Zahnängstliche schlimmer dran als TMD (CMD) Patienten

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angstdepressionVorbemerkungen zum Verstehen der folgenden Studie aus den bewährten Händen von Dr. O. Schierz und Mitarbeitern.

1. Es gibt auffällige Häufungen zwischen chronischen Schmerzen und der Diagnose Depression. Je stärker und länger eine Depression anhält, desto häufiger und schlimmer können Schmerz auftreten - im Durchschnitt. Diese Regel sagt  für Einzelfälle naturgemäß nichts aus. Bis heute bleibt unklar, ob es eine Reihenfolge gibt, also zuerst die Depression auftratt und dann die Schmerzen oder umgekehrt. Denkbar ist auch die Entstehung auf einer gemeinsamen biologischen Basis. Siehe auch hier Depression macht auch chronische Schmerzen

2. Angststörungen besitzen ein noch größeres Potenzial, von chronischen Schmerzen oder besser ausgedrückt, von chronischen Symptomen des Körpers begleitet zu werden. Siehe auch hier: Angststörung "Krankheitsängste"

3. Sehr viele, wenn nicht die meisten, depressiv Verstimmten leiden nicht nur unter der einen Krankheitsrubrik "Depression", sondern unter einem Mischmasch aus depressiven Episoden und solchen der Angststörung. Auch hier vermutet man gemeinsame biologische Gründe. Der Fachbegriff lautet: sie sind  "komorbid" = mehrfach krank, was aber reine Definitionssache ist, man könnte ja ebenso gut die Krankheit "Ängstlich/Depressiv" als feste Kategorie festlegen.

 

Vergleich der empfundenen Mundgesundheit von Patienten mit Temporomandibulärer Disorder [CMD] und Zahnarztangst mit Hilfe von Mundgesundheits bezogenen Lebensqualität- Profilen



Schierz O, John MT, Reissmann DR, Mehrstedt M, Szentpétery A.

Abteilung für Prothetik und Materialkunde, Universität Leipzig, Nürnberger Str. 57, Leipzig 04103, Germany. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Hintergrund: Mundgesundheits bezogene Lebensqualität Profile (OHRQoL) stellen mehr Information zur Verfügung als in der zusammengefassten Summenzahl ausgedrückt wird. Einzelne Fragen darin zeigen brauchbare Einsichten in die Mundgesundheits Probleme der Patienten. Das Ziel unserer Studie war es, die empfundene Mundgesundheit von Patienten mit TMD [CMD] und Zahnarztangst zu vergleichen durch bestimmte Fragen, die im Oral Health Impact Profile (OHIP) enthalten sind.

Methoden: Wir maßen OHRQoL mit Hilfe der deutschen Version des 14 Fragen umfassenden OHIP in 416 TMD Patienten, 173 Zahnarztangst Patienten und 2.026 Kontrollpersonen aus der Allgemeinbevölkerung

Ergebnisse: Zahnarztangst Patienten zeigten die höchsten durchschnittlichen OHIP Summen, also den schlimmsten OHRQoL Wert (22.4 bei Zahnarztangst Patienten, 14.0 bei TMD Patienten, 4.1 bei der Allgemeinbevölkerung; P<0.001). Das Vorkommen von häufig auftretenden Antworten bei bestimmten Fragen war 6-62% bei Zahnarztangst Patienten, 3-40% bei TMD Patienten, 0,2-0,4% bei der Allgemeinbevölkerung. Das Antwort Vorkommen von beiden Patienten Gruppen war sehr ähnlich in Bezug auf funktionelle und schmerzbezogene OHRQoL Bereiche. Zahnarztangst Patienten zeigten aber häufiger als TMD Patienten Probleme in den OHIP Bereiche von psychischen Unwohlsein und Behinderungen.

Zusammenfassung: Diese Einsicht in die empfundene Mundgesundheit, gewonnen durch OHIP Fragen, kann wichtig sein für die Diagnose und die Prognose von Patienten in der täglichen Praxis.

Qual Life Res. 2008 Aug;17(6):857-66. Epub 2008 Jun 4.

Comparison of perceived oral health in patients with temporomandibular disorders and dental anxiety using oral health-related quality of life profiles.

Schierz O, John MT, Reissmann DR, Mehrstedt M, Szentpétery A.

Department of Prosthodontics and Materials Science, University of Leipzig, Nürnberger Str. 57, Leipzig 04103, Germany. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Abstract

BACKGROUND: Oral health-related quality of life (OHRQoL) instruments provide information beyond what is represented in their summary scores. Individual item information also provides useful insight into patient-related oral health problems. Our study aim was to compare patients' perceived impact from temporomandibular disorders (TMD) and from dental anxiety on oral health using item profiles contained within the Oral Health Impact Profile (OHIP).

METHODS: We measured OHRQoL using the German version of the 14-item OHIP in 416 TMD patients, 173 dental anxiety patients, and 2,026 general population subjects.

RESULTS: Dental anxiety patients demonstrated the highest mean OHIP summary scores, i.e., the worst OHRQoL (22.4 in anxiety patients, 14.0 in TMD patients, 4.1 in general population; P<0.001). The prevalence of frequently occurring responses of the individual items was 6-62% in dental anxiety patients, 3-40% in TMD patients, and 0.2-0.4% in the general population. The item prevalence of both patient groups was very similar for functional and pain-related OHRQoL domains. Dental anxiety patients indicated problems more frequently than TMD patients in the OHIP domains of psychological discomfort and psychological disability.

CONCLUSIONS: This insight into patients' perceived oral health provided by OHIP item profiles may be important for patient diagnosis and outcome assessment in the clinical setting.

PMID: 18523867 [PubMed - indexed for MEDLINE]

 

 


Was?

heißt das jetzt? Es sagt nichts weniger, als dass

  1. Die rund 15% Hardcore Zahnarztangst Patienten in der Bevölkerung sich gesundheitlich deutlich schlechter fühlen als die ca. 5% Hardcore TMD (CMD) Patienten
  2. Das bisher keiner gemerkt hat
  3. Das im starkem Kontrast zu dem steht, was die Zahnmediziner aus ihrem Studium und der Literatur her kennen.
  4. Die finanziellen Mittel zum Erforschen und Behandeln der beiden Erkrankungen (Angst und TMD) falsch herum verteilt werden. Bisher erhält die Angstforschung im zahnmedizinischen Bereich so gut wie keine Mittel.

 

Kommentar

Alles wie immer. Zahnärzte meinen zu wissen, was wichtig und was unwichtig wäre, anstatt einfach mal in der Wirklichkeit nachzuschauen. Alle beschäftigen sich geschäftig und hochwichtig mit den Bissen und Sanierungen, mit denen man angeblich die TMD (CMD) bessern kann. Und wer studiert wirklich Psychiatrie, lernt die Unterschiede zwischen einer Angst/Panikstörung und generalisierten Angststörung zum Beispiel? Oder lernt, was heute an effektiven und beweisgestützten Behandlungsmitteln dagegen zur Verfügung steht?

Die selbst ernannten Zahnphobie Behandler unter uns stützen ihre besondere Kompetenz doch häufig nur auf einen günstigen Vertrag mit dem nächstbesten Anbieter von Vollnarkosen. Und verkaufen Privatleistungen als ob es keine gesetzliche Krankenversicherung geben würde.

Warum hat Deutschland immer noch keinen Lehrstuhl "Psychiatrie in der Zahnmedizin"? Das ist die Frage. Fehlendes Geld dafür könnte doch durch Streichungen in der Prothetik relativ leicht gewonnen werden.

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