Zahnfilm DE beantragt einen professionellen Psychiater in der Zahnmedizin

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Wer - wie der wichtigste BRD Kanzler Helmut Kohl - etwas Gespür für Geschichte hat, ahnt, dass es hohe Zeit ist für die deutsche Zahnmedizin, sich nun endlich ernsthaft mit dem menschlichen Krankheiten der Seele zu beschäftigen. Warum ich das jetzt schreibe, kann ich Ihnen, liebe Leser, verraten:

 

1. Wir wollen Antworten auf die vielen unbeantworteten Fragen, die sich im Zusammenhang mit Schmerzen ergeben, die offensichtlich nicht mehr den Zähnen zugeordnet werden können. Stellvertertretend seien genannt: TMD ( in Deutschland immer noch hartnäckig CMD genannt), neuropathische Schmerzen, psychosomatische Beschwerden etc. Wieviel Anteil daran hat die Seele?

2. Mindestens 40 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Deutschlands leidet an (durch einschlägige Fragebögen) nachweisbaren Störungen der Psyche, wie z.B. Angst- und Panikstörungen, Depression etc. Die meisten der gelernten Zahnmediziner halten dazu instinktiven Abstand. Das Problem ist, dass im täglichen Patientaufkommen dieser "Problemanteil" aber ganz sicher überrepräsentiert ist. Machen wir uns klar: Der überwiegende Teil der Zahnärzteschaft zieht es vor, den Riesenanteil von "schwierigen" Patienten schlichtweg zu ignorieren und so zu tun, als wäre alles bestens. Und wenn wir die Frage stellen, warum sie die psychischen Krankheiten nicht sehen wollen, dann treffen wir auf: Angst vor der Berührung mit "gefährlichem Gebiet" und nackte Unwissenheit.

3. 1992 wird in den USA in Seattle am Pazifik im US-Staat Washington Geschichte in der Definition (= Festlegung) der TMD (in Deutschland noch hartnäckig CMD genannt) geschrieben. Ausschlaggebend ist ein Mensch namens Samuel F. Dworkin, ein gelernter Zahnarzt, der nach 20 Jahren Praxis in New York City ein Studium der Psychiatrie parallel zum Beruf abschließt. Dieser Dr. Dworkin wird in den 80-er Jahren wissenschaftlicher Mitarbeiter an der besagten Universität  und entwickelt die neuen Kriterien der inzwischen international anerkannten RDC/TMD (= Research Diagnostic Criteria / Temporo Mandibular Disorder), die geprägt sind durch seine Zusatzausbildung als Psychiater. Die klare Betonung liegt hier also auf: Dr. Dworkin ist auch studierter Psychiater.

4. Dr. Marbach - Der "Finder" des Phantom Biss Syndroms. Dr. Joseph Marbach ist - wie Dr. Samuel F. Dworkin - ein gelernter Zahnarzt und beide kommen aus New York. Ob es an der Stadt liegt, wissen wir nicht, aber Dr. Marbach weiß genug von Psychiatrie, ohne es studiert zu haben,  um "seinen" Phantom Biss korrekt als psychosomatisches Geschehen einzuordnen. Und wieder kommt das Seelenfach als entscheidende medizinische Fachrichtung in der Zahnmedizin vor.

5. Dr. Katharina A. Philips hat sich als eine der ersten mit ihren Studien über die Body Dysmorphic Disorder (BDD) Störung verdient gemacht, in denen nicht nur viele gescheiterte Schönheitschirurgie Patienten, sondern auch Zahnmedizin Patienten auftauchen, deren Erkrankung eindeutig nicht im Mund zu finden ist. *) Zum ersten Mal zeigt eine Psychiaterin, wie eine unbehandelte Delusion (= falsche Überzeugung über die Beschaffenheit des Gesichts, des Kiefers ...) eine Endlos Schleife an Behandlungsversuchen, vorhersagbarem Scheitern, Beschuldigungen an den Behandler, Behandlerwechsel und Beginn der nächsten Runde im Dauerlauf am Rennen hält. Nichts kann BDD-ler von ihren Überzeugungen abbringen. Entweder gelingt es, den Wahnsinn durch die Gabe von Serotonin Wiederaufnahmehemmern zu unterbinden oder diese Menschen enden nicht selten fatal (= tödlich). Beim Vorliegen von BDD hat ein Zahnmediziner ohne psychiatrische Kenntnisse nicht den Hauch einer Chance, a) den Patienten als Problempatient zu erkennen oder b) ihn in die einzige hilfreiche Richtung zu schubsen.

 

Es ist

eigentlich unglaublich, dass die verfaßte Zahnärzteschaft in Deutschland, und das sage ich im Bewußtsein, dass Deutschland auch im Jahr 2010 merkwürdigerweise noch dentalmäßig wichtig ist, es bis heute nicht geschafft hat, nur einen einzige/n Psychiater/erin in den Stand hinein zu bekommen. Es gibt zu Hauf Doppelapprobierte, also solche mit dem Studium der Zahnmedizin und der Medizin (z.B. alle Kieferchirurgen), aber nicht einen mit der Kombination eines Vollstudiums Zahnmedizin und Psychiatrie. Bei Licht besehen tut sich hier eine seltsame, eigentlich unverzeihliche Lücke auf.

Wie wollen Zahnärzte Fragen wie die folgenden ernsthaft beantworten?

  • Woran erkenne ich schizophrene Züge am Patienten während einer Zahnbehandlung?
  • Wie reagiere ich als Behandler angemessen auf Panikattacken? Was wären Todsünden in diesen Situationen?
  • Wie kann ich unterscheiden zwischen Phantom Biss und zu hohem/ zu niedrigem Biss?
  • Wann liegt so genannter "psychogener Schwindel" vor?
  • Welche Medikation ist empfehlenswert beim Vorliegen einer Angststörungen und endodontischer Behandlung mit Komplikation des Schmerzerlebens (unerklärbare Höchstschmerzwerte )?
  • etc.

 

*) BDD gehört zu den ganz schlimmen psychiatrischen Erkrankungen, von denen Außenstehende nicht glauben können, wie dramatisch die Überzeugungen der Patienten in deren Leben eingreift und für einen Dauer Ausnahmezustand verantwortlich sind. Berühmtestes Beispiel ist übrigens Michael Jackson, dessen Geschichte der letzten Lebensjahre eine Geschichte des Selbstbetrugs über seine Krankheit war. Ich sah unlängst eine Dokumentation mit Original Interviews mit ihm, das letzte etwa 5 Jahre vor seinem unnatürlichen Tod. Darin behauptet er allen Ernstes gegenüber dem ernsthaft und hartnäckig bleibenden Interviewer, dass er noch nie schönheitschirurgische Eingriffe an sich habe durchführen lassen, was angesichts der angespitzten Schmalnase und den verkleinerten Lippen niemals der Wahrheit entsprechen kann. Selbst die völlig unnatürliche weiße Hautfarbe sei laut Jackson ganz einfach zu erklären: er gehe nicht mehr raus.

Jeder, der diese Worte hörte, auch jeder Zuschauer am TV, wußte in dem Moment: der Typ läuft nicht mehr rund.

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