Frechheit: Erfundene Karies und überflüssiges 8-er Ziehen

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Dankenswerterweise hat mir mein Internet Patient S.G. seine spezielle Geschichte ausdrücklich zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Er hat sich die Mühe gemacht, die Reihenfolge der Ereignisse und die dazu gehörenden Bilder gut sortiert und beschriftet bei mir einzureichen. Deshalb gebe ich  seine Original Darstellung weitgehend ungekürzt hier wieder:

 

Zitat

Hallo Herr Wagner, hier die entsprechenden Dateien und Informationen die ich bezüglich meiner Zähne zusammengetragen habe:  

1. 23.06.2009   Mein erster Besuch in der Zahnarztpraxis F.D..   Erster Befund zeigt, dass meine Zähne prima in Ordnung sind.   (Da ich meine Zähne sehr gut pflege und auch meine vorherigen Zahnärzte in Aachen, Frau G. und Herr Dr. C. in den Jahren davor keine wesentlich gefährdeten Stellen fanden.) Frau D. erwähnt explizit, was sie von Amalgam hält und dass in Ihrer Praxis auch definitiv keine Amalgamfüllungen mehr gemacht werden.

 
opg2. Ich habe die Zahnarztpraxis von F.D. am 6.4.2010 aufgesucht da alle Zähne abwechselnd oben und unten zeitweise schmerzten (meine Vermutung war eine Kiefernhöhlenentzündung).  Am 8.04.2010 wurde dann eine Panorama-Röntgenaufnahme von meinen Zähnen gemacht:   und mir wurde unmißverständlich von der Sprechstunden Hilfe Herrn M. klargemacht: Zahnärztin Frau D. halte es für unumgänglich, sofort die verbliebenen 3 Weisheitszähne beim Kieferchirurgen entfernen zu lassen, da diese für die entsprechenden Schmerzen verantwortlich sein könnten.  Auch wäre eine Knirscherschiene unbedingt notwendig, da ich stark zu Bruxismus neigen würde. (Was mir persönlich und auch anderen Personen noch nie aufgefallen war.). Kostenpunkt: 200 Euro. (Ich habe das Formular erstmal nicht unterschrieben und mir ein paar Tage Bedenkzeit erbeten.)  Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich dabei dann auch die Art und Weise, dass die Überweisung aus der Praxis direkt per Fax an den von der Praxis D. für mich ausgesuchten Kieferchirurgen übermittelt wurde.  


skili3. Beim Termin mit dem Kieferchirurgen Dr. Dr. med. O.G. im Zentrum "Links am Rhein" wurde ich dann sehr freundlich und auch sehr professionell und kompetent über die Risiken der Weisheitszahnentfernung in Kenntnis gesetzt (z.B eine 2% ig mögliche Durchtrennung des Subgingivalis Inferior bei der Entfernung des rechten unteren Weisheitszahnes und hierrauf folgenden lebenslangen Taubheit der Lippe, der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auftretende Durchbruch in die Kiefernhöhle durch entfernung des oberen Weisheitszahnes, usw.)  Auf meine Frage ob er die Operation in Anbetracht der nur noch sehr kleinen Schmerzen für indiziert hält, verneinte der Kieferchirurg und ich müsse ihm deshalb unterschreiben, dass dies ein schönheitschirurgischer Eingriff ist.  Da meine sehr wechselhaften Zahnschmerzen in den verschiedensten Zähnen mittlerweile sehr stark abgeklungen waren (wahrscheinlich wg. des Antibiotikums gegen die Kiefernhölenentzündung das mir mein Hausarzt verschrieben hatte) kamen mir definitive Zweifel ob der Notwendigkeit des kieferchirugischen Eingriffes insbesondere in Anbetracht der möglichen Risiken.  


skire4. Die Sprechstundenhilfe Herr M. von F.D. rief mich persönlich auf der Arbeit an, um sich zu erkundigen ob ich nun endlich den kieferchirurgischen Eingriff hatte vornehmen lassen, was ich verneinte und auch betonte das ich mir auch gar nicht sicher sei, ob dies nötig wäre. Auf die Information, dass selbst der Kieferchirurg keine direkte Indikation sähe, schloß sich ein kurzes Gespräch an, in dem mir mit Nachdruck zur Weisheitszahnentfernung geraten wurde, da die Frau D. so eine Empfehlung ja nicht "einfach nur so" bescheiden würde, aber es wären ja meine Zähne und ich hätte mit den Konsequenzen zu leben....  


5. Es wurde ein weiterer Termin in der Zahnarztpraxis D. vereinbart, bei dem ich nur über die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten aufgeklärt werden solle.  


6. Die Komplettsanierung wurde von der Zahnärztin Frau F.D. "verordnet", obwohl ich in keinster Weise um eine Totalsanierung meiner Zähne, NOCH um die Entfernung aller Amalgamfüllungen gebeten hatte (Dazu hätten dann auch die nicht bedachten Füllungen der Zähne 16 und 17 gefehlt). Das Informationsgespräch in dieser Praxis wurde von der "Sprechstundehilfe" Herrn M. durchgeführt und mir wurde unmißverständlich klargemacht (O-Ton Herr M.: "Wir haben uns schon sehr zurückgehalten"), dass eine dringed notwendige Sanierung meiner Zähne unausweichlich wäre, da die schwarzen Stellen im Bild: "Kariesschema"  ALLES kariöse Strukturen sind, die unbedingt einer möglichst zeitnahen Reparatur bedürfen.  Mir wurden von Herrn M. gleichzeitig 3 Kostenvoranschläge überreicht: a) Kostenvoranschlag Keramic-Inlays (Praxis Zahnärztin F.D.) b) Kostenvoranschlag Gold-Inlays (Praxis Zahnärztin F.D.) c) Kostenvoranschlag Composite (Praxis Zahnärztin F.D.)  


opgre7. In meiner Verwunderung über die plötzlich dramatische und signifikante Verschlechterung meines Gebißzustandes suchte ich auf die Empfehlung eines Freundes einen Zweitgutachter Herrn Dr. med. dent. M.K. von der Zahnklinik am Hansaring am Mittwoch dem 25.08.2010 auf: Der sehr freundliche und kompetente Arzt schlug vor, noch zwei Röntgenaufnahmen von den 6er und 7er Zähnen links und rechts anzufertigen um den Zustand der Karies besser beurteilen zu können: Bißflügel Aufnahmen re + li. Verwunderlicherweise fand Herr M.K. WEDER durch genaues Hinschauen, NOCH durch klopfen oder Einsatz eines kalten Luftstromes, NOCH auf den Röntgenaufnahmen Anzeichen der von Frau F.D. "diagnostizerten" kariösen Strukturen.  


opgli8. Da ich durch meine anfänglich starken abwechselnden Zahnschmerzen auf die sehr informative und sehr gut bebilderte Seite www.zahnfilm.de aufmerksam geworden war (die meiner Meinung nach eine echt gelungene und auch unterhaltsame Kombination aus Patienteninformation und zahntechnischem gut dargestelltem Know How darstellt und die an vielen Stellen kein Blatt vor den Mund nimmt, wo andere lieber schweigen), habe ich - da ich nochmal einen Zahnarzt dem ich vertraue, konsultieren wollte - am Freitag dem 10.09.2010 einen Termin beim Zahnarzt Herrn Joachim Wagner gemacht der die Diagnose des Zweitgutachters (Herrn M.K.) durch sehr genaue Untersuchung bestätigte und mir mitteilte, dass die von Zahnärztin F.D. "diagnostizierten" kariösen Strukturen sich einfach nicht finden lassen wollten.


Fazit:
Die unbedingte Notwendigkeit der Gesamtsanierung im Preis zwischen 800-3200 Euro [ Es liegen schriftliche Kostenpläne für den Ersatz der Amalgamfüllungen durch Kunststoff oder Keramik vor] läßt sich wissenschaftlich nicht halten und entbehrt offensichtlich jeder Grundlage.

Ende Zitat

 

Es steht

5 : 1   hinsichtlich der Frage, wie die beteiligten Fachmenschen die Kariessituation des Patienten S.G. beurteilen. Die beiden früheren Zahnärzte aus Aachen, die hier bloßgestellte Kollegin F.D. selber in ihrer ersten Sitzung im Juni 2009, dann der Kollege aus der Hansaringklinik und schießlich ich (Joachim Wagner, Zahnarzt) im September 2010 stellen übereinstimmend fest, dass es im Mund von S.G. nichts zu bohren gibt. Es gibt nur eine Ausnahme, und das ist die "Schmerzberatung" des Patienten durch Zahnärztin F.D. im April 2010, in der die Kollegin ausweislich ihres rosafarbenen Kariesblatts nicht weniger als 5 (!) kariöse Amalgamfüllungen festgestellt haben will.

Die Interrater - (Beurteilung einer Sache durch mehrere Fachmenschen) Übereinstimmung liegt in diesem Fall bei 5 geteilt durch 6 (F.D. geht zweimal ein), also etwa 84%, was für Zahnmediziner ein sensationell hoher Wert darstellt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die 5 der 6 richtig liegen, ist also mehr als nur hoch. Interessanterweise liegt die Intrarater - (Beurteilung einer Sache durch den gleichen Fachmenschen zu verschiedenen Zeiten) Übereinstimmung im Falle der Kollegin F.D.  im Bereich der reinen Zufallswahrscheinlichkeit per Würfel, also recht niedrig.

 

Kommentar

Voll normal. Wie die betroffene Kollegin ihre Auswahl an "kariösen" Zähnen jetzt auch immer begründen will, auch sie sollte sich mit der Frage auseinandersetzen, warum sie nur 8 Monate vorher das Gegenteil behauptet hat. Und warum 4 andere Kollegen das genau so sehen, wie sie selbst am Anfang.

Natürlich sind diese Fragen falsch gestellt und an die falsche Adresse gerichtet. Machen wir uns doch nichts vor. Der "Amalgamsaniererin" F.D. geht es doch schon lange nicht mehr um Zahnmedizin. Es geht ihr nicht darum, Schäden durch Karies einzudämmen, möglichst keinen Zusatzschaden anzurichten und die Pflaster aus Kunststoff/Metall/Zement in den Zähnen so klein und effektiv wie möglich zu gestalten. Das genaue Gegenteil soll hier angerichtet werden: am liebsten in Keramik mit großzügigem Geschleife in Zähnen, die das auch in 20 Jahren - nach meiner bescheidenen Erfahrung mit Amalgam - vermutlich noch nicht nötig haben.

Um es auf den Punkt zu bringen: Es ist bestimmten Kollegoiden vollkommen egal, dass die zu erwartende Restlebensdauer der metallenen Füllungen der Backenzähne mit hoher Sicherheit über der liegen wird, die die geplanten weißen Füllungen haben werden. Sie verkaufen sie trotzdem.

 


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