PC vernarrte Bissvermesser gegen eine Unterzahl Einsichtige

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Das letztjährige Treffen der Funktionsdiagnose Zahnärzte, genauer der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFT) 2009 vollbildaufzeichnung_212010_23502_pm.jpgin Frankfurt stand offenbar unter dem Motto : O.A. auch hier tonangebend ...  O.A. ist niemand anderes als der Generalsekretär der Gesellschaft, Herr Priv.-Doz. Dr. M. Oliver Ahlers, Hamburg. Schaut man sich die Zusammenfassungen der wissenschaftlichen Vorträge, Seminare und Poster auf der Tagung (erscheinen als  "Abstracts" im Internet Auftritt der DGFT) an,  dann stellt man fest, dass 6 von 32 Vorträgen direkt vom Generalsekretär und/oder seinem subalternen Kollegen H. Jakstat gehalten wurden und weitere 10 Vorträge aus dem engeren Kreis der CMD Glaubensgemeinde Deutschlands (Dapprich, Christiansen, Bernhardt, Smolenski, Landeweer, Sander, Kordaß ...) kamen. Genau 5 Vorträge von 32 bestritten ausgewiesene CMD Kritikern, nämlich Kares (Saarbrücken), Gallo (Zürich), Stratmann (Köln), Lückerath (Bonn) und Schindler (Karlsruhe) - auf deren Inhalt noch einzugehen sein wird - und bemerkenswerterweise entpuppte sich auf der 2009-er Tagung Dr. Köneke (Bremen) nunmehr als Angehöriger des CMD-Kritiklagers.

Wenn Sie als Leser richtig mitgezählt haben, dann fehlen noch ca. 10 Referate. Dabei handelt es sich um die Sorte "white noise" = Forschung, die keiner braucht. Beispiele: "Reale Unterkieferbewegungen in virtueller Umgebung" von Henk (Wien), oder auch  "Biologische Zeitmuster als Basis rhytmischer Therapien in der Medizin des 21. Jahrhunderts am Beispiel der Matrix-Rhytmus-Therapie (MaRhyThe(R)) " von Randoll (München).

Die Vortragenden beweisen in diesen Arbeiten regelmäßig ihre beifallheischenden PC-Kenntnisse und man sieht als Zuhörer, dass sie viel und lange vor dem Bildschirm gehockt haben, fragt sich aber unwillkürlich, was denn der ganze Multimedia Zauber mit den wirklichen Schmerzen von wirklichen Patientinnen zu tun haben soll. Wie mit solchen Forschungen das Los von chronisch schmerzkranken Frauen befördert werden kann, bleibt reichlich unklar. Da ist wenig Medizin dabei, aber viel elektronischer Narzismus für den luftleeren Raum. Es erübrigt sich festzustellen, dass diese Art Virtualmedizin noch nicht einmal das totale Frauenübergewicht im Klientel zur Kenntnis genommen hat.

 

Bemerkenswert

an den "Abstracts 2009" sind meiner Einschätzung nach weniger die Beiträge der CMD Glaubensgemeinde, also Ahlers, Jakstat, Dapprich, Kordaß ... , denn diese kreisen gewöhnlich um das Thema, "wie kann ich den Biss und die Unterkieferlage zum Oberkiefer möglichst aufwändig elektronifizieren", sondern die der Kritiker der CMD- Ideologie. Ich greife heraus:

 1) Horst Kares, Saarbrücken spricht in seinem Vortrag die Widersprüche zwischen den Diagnoseschritten und Therapien der Theoretiker und der in der zahnärztlichen Praxis vorgefundenen Wirklichkeit von Schmerzen - er nennt sie ganz neutral  "orofazial" - an und entwickelt ein eigenes Konzept aus seiner Praxis.

2) K.R. Stratmann aus Köln warnt davor, zu glauben, dass Schienen ein "ungefährliches" Therapiemittel seien. Er zeigt Fälle, bei denen eine Langzeitbehandlung mit Schienen ganz gravierende und nicht wieder gutzumachende Schäden im Gebiß anrichtet.

3) Walter Lückerath, Bonn referiert über sein Lieblingsthema: die Genauigkeit, mit der Bisse grundsätzlich erfassbar sind. Zu unterscheiden ist die Wiederhol Genauigkeit der Messtechnik, die er auf ca. 0,1 mm beziffert und die  Wiederhol Genauigkeit einer bestimmten Position durch den Patienten, die zwischen 0,1 und 1,0 mm liegt. Letztere bestimmt also den Gesamtfehler, was man sich bei aller Bemühung um den "absoluten Biss" klarmachen sollte.

4) H.J. Schindler, Karlsruhe misst an 10 Probanden mit Hilfe der elektrischen Muskelaktivitäts Bestimmung, ob die Kaumuskulatur beim Drehen und Beugen des Nackens nervlich anders angesteuert wird als im geraden Zustand. Ergebnis: die Motorsteuerung ändert sich nicht, aber die effektive Krafteinwirkung, was dafür spricht, dass die Änderungen rein mechanisch über die Muskelhäute (= Faszien) übertragen werden.

 

5)  Der Überraschungsgast ist kein Unbekannter. Dr. C. Köneke aus Bremen referiert  unter der Rubrik:   Grundlagenforschung zur Ätiopathogenese über das Thema

  Das Hirnstamm-Irritations-Syndrom

Zitat aus den "Abstracts" Beginn

EDV-gestütze Diagnostik über die CMD hinaus Ch. Köneke, Bremen  Der Hirnstamm scheint in der Genese der CMD-Symptomatik eine wichtige Rolle zu spielen. Es gibt aktuelle Arbeiten, die das Verständnis der CMD weit weg vom okklusalen Geschehen rücken. Dachten wir noch vor einigen Jahren, dass die CMD-Symptomatik immer mit der Okklusion gekoppelt ist, müssen wir diese Ansicht heute relativieren. Das insbesondere deshalb, weil auch in anderen Fachgruppen (HNO, Orthopädie, Augenheilkunde,...) Krankheitsbilder mit identischer Symptomatik beschrieben werden, deren Therapieerfolg bei Behandlung im entsprechenden vermeintlichen Ursachenfachbereich einheitlich mit ca. 80% angegeben werden. Das wäre nicht zu verstehen, wenn der Hirnstamm als Schaltstelle nicht entscheidende Aufgaben übernähme und wenn nicht spezielle Neuronen für eine kumulative Reizantwort verantwortlich wären. Im Vortrag wird der Bezug zum aktuellen Stand der Forschung im fachübergreifenden Bereich hergestellt. Besonderes Augenmerk gilt der Neurologie. Es wird eine EDV-gestütze Diagnostik vorgestellt, die den Anforderungen dieser Prozesse gerecht wird. Ein neues Verfahren, das über den Stand der bisherigen CMD-Diagnostik und -Therapie hinausgeht. Fachübergreifend, selbsterklärend und innovativ.  

Ende des Zitats

  Nachtigall

ick hör dir trapsen, würde der Berliner jetzt anmerken.  Wenn das mal nicht woanders abgekupfert wurde. Ich gebe einen Tipp: tippen Sie als Leser von Zahnfilm DE einfach hier links oben in das Suchfeld den Begriff  "Hirnstamm" ein. Ich (Joachim Wagner, Zahnarzt) finde, dass unser wackerer Vorträger wenigstens den lateinischen Namen (Medulla oblongata) hätte verwenden sollen, damit das mit dem Kupfern nicht so direkt auffällt. Ich meine, mal ehrlich: wie kommt ein gelernter Zahnarzt sonst ausgerechnet auf den Hirnstamm?

  Und wo wir dabei sind

Der Vortrag - oder dessen Zusammenfassung - ergibt keinen Sinn. EDV gestützte Diagnostik kann im Zusammenhang mit einem bisher weitgehend unerforschtem Gebiet (beantworten Sie z.B. nur mal die Frage, in welcher Beziehung steht die CMD zur Fibromyalgie) nur Unsinn ergeben, nach dem Prinzip: wird Unsinn reinprogrammiert kommt Unsinn heraus. Und wenn Sie Leser (Köneke z.B.) genauer hinschauen, in das, was ich hier schreibe, werden Sie feststellen, das nicht einmal ich die Kurve hinbekomme von der übererregten Nervzelle im Trigeminus Hirnstammgebiet direkt zur CMD. So einfach wird das nicht gehen. Immerhin bin ich Ihnen verbunden für diesen Satz : "Dachten wir noch vor einigen Jahren, dass die CMD-Symptomatik immer mit der Okklusion gekoppelt ist, müssen wir diese Ansicht heute relativieren."

Nur sollte ich Sie schon warnen: Wenn Sie diesen Satz etwas deutscher und deutlicher formulieren, wird die DGFT in der nächsten Konferenz möglicherweise auch ohne Ihre Hilfe zurecht kommen. Weiter so.

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