Mythos 5: Eine "zu hohe" Versorgung führt zu TMD

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Lesen Sie auch die Artikel  Vorläufiger Kommentar zu Mythen der gnathologischen KFO  und 2 Bisse des Tages und erfundener Behandlungsbedarf

 

Dies ist die Fortsetzung des Artikels Mythen der gnathologischen KFO.

Kurzzusammenfassung des Abschnitts von J. Wagner:

Ein schlagendes Argument der Gnathologen geht bekanntlich so: "Wer nicht daran glaubt, dass Bissstörungen etwas mit TMD (in Deutschland noch = CMD) zu tun haben, dem sollte man einfach eine zu hohe Füllung einbauen." Die beweisgestützte Medizin behauptet daher auch nicht, dass Bissstörungen keine Beziehung zur TMD haben, dass sie aber eine wesentlich kleinere Rolle spielen als bisher gedacht.  Führt man placebokontrollierte Studien mit Bisserhöhungen an verblindeten Versuchspersonen durch, finden sich auch bei scheinbehandelten Personen die gleichen Ergebnisse wie Kopfschmerzen und TMD etc. wie bei den tatsächlich behandelten Gruppen. Die Ergebnisse sind also widersprüchlich.

 

Vorbemerkung Joachim Wagner, Übersetzer: Der Australier ist anders. aussiEr denkt unabhängiger als viele andere Nationen. Das zeigt sich in der Zahnmedizin deutlich in a) der Bevorzugung von Glas Ionomer Zement (GIZ) gegenüber Kunststoffen, b) der krassen Ablehnung von Homöopathie,  und c) der klaren Ansage gegen die kieferorthopädische Gnathologie, wie im folgenden wissenschaftlichen Artikel des Kieferorthopäden Donald J. Rinchuse. Dr. Rinchuse betreibt seit Jahrzehnten zusammen mit seinem Bruder in Perth, Australien eine Praxis für Kieferorthopädie unter dem Motto "All Dentists are not created equal" = Nicht alle Zahnärzte sind gleich". Sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Sanjivan Kandasamy wird 2012 in Perth, Australien die nationale Konferenz für KFO leiten.

Alle Zahlen zwischen den Sätzen der Arbeit beziehen sich auf die Literaturangaben ganz unten hier im Text unter der Überschrift "References". Dort geben die beiden Autoren 123 Stück (!) wissenschaftliche Artikel an, die ihre Aussagen unterstützen.

Mythen der gnathologischen KFO

von J. Rinchuse a and Sanjivan Kandasamy b Greensburg, Pa, and Perth, Australia

Rinchuse

Mythos 5: (5) Eine "zu hohe" Versorgung führt zu TMD

In 1995 schrieb Roth 87 "Ich würde gerne die Gelegenheit haben, jedem eine zu hohe Backenzahnversorgung mit Balancestörungen einzubauen, der glaubt, dass der Biss nichts mit TMD zu tun hat." Er benutzte dieses sofort einleuchtende Argument um seine Meinung zu unterstützen, dass Bissstörungen der wichtigste Grund für TMD seien.
Sicherlich wäre es unlogisch zu argumentieren, dass dicke Bissstörungen das gesamte Beisssystem nicht ungünstig beeinflussen könnten und möglicherweise auch einigen negativen Einfluss auf die Kiefergelenke haben könnten. Die moderne beweisgestützte Medizin argumentiert nicht, dass Bissstörungen (und das steht im harten Kontrast zu Balance Kontakte, die heute als gutartig und nicht mehr einzuschleifen betrachtet werden) gar kein auslösender Moment für TMD sein kann.

Das Argument heute ist, dass der Biss nicht die wichtigste, sondern eher eine kleinere Rolle spielt, als man früher dachte. Die okklusale Äquilibrierung liegt auch immer noch im Bereich der EBM (Evidenced Based Medicine). 22-27, 88 Die Biss Provokationsstudien (provozierte oder hergestellte Bissstörungen in Versuchsteilnehmern) sind widersprüchlich hinsichtlich der Frage, ob zu hohe Versorgungen TMD verursachen. 89-92  TMD ist sicherlich eine mögliche Konsequenz von provozierten, zu hohen Versorgungen, aber genauso können Kopfschmerzen, lockere Zähne, Knirschgeräusche etc. herauskommen usw. Dazu sind die meisten Biss Provokationsstudien nicht neutral genug, weil sie typischerweise Zahnmedizinstudenten oder medizinisches Personal als Untersuchungsobjekte benutzen, die selbst schon Meinungen zu den möglichen Ergebnissen der Behandlungen hatten.  Interessant ist, dass einige Untersuchungsteilnehmer in den Kontrollgruppen (solche ohne zu hohe Versorgungen) ebenfalls die gleichen Behandlungsergebnisse wie z.B. Kopfschmerzen und TMD etc. wie in der tatsächlich behandelten Gruppe hatten. Die Erhöhung der vertikalen Dimension des Bisses beeinflußt nicht generell die Kiefergelenke negativ, außer beim Vorliegen von internem Derangements (= anterioren Diskusdislokationen).93-96

 

MYTH 5: A "HIGH" RESTORATION PROVOKES TMD In 1995, Roth 87 wrote: "I would like to have the opportunity of placing a `high molar restoration with balancing interferences' in the mouths of all who believe that occlusion has nothing to do with TMD." He used this intuitively appealing argument to support the notion that occlusal interferences are the primary cause of TMD. Certainly, it would be illogical to argue that gross occlusal disharmonies would not adversely affect the stomatognathic system and potentially have some negative impact on the TMJs. The modern evidencebased paradigm does not argue that occlusal interferences (this is in sharp contract to balancing contacts that are generally considered benign and typically do not need occlusal adjustments) are no longer a possible etiologic agent for TMD. The argument is that they now are not primary and have a lesser (secondary) role than once thought. Occlusal equilibration of gross occlusal prematurities is still within the realm of evidence­based care. 22­27,88 The occlusal provocation studies (provoked or produced occlusal interferences in subjects) are equivocal as to the role of high restorations causing TMD. 89­92 TMD is certainly a potential consequence of a provoked high restoration, but so are headaches, tooth mobility, fremitus, and so on. Furthermore, most occlusal provocation studies are biased because they typically used dental students (or nurses) as subjects who had some notion of the possible outcome of the intervention. Curiously, some subjects in their control groups (with no high restorations) also had some of the same outcomes (eg, headaches and TMD) as those in the experimental group. Increasing the vertical dimension of occlusion does not generally negatively impact the TMJs unless there is a preexisting ID. 93­96


REFERENCES 

22. Rinchuse DJ, Kandasamy S. Articulators in orthodontics: an evidence­based perspective. Am J Orthod Dentofacial Orthop 2006;129:299­308.

23. Rinchuse DJ, Kandasamy S. Centric relation: a historical and contemporary orthodontic perspective.  Volltext! J Am Dent Assoc 2006; 137:494­501.

24. Rinchuse DJ, Kandasamy S, Sciote J. A contemporary and evidence­based view of canine protected occlusion. Am J Orthod Dentofacial Orthop 2007;132:90­102.

25. Rinchuse DJ, Rinchuse DJ, Kandasamy S. Evidence­based vs experience­based views on occlusion and TMD. Am J Orthod Dentofacial Orthop 2005;127:249­54.

26. Rinchuse DJ, McMinn J. Summary of evidence­based systematic reviews of temporomandibular disorders. Am J Orthod Dentofacial Orthop 2006;130:715­20.

27. Rinchuse DJ, Sweitzer EM, Rinchuse DJ, Rinchuse DL. Understanding science and evidence­based decision making in orthodontics. Am J Orthod Dentofacial Orthop 2005;127:618­24.

87. Roth R. Point: a three­dimensional comparison of condylar position changes between centric relation and centric occlusion using the mandibular position indicator. Am J Orthod Dentofacial Orthop 1995;107:315­8.

88. National Institutes of Health Technology Assessment Conference Statement. Management of temporomandibular disorders. J Am Dent Assoc 1996;127:1595­606.

89. Riise C, Sheikholeslam A. The influence of experimental interfering occlusal contacts on the postural activity of the anterior temporal and masseter muscle in young adults Volltext! . J Oral Rehabil 1982;9:419­25.

90. Randow K, Carlsson K, Edlund J, Obery T. The effect of an occlusal interference on the masticatory system. An experimental investigation. Odontol Revy 1976;27:245­56.

91. Magnusson T, Enbom L. Signs and symptoms of mandibular dysfunction after introduction of experimental balancing­side interferences. Acta Odont Scand 1984;42:129­35.

92. Rugh JD, Barghi N, Drago CJ. Experimental occlusal discrepancies and nocturnal bruxism. J Prosthet Dent 1984;51:548­53.  

93. Kahn J, Tallents RH, Katzberg RW, Moss ME, Murphy WC. Association between dental occlusal variables and intraarticular temporomandibular joint disorders; horizontal and vertical overlap. J Prosthet Dent 1998;79:658­62.

94. Rivera­Morales WC, Mohl ND. Relationship of occlusal vertical dimension to the health of the masticatory system. J Prosthet Dent 1991;65:547­53.

95. Kovaleski WC, DeBoever J. Influence of occlusal splints on jaw positions and musculature in patients with temporomandibular joint dysfunction. J Prosthet Dent 1975;33:321­7.

96. Manns A, Miralles R, Santander H, Valdivia J. Influence of the vertical dimension in the treatment of myofacial pain­dysfunction syndrome. J Prosthet Dent 1983;50:700­9.

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