Wieder Karies unter Kunststoff

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Lesen Sie auch die Artikel Erwachsenenkaries findet im Zahnzwischenraum statt  und Typischer Zahnärzte Blättchen Quatsch

 

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Bild 1

Frau C.D. (43) erscheint zum ersten Mal im Jahr 2007 zur Untersuchung in der Sprechstunde und erfährt dort von mir, dass links unten Behandlungsbedarf unter ihren großen Kunststofffüllungen besteht. Ich rate angesichts der Größe der vorhandenen Teile direkt zu Kronen. Leider sehe ich Frau D. erst im Mai 2010 mit beginnenden pulpitischen Beschwerden links unten wieder.

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Bild 2

Weder die Patientin noch ich bin in der Lage, auf Anhieb zu entscheiden, welcher der beiden Zähne 37 (in allen Bildern der LInke) oder 36 (der Rechte) die akuten Beschwerden verursacht. Nach dem Motto "die statistisch wahrscheinlichste Stelle zuerst" beginne ich mit der Rückseite des 6-ers.

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Bild 3

Zwar scheint die Baustelle am rechten Zahn gefährlich tief unter dem Zahnfleischniveau zu enden, aber die Tatsache, dass ich unter der letzten Kunststoffschicht keine Matsche (= Karies) angetroffen habe, verringert die Wahrscheinlichkeit, dass Zahn 36 der Schuldige ist, in diesem Fall deutlich.

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Bild 4

Ich bevorzuge es übrigens, nicht die komplette Füllung herauszunehmen. Die Patientin kommt mit akuten Beschwerden und wünscht sich eine effektive (= schnelle und möglichst sichere) Behebung ihrer Schmerzen. Aus jahrzehntelanger Erfahrung kalkuliere ich damit, dass der Ursprung der tiefsten Karies nur an der Grenzfläche Kunststoff / Wurzel hinten am 36 oder vorne am 37 liegen kann. Deswegen bohre ich dort gezielt und nicht unnötigerweise den ganzen Zahn auf.

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Bild 5

Ich trage jetzt peu a peu den Kunststoff im Zahn 37 im vorderen Bereich mit dem Diamantschleifer ab. An dieser Stelle erfolgt der Fotostop, weil jetzt überdeutlich zu sehen ist, was die Patientin in diesem Fall zum Zahnarzt geführt hat: eine fette Sekundärkaries unter dem Kunststoff an der Grenze zwischen Kunststoff und Wurzel im Zahnzwischenraum. 

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Bild 6

In den Fotos 5 und 6 "schwebt" noch der Plastikdeckel über der entscheidenden Baustelle des Tages. Es fehlt nur noch ein kleiner Schleifabtrag und dann wird sich ein Plastikstück ohne Zutun des Zahnarztes von alleine aus dem Zahn entfernen. Diesen Vorgang erahnen Sie, wenn Sie das Bild 6 und 7 vergleichen.

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Bild 6b

Hier sehen Sie einen Ausschnitt aus Bild 6 herausvergrößert. Das bräunliche Material links vom roten Zahnfleisch nennt sich Karies, oder auch kariös erweichte Zahnhartsubstanz. Auf jeden Fall handelt es sich um Matsche, die jetzt nur noch entfernt werden kann.

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Bild 7

Bild 7 sollten sich alle Kunststoff Befürworter lange und intensiv vor Augen führen. Mindestens 3 schwere ungelöste Probleme der Kunststoff Anwendung im Seitenzahnbereichung sind hier zu besichtigen:

  • a) Die Spaltbildung unter der Kunststoff Füllung.
  • b) die Kariesentstehung an der Problemstelle Nummer 1, der Grenzzone Kunststoff/Wurzeldentin im Zahnzwischenraum.
  • c) Entzündetes Zahnfleisch direkt daneben.
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Bild 8

Nach der vorsichtigen Kariesentfernung präsentiert sich die Baustelle jetzt so. Vergleichen Sie Bild 6 mit Bild 8: Sie werden feststellen, dass der Vorbehandler nicht nur sehr "mutig" war, an dieser tiefen Stelle Kunststoff einzusetzen, sondern es auch geschafft hat, die Füllung zu kurz, also nicht bis zum vorderen Rand des Zahns zu legen.

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Bild 9

Bei sehr hoher Vergrößerung (Faktor ca. 1:20) zeigt sich, dass Reste der Blutbeseitung auf dem chemisch gesäuberten Dentin zurückgeblieben sind. Schaut man sich das angrenzende Zahnfleisch an, wundert man sich aber allenfalls darüber, dass hier überhaupt eine solche "trockene" Fotosituation hergestellt werden konnte, denn eigentlich blutet und "sabbert" ein so aussehendes Zahnfleisch pausenlos.

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Bild 10

Die erste Schicht Glas Ionomer Zement ist gelegt. Den mitlesenden Kollegen/innen fallen sofort mehrere - nicht gewöhnliche Vorgänge dabei - auf:

a) Es ist kein Keil, kein Kofferdam und keine Matrize zu sehen.

b) Auf den ersten Blick scheint auch nicht klar, wo Zahn 36 aufhört und 37 anfängt.

c) Es blutet schon wieder leicht.

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Bild 10b

Auch in Bild 10b wurde aus Bild 10 das Zentrum weiter herausvergrößert. Wenn Sie genau hinschauen, werden Sie bemerken, dass die Glas Ionomer Zement Unterfüllung in beiden Zähnen jeweils etwas über den noch stehenden Zahnrand hinausreicht und dann mit dem Heidemannspatel (Minispachtel mit Griff für den Zahnarzt) am Zahnfleischrand abgeteilt wurde - ähnlich wie ein Rasenbeet mit einem Spaten. Es gibt genau 2 Materialien, mit denen im Mund während eines Speichel/Blut/Serumzutritts trotzdem ein bakteriendichter Randschluß erzielbar sind: 1) Amalgam und 2) Glas Ionomer Zement. Alle anderen Substanzen versagen jämmerlich, wie hier auf den Bildern 5 bis 7 für den Fall Kunststoff eindrücklich dargestellt ist.

 

Zahnfilm DE

spezialisiert in der möglichst realistischen Berichterstattung von der zahnmedizinischen Front. Und dazu gehören eben nicht unbedingt die Hochglanz Fotoserien von der Neuentstehung weißer Zahnflickarbeiten, wie sie neuerdings auch in angeblich wissenschaftlichen Zahnmedizin Blättchen wie Quintessenz, ZWR etc. in Mode kommen. Blut-, flecken- und defektfreie Schaubilder von Kunststoff Neuschöpfungen in makellose Zähne hinein mögen sicher fotogener wirken und für die Hersteller der Flickartikel auch angenehmere Werbeträger abgeben, aber für meine Patienten ist wichtiger:

  • Wie sehen die Problemzonen nach 10 Jahren wirklich aus?
  • Ist das Material dann tatsächlich noch spaltfrei dicht?
  • Kann ich davon auch bitte hochauflösende Bilder sehen?

Im Unterschied zu den Schönwetter Kollegen zeige ich hier tatsächlich Bilder von mehr als 10 Jahre alten Seitenzahn Flickarbeiten in Kunststoff. Nur mit dem Unterschied, dass deren Neigung zur Spaltbildung im Zahnzwischenraum nahezu immer (!) ein Riesenproblem am betroffenen Zahn verursacht hat und deshalb dringendst entfernt werden muss - wenn es der Zahnnerv bis dahin überlebt hat.

 

Kommentare   

 
0#2Tiefkariesj.Wagner2012-02-27 08:00
Hallo Gast, ich vermute, dass die Kunststofffüllungen an beiden Zähnen 37 und 36 mehr als 10 Jahre alt sind. Das spricht aber keineswegs für das Material, denn wenn Sie etwas Übung in diesem Geschäft hätten, wäre Ihnen klar, dass für beide Zähne der Untergang des Zahnnerven nur noch eine Frage von ein paar Monaten gewesen wäre. Und daran ist das Material ursächlich beteiligt, weil es die kritischen Stellen unten am Zahnhals zwischen den Zähnen überhaupt nicht antikariös beeinflusst, sondern eher das Gegenteil tut.

Viele Grüße Joachim Wagner
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0#1RE: Wieder Karies unter KunststoffGuest2012-02-26 17:49
Sind die hier abgebildeten Kunststoffüllungen mehr als 10 Jahre im Zahn gewesen ? Das wäre ja schonmal nicht so schlecht. Oder sind die deutlich jünger ?

Hat die Patientin eine tägliche Säuberung dieses Zwischenraums vorgenommmen ?

Da der 36 ja keinen so großen Schaden hatte (wenn überhaupt), dann könnte das ja alles auf den Verarbeitungsfehler an 37 zurückzuführen sein (auch wenn Kunststoff in der Größe und Tiefe natürlich nicht das gelbe vom Ei ist).
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