Einfluss von Katastrophisierung und Genetik auf Schulterschmerzen

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Vollbildaufzeichnung_19.10.2010_110735Wenn die Genausstattung eines Menschen mit niedriger Aktivität des Enzyms "Catechol-O-methyltransferase (COMT)" zusammen kommt mit der Neigung zur Katastrophisierung, also der fantastischen Ausmalung  von ungünstigen Entwicklungen bis zur Katastrophe - am liebsten auch jedes mal, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich viel stärkere Schmerzen nach einer Schulteroperation zu haben, um den Faktor von fast 7 (6,8) . Das ist das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie aus 2008. Obwohl Schulterschmerzen eine häufige muskuloskelettale Störung darstellen, sind deren Ursachen bis heute nicht ausreichend erforscht.

Im Schema oben sind 2 mal 4 Schmerzpegel dargestellt. Die Pegel werden errechnet als Mittelwert aus den Angaben der betroffenen Patienten, und jeweils unter den blauen Säulen ist vermerkt, zu welcher Gruppe die Patienten gehören und wie groß die Gruppe ist (z.B. n=10) . Von links nach rechts die Gruppen 1) Hohe COM Aktivität + niedrige Katastrophisierung, 2) Hohe COM Aktivität + hohe Katastrophisierung, 3) Niedrige COM Aktivität + niedrige Katastrophisierung und 4) niedrige COM Aktivität + hohe Katastrophisierung. Die obere Reihe (a) zeigt die Schmerzpegel vor dem operativen Eingriff, die untere Reihe danach.

Pain. 2008 May;136(1-2):53-61. Epub 2007 Aug 7.

Beweise für einen biopsychosozialen Einfluss auf Schulterschmerzen: Die Katastrophisierung von Schmerzen und der genetische Typ der Catechol-0-methyltransferase (COMT) sagen die klinischen Schmerzpegel voraus.

George SZ, Wallace MR, Wright TW, Moser MW, Greenfield WH 3rd, Sack BK, Herbstman DM, Fillingim RB.

Department of Physical Therapy, Brooks Center for Rehabilitation Studies, University of Florida, Gainesville, FL, USA. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Zusammenfassung



Die Erfahrung von Schmerzen denkt man sich als beeinflußt von sozialen, kulturellen, umweltbedingten, psychologischen und Erfaktoren. Trotz dieser Annahme haben jedoch nur wenige Studien klinisch wichtige Schmerz Typen einbezogen bei der Untersuchung von Abhängigkeiten dieser Faktoren untereinander. Unsere Studie untersucht, ob psychologische Variablen aus dem Angst- und Vermeidungsmodell und vererbte Catechol-o-methyltransferase (COMT) Eigenschaften die Schmerzstärken für bestimmte Gruppen von Patienten beeinflussen, die operative Eingriffe wegen Schulterschmerzen erhalten. Die Patienten (Gesamtzahl n=58) füllten Fragebögen aus und ihren COMT Vererbungstyp wurden vor der OP festgestellt. Dann ermittelten wir die Schulterschmerzen 3 bis 5 Monate nach der OP. Die Gesamtgruppe bestand aus 24 Frauen und 34 Männer in einem mittleren Alter von 50,3 Jahren (SD=15,0) und die mittlere Schmerzstärke vor der OP betrug 4,5 auf der Skala 0 bis 10 (SD=1,8). Das Aufkommen an COMT Erbtypen lag bei 34 mit hoher COMT Aktivität (= LPS Gruppe) und 24 mit niedriger COMT Aktivität (APS/HPS Gruppe).
Vortests ergaben, dass von allen betrachteten Angst und Vermeidungsvariablen (Angst vor Schmerz, Angst vor Bewegung, Schmerz Katastrophisierung und Angstgefühl), nur die Schmerz Katastrophisierung einen speziellen Eigenbeitrag zu den klinischen Schmerzwerten leistet. Eine von oben nach unten durchgeführte Modellberechnung konnte zeigen, dass ein Zusammenspiel der Schmerz Katastrophisierung mit dem COMT Erbtyp zusätzliche Veränderungen der voroperativen Schmerzwerte mitbringt.
Das Schmerz Katastrophisierung x COMT Erbtyp Zusammenspiel zeigte zukunftweisende Aussagekraft, denn Patienten mit hoher Schmerz Katastrophisierung und niedriger COMT Aktivität hatten eine 6,8 fach höhere Wahrscheinlichkeit, postoperative Schmerzpegel von 4 und mehr (auf der Skala von 0 bis 10) zu erleiden. Unsere Funde legen nahe, dass ein gegenseitiges Beeinflussen zwischen der Schmerz Katastrophisierung und dem COMT Erbtyp das Potenzial hat, die Schmerzpegel von Patienten zu verändern, die eine operative Behandlung ihrer Schulterschmerzen suchen.

Pain. 2008 May;136(1-2):53-61. Epub 2007 Aug 7.

Evidence for a biopsychosocial influence on shoulder pain: pain catastrophizing and catechol-O-methyltransferase (COMT) diplotype predict clinical pain ratings.

George SZ, Wallace MR, Wright TW, Moser MW, Greenfield WH 3rd, Sack BK, Herbstman DM, Fillingim RB.

Department of Physical Therapy, Brooks Center for Rehabilitation Studies, University of Florida, Gainesville, FL, USA. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Abstract

 

The experience of pain is believed to be influenced by social, cultural, environmental, psychological, and genetic factors. Despite this assertion, few studies have included clinically relevant pain phenotypes when investigating interactions among these variables. This study investigated whether psychological variables specific to fear-avoidance models and catechol-O-methyltransferase (COMT) genotype influenced pain ratings for a cohort of patients receiving operative treatment of shoulder pain. Patients (n=58) completed questionnaires and had COMT genotype determined pre-operatively. Then, shoulder pain ratings were collected 3-5 months post-operatively. This cohort consisted of 24 females and 34 males, with mean age of 50.3 (SD=15.0) and pre-operative pain rating of 4.5/10 (SD=1.8). The frequency of COMT diplotypes was 34 with "high COMT activity" (LPS group) and 24 with "low COMT activity" (APS/HPS group). Preliminary analysis indicated that of all the fear-avoidance variables considered (fear of pain, kinesiophobia, pain catastrophizing, and anxiety), only pain catastrophizing was a unique contributor to clinical pain ratings. A hierarchical regression model indicated that an interaction between pain catastrophizing and COMT diplotype contributed additional variance in pre-operative pain ratings. The pain catastrophizingxCOMT diplotype interaction demonstrated predictive validity as patients with high pain catastrophizing and low COMT activity (APS/HPS group) were more likely (RR=6.8, 95% CI=2.8-16.7) to have post-operative pain ratings of 4.0/10 or higher. Our findings suggest that an interaction between pain catastrophizing and COMT diplotype has the potential to influence pain ratings in patients seeking operative treatment of their shoulder pain.

PMID: 17686583 [PubMed - indexed for MEDLINE]PMCID: PMC2669670Free PMC Article

 



Wozu das im Zahnmedizin Blog steht

Muskuloskelettal nennt sich der Oberbegriff der Erkrankung bei unspezifischen (= nicht auf glasklare Ursachen zurückführbare) Schulterschmerzen. Auch das hat der Schmerz in der Schulter mit dem Schmerz von TMD (in Deutschland noch CMD genannt) Patientinnen gemein. Dazu kommt die ungeklärte Ursache, das häufige Aufkommen der Schmerzen und die Behandlung nach Laune und Lust wegen nicht vorhandener Leitlinien. Inzwischen liegen bereits mehrere Studien vor, die TMD in Abhängigkeit von der Neigung der Patientin zur Katastrophisierung untersucht haben, wie auch Studien über TMD und den Einfluss des COMT Erbtyps. Sowohl bei der erhöhten Neigung zur Katastrophisierung als auch bei erniedrigter COMT Aktivität steigen die Schmerzen und die Dauer der TMD.

Daher ist es also nur noch eine Frage der Zeit, wann ein Forscherteam den Zusammenhang zwischen TMD (in Deutschland CMD) und den beiden Faktoren Katastrophisierung und COMT Vererbungstyp untersuchen wird. Wie das Ergebnis vermutlich aussehen wird, kann sich jeder an 5 Finger abzählen.

Was bedeutet das für die Zahnmedizin?

TMD oder meinetwegen auch CMD entpuppt sich zunehmend als ein kombiniertes Bio-Psycho Problem. Es hat wenig - wenn überhaupt - mit den Zähnen und den Gelenken und schon gar nicht mit den berüchtigten Mikrometern (= Tausendstel Millimeter) auf irgendwelchen "Vorkontakten" im Mund zu tun. In der hier vorgestellten Studie können Wissenschaftler eine gänzlich unvermutete Wechselwirkung zwischen einer biologisch vorgegebenen Größe (erniedrigte COMT Aktivität) und einer psychologischen Eigenschaft des Patienten als entscheidenden Einfluss auf die Schmerzen ermitteln. Es gibt allen Grund anzunehmen, dass sich das bei TMD/CMD genauso verhalten wird. 

 

Kommentar

Die Gebißvermesser Fraktion unter den zahnmedizinischen TMD Behandlern bekommen immer mehr Probleme, die Zähne noch irgendwie in die Kausalkette (= Ursachenkette) der Krankheit TMD unterzubringen. Sagen wir es deutlich: Es ist allerhöchste Zeit, das einseitige Zahn/Kiefer/Gelenk Ursachengemauschel bezüglich TMD zu modifizieren.

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