfen, dass sie Amalgamfüllungen aus der konservierenden Versorgung ausschließen, indem sie diese nicht mehr lehren. Vielleicht wäre es in diesem Zusammenhang auch an der Zeit, dass etwa in Fachzeitschriften alle wissenschaftlichen Beiträge eine Erklärung zum Ausschluss von Interessenkonflikten enthalten, damit man sich ein eigenes Bild von der Unabhängigkeit der jeweiligen Studien machen kann.

Dieser Beitrag zur evidenzbasierten Zahnmedizin steht seit langem aus! Schließlich ist Wissenschaft auch die Verpflichtung zur Öffentlichkeit, und die letzten vollständig verfügbaren, aber teils veralteten Daten zu oft hochtoxischen und allergenen Komposit-Bestandteilen stammen aus 1998. In der Summe hat sich die Menge dieser Stoffe pro Individuum vervielfacht und ist daher ganz anders zu beurteilen als seitdem, will man den tatsächlichen wissenschaftlichen Kriterien Rechnung tragen.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in der gesellschaftspolitisch das Thema Arbeitslosigkeit in den Vordergrund rückt, kann sich meiner Meinung nach weder die akademische Zahnmedizin noch die niedergelassene Zahnärzteschaft eine derartige wissenschaftliche und therapeutische Verantwortungslosigkeit leisten. Eine bewährte Versorgung aus ideologischen Gründen, akademischer Eitelkeit und in erster Linie pekuniären Gründen weder zu lehren noch anzubieten, ist mit ethischem zahnärztlichen Verhalten nicht in Einklang zu bringen, da es die Zahngesundheit der uns anvertrauten Patienten unnötigerweise und mit unabschätzbaren Folgen gefährdet.

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