Nachkontrolle einer indirekten Pulpenüberkappung

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Lesen Sie auch die Artikel Experimentelle Pulpitis Behandlung  und Kunststoff Zahnmord aus der Rubrik Welches Füllungsmaterial 

 

img_1714.jpg

Bild 1

Gestern, am Donnerstag 29.Okt. 2009 hatte ich Gelegenheit eine sehr spezielle Baustelle vom 05. Dezember 2008 nachzukontrollieren. Ausweislich der Bilder 3 und 4 handelt es sich beim unteren der beiden Zähne in Bild 1 um den Zahn 15 von Herrn B. (53) aus der Bildergeschichte hier , die sich mit der großen Menge Karies beschäftigt, die unter lockeren Kunststoff Füllungen entstehen kann.

 img_1719.jpg

 Bild 2

Das Farbmuster auf der linken Schmelzwand des Zahns 15 deutet bereits an, dass der Schmelz millimeterweit unterhöhlt sein muss, denn die Farbe in Richtung Füllung unterscheidet sich erheblich von der füllungsabgewandten Schmelzfläche. Dieser Zahn reagierte gestern auf das Abklopfen mit einem Metallinstrument genau wie sein Nachbarzahn, nämlich unauffällig und bei der Kälteprobe mit Spray leicht verzögert, aber deutlich lebendig.

 dsc_0046.jpg

 Bild 3

Nicht nur die Schmelzwände in alle Richtungen sind unterhöhlt, auch das noch verbliebene Stück Kunststoff Füllung hängt im Freien. Diese Aufnahme stammt vom 05. Dez. 2008, wie auch das Bild 4. Würde der freischwebende Schmelz komplett entfernt, bliebe wahrscheinlich nur noch ein kleiner Zahnstumpf übrig.

 dsc_0045.jpg

 Bild 4

In der Mitte des Zahns läßt sich anhand der dunkleren Farbe die Zone ausmachen, wo der Zahnnerv (= die Pulpa) entweder direkt liegt, oder zumindest gelegen hat. Aufgrund dieses Bildes läßt sich nicht entscheiden, ob die direkt danach folgende Füllung mit GIZ (Glas Ionomer Zement) eine direkte oder indirekte Überkappung der Pulpa darstellt.

 

Experimentierzahn

Der vorliegende Fall fällt in die Kategorie grenzwertige Zahnerhaltung, weil die kariöse Zerstörung des Zahns vor einem 3/4 Jahr bereits so weit fortgeschritten war, dass man als Zahnarzt mit einem Scheitern der Zahnerhaltung mit mehr als 50% Wahrscheinlichkeit rechnen mußte. Trotzdem  habe ich spontan nicht zur Zange, sondern zum Handexkavator (Löffelchen) und Glas Ionomer Zement (GIZ) gegriffen, weil dieser Patient jeden einzelnen  seiner verbliebenen Zähne benötigt, denn er presst/knirscht in der verschärften Form. Der heutige Befund bestätigt die damalige Entscheidung. Welche Erkenntnisse lassen sich gewinnen?

  1. Für die Erhaltung eines lebenden und klinisch unauffälligen (= nicht überempfindlichen) Zahnnervs ist die komplette Entfernung einer tiefen Karies nicht notwendig. Im Gegenteil: es liegen inzwischen wissenschaftlich klare Beweise dafür vor, dass das radikale Entfernen kariöser Substanz die Lebenderhaltung des Zahnnerven eindeutig gefährdet.
  2. Offensichtlich verträgt sich die Kombination aus Restkaries und direkt aufgebrachtem Glas Ionomer Zement (GIZ) gut, weil sie eine spaltfreie Verklebung vollautomatisch herstellt (chemical fusion zone ) und selbst auf massive Verarbeitungsfehler kaum reagiert.
  3. Freihängender Schmelz sollte nicht zwangsläufig entfernt werden. Gerade in Zusammenhang mit GIZ treten selten Sprünge oder Abplatzungen des freihängenden Schmelzes auf.

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