6 Jahre alte Kunststoff Füllung beim Knirscher ist undicht

Bewertung:  / 0
SchwachSuper 

Die nachfolgende Bildergeschichte soll ein Beispiel dafür abgeben, warum im wirklichen Leben hunderttausende von halbdefekten Kunststoff Füllungen anscheinend trotzdem "ganz gut funktionieren". Sie tun nicht weh, und werden einfach älter, fast wie Amalgam - könnte man meinen.

 

IMG_0821-2

Bild 1

Der Knirscher Herr G.C. (38) erhielt 2005 von meinem damaligen Ausbildungsassistenten eine sogenannte "mod" (= mesial  okklusal distale) Füllung im Zahn 25 (= links oben) aus dem Kunststoff Material "Charisma" mit dem Kleber "Optibond".

IMG_0817

Bild 2

Nach mesial (= nach rechts) zeigt sich die weiße Füllung dunkel angelaufen, was auf eine größere Spaltbildung zwischen Zahn und Füllungsmaterial hindeutet.

IMG_0821

Bild 3

Auch deutlich zu sehen: Zwischen Zahhnschmelzhöhe und Kunststoff Füllungshöhe besteht ein bedeutender Unterschied von grob geschätzten 500 Mikrometern (= 0,5 Millimeter). Zumindest ist das Richtung Außenwand des Zahns der Fall.

IMG_0823

Bild 4

Nach distal (im Bild nach links) scheint die Füllung noch dichter mit dem Zahn verbunden zu sein. Was im mittleren Teil der Füllung tatsächlich dicht oder auch nicht dicht ist, läßt sich optisch nicht entscheiden.

IMG_0832

Bild 5

Überhaupt scheint der mesiale (= rechte) Anteil der Füllung irgendwie nachträglich oder mit mehr Wasserkontamination (= schädlicher Benetzung des Klebers mit Speichel etc.) und Luftblasen angebaut worden zu sein. Kurzum: die Kunststoff Füllung 25 unterbietet im gegenwärtigen Zustand in vielen Kriterien die gültigen Regeln für eine brauchbare Seitenzahnfüllung.

 

Und nun zum Clou

Ich habe mich beim gestrigen jährlichen Untersuchungstermin des Patienten C.G. entschlossen, diese "defekte" Kunststoff Füllung NICHT zu entfernen. Die aufgezählten Probleme der Füllung führten nur zu einem Eintrag der betroffenen Zahnflächen in meiner Karteikarte als "Initialkaries" (= beginnende Karies). Viele meiner Kollegen werden dies nicht verstehen, zumal ich nur wenige Artikel vorher unter Kunststoff Zahnopfer Teil 4  selbst darstelle, wie leicht ein Zahn vom Leben zum Tod durch undichte Kunststoff Füllungen befördert werden kann.

Nun wollen natürlich alle Leser wissen, was ich mir bei dieser kuriosen Entscheidung denke:

  • 1. Die Krankengeschichte des Patienten ergibt, dass außer Brüchen an Altfüllungen seit 1998 keine neue Karies aufgetreten ist. Das vergangene und aktuelle Kariesrisiko beziffere ich daher mit Null. Und der kritische Blick auf die Zähne 25 und 24 im Bild bestätigt die Vermutung, dass die vorhandenen Füllungen und deren Größe eher von Schleifideen der Vorbehandler bestimmt wurde, und nicht von der Karies. Beim überkronten 26 dürfte das auch jedem Laien einleuchten.
  • 2. Der Patient spürt seit 2006, dem Einbau dieser Kunststofffüllung, nichts auffälliges am 25, obwohl eine Verklebung des Kunststoffs mit nacktem Dentin vorliegt und diese mit hoher Sicherheit defekt ist. *)
  • 3. Das Auswechseln der Kunststoff Füllung am 25 wird zwangsläufig weiteren Hartsubstanzverlust am Zahn verursachen, anders ausgedrückt: bei jedem Füllungswechsel wird der Zahn weiter geschwächt. Bei der hier beobachteten Spaltgeschwindigkeit von 6 Jahren läßt sich leicht ausrechnen, wann der 25 zerbohrt sein wird, bzw. die Wände so weit ausgedünnt sein werden, dass der Knirscher entweder die bukkale oder palatinale Wand wegbricht.

 

Fazit

Die Bedrohung des Gebisses meines Patienten C.G. geht eindeutig nicht aus von a) Karies, b) Parodontits, c) CMD, d) Psychosomatik sondern aus- und schließlich vom Knirschen/Pressen. Auf diese Erscheinung lassen sich alle Verluste an den vorhandenen Füllungen, insbesondere Bruch, Abnutzung und Spaltbildung zurückführen. Uns Zahnärzten hat man aber über das Knirschen in der Unität nichts gesagt, jedenfalls nichts vernünftiges. Diese Aussage gilt mit Einschränkungen übrigens bis heute, was schon alleine daran erkennbar wird, dass es bis heute kein Lehrbuch über das Zähneknirschen/Pressen von einem deutschen Prothetik Professor gibt.

Man hat uns z.B. nicht gesagt, dass das schlimmste Vergehen bei Knirschern der iatrogene Hartsubstanzverlust (= vom Zahnarzt verursachter Zahnschwund mit dem Schleifer oder der Zange) ist. Im Gegenteil; es soll noch immer Kollegen geben, die bei Knirschern den "Biss einschleifen".  Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Zahn 25 durch eine Pulpitis in Folge der Spaltbildung unter der Kunststoff Füllung zugrunde geht, liegt um den Faktor 100 bis 10.000 niedriger **), als durch den Bruch einer kompletten Zahnwand nach fortgesetztem Füllungswechsel im Abstand weniger Jahre.

Und deshalb bleibt die Füllung wie und wo sie ist.

*) Dass es sich bei deser Geschichte (offensichtlicher Spalt unter Kunststoff und selbst in der Langzeitbetrachtung keine Beschwerden oder Karies) um keinen Einzelfall handelt, können Sie auch anderen Füllungsartikel von Zahnfilm.de entnehmen.

**) Zugegeben: Diese Risikoabschätzung kann niemand vornehmen, der frisch von der Unität kommt, also im Grunde vom wirklichen Leben keine Ahnung hat. Unter 10 Jahren Berufserfahrung - denke ich - geht das nicht.

Die neuesten Forumbeiträge

  • Helen's Avatar
    Hallo Gregor, die Hauptbeschwerden habe ich im Unterkiefer links, an den wurzelbehandelten Zähnen (36,37). Die Zähne im Oberkiefer inkl. der wurzelbehandelten und mit einer Krone versorgten Zähne 15 und 25 waren bis dato unauffällig....
  • Daniela's Avatar
    Zum Thema HANF nun ich habe mir jetzt die Meinung von Julia sowie von Peter durchgelesen. Um es jetzt mal ganz popelig auszudrücken: lassen wir den ganzen Psychokram mal weg ist ja im endeffekt egal und betrachten nur mal das Kiffen oder die...
  • Helen's Avatar
    Sehr geehrter Hr. Wagner, in der Rubrik Chronische Gesichtsschmerzen im Artikel "Was sollten Trigenimus Neuropathiker beachten" schreiben Sie unter Hinweise für den Behandler u.a.: "5. Das Abschleifen von jungfräulichen Zähnen zur...
  • Gregor's Avatar
    Hallo Sabrina, normalerweise macht eine Neuropathie andere Beschwerden, aber nichts ist unmöglich. Ich arbeite in Kerpen. Viele Grüße Gregor
  • MatthiasK's Avatar
    Ich hab den Artikel jetzt online gestellt: http://www.matthiaskauer.com/2014/11/dental-care-minimum-effort-for-maximum-effect/ Vielen Dank noch mal!
  • Sabrina Fuchs's Avatar
    Hallo Gregor, habe und hatte zum Glück (dafür bin ich auch wirklich sehr dankbar!) die ganze Zeit keine Schmerzen! Das habe ich meinem ZA von Anfang an auch gleich gesagt und betone dies jedesmal wieder. Es ist lediglich dieses fürchterliche...
Powered by nZambi!

Neueste Kommentare

  • Vollnarkose für Milchzähne ?

    Sylvia22.10.2014 14:16
    Bitte helft uns
    --------------- --------------- --------------- ------------- Ich habe am 30.10. Vollnarkose Termin bei ...
     
  • Vollnarkose für Milchzähne ?

    Sylvia22.10.2014 14:05
    Bitte helft uns
    Hallo. Meine Tochter ist 3.5 Jahre alt. Wir haben am 30.10. einen OP Termin. Sie hat durch einen Sturz ...
     
  • Warnung vor Jameda

    Pu100025.09.2014 17:24
    Arztbewertungen im Internet
    Die Bewertung des Zahnarztes, der verurteilt wurde, mir ein Schmerzensgeld von 6.000 € zu zahlen und ...
     
  • Warnung vor Jameda

    Pu100025.09.2014 17:16
    Arztbewertungen im Internet
    Am 23.09.2014 wies der BGH die Klage eines Arztes gegen ein Bewertungsporta l auf Löschung seines ...
     
  • Warnung vor Jameda

    B. Hinz25.09.2014 15:02
    Warnung vor Jameda
    Viele Jahre bei Jameda gewesen und mußte nun auch die schmerzliche Erfahrung wie alle anderen hier ...

GTranslate

Besucher

Besuche heute366
Besuche gestern1393
Besuche Monat36377
Besuche Jahr377971
Seiten heute18508
Seiten Monat197376
Bots heute102