6 Jahre alte Kunststoff Füllung beim Knirscher ist undicht

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Die nachfolgende Bildergeschichte soll ein Beispiel dafür abgeben, warum im wirklichen Leben hunderttausende von halbdefekten Kunststoff Füllungen anscheinend trotzdem "ganz gut funktionieren". Sie tun nicht weh, und werden einfach älter, fast wie Amalgam - könnte man meinen.

 

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Bild 1

Der Knirscher Herr G.C. (38) erhielt 2005 von meinem damaligen Ausbildungsassistenten eine sogenannte "mod" (= mesial  okklusal distale) Füllung im Zahn 25 (= links oben) aus dem Kunststoff Material "Charisma" mit dem Kleber "Optibond".

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Bild 2

Nach mesial (= nach rechts) zeigt sich die weiße Füllung dunkel angelaufen, was auf eine größere Spaltbildung zwischen Zahn und Füllungsmaterial hindeutet.

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Bild 3

Auch deutlich zu sehen: Zwischen Zahhnschmelzhöhe und Kunststoff Füllungshöhe besteht ein bedeutender Unterschied von grob geschätzten 500 Mikrometern (= 0,5 Millimeter). Zumindest ist das Richtung Außenwand des Zahns der Fall.

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Bild 4

Nach distal (im Bild nach links) scheint die Füllung noch dichter mit dem Zahn verbunden zu sein. Was im mittleren Teil der Füllung tatsächlich dicht oder auch nicht dicht ist, läßt sich optisch nicht entscheiden.

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Bild 5

Überhaupt scheint der mesiale (= rechte) Anteil der Füllung irgendwie nachträglich oder mit mehr Wasserkontamination (= schädlicher Benetzung des Klebers mit Speichel etc.) und Luftblasen angebaut worden zu sein. Kurzum: die Kunststoff Füllung 25 unterbietet im gegenwärtigen Zustand in vielen Kriterien die gültigen Regeln für eine brauchbare Seitenzahnfüllung.

 

Und nun zum Clou

Ich habe mich beim gestrigen jährlichen Untersuchungstermin des Patienten C.G. entschlossen, diese "defekte" Kunststoff Füllung NICHT zu entfernen. Die aufgezählten Probleme der Füllung führten nur zu einem Eintrag der betroffenen Zahnflächen in meiner Karteikarte als "Initialkaries" (= beginnende Karies). Viele meiner Kollegen werden dies nicht verstehen, zumal ich nur wenige Artikel vorher unter Kunststoff Zahnopfer Teil 4  selbst darstelle, wie leicht ein Zahn vom Leben zum Tod durch undichte Kunststoff Füllungen befördert werden kann.

Nun wollen natürlich alle Leser wissen, was ich mir bei dieser kuriosen Entscheidung denke:

  • 1. Die Krankengeschichte des Patienten ergibt, dass außer Brüchen an Altfüllungen seit 1998 keine neue Karies aufgetreten ist. Das vergangene und aktuelle Kariesrisiko beziffere ich daher mit Null. Und der kritische Blick auf die Zähne 25 und 24 im Bild bestätigt die Vermutung, dass die vorhandenen Füllungen und deren Größe eher von Schleifideen der Vorbehandler bestimmt wurde, und nicht von der Karies. Beim überkronten 26 dürfte das auch jedem Laien einleuchten.
  • 2. Der Patient spürt seit 2006, dem Einbau dieser Kunststofffüllung, nichts auffälliges am 25, obwohl eine Verklebung des Kunststoffs mit nacktem Dentin vorliegt und diese mit hoher Sicherheit defekt ist. *)
  • 3. Das Auswechseln der Kunststoff Füllung am 25 wird zwangsläufig weiteren Hartsubstanzverlust am Zahn verursachen, anders ausgedrückt: bei jedem Füllungswechsel wird der Zahn weiter geschwächt. Bei der hier beobachteten Spaltgeschwindigkeit von 6 Jahren läßt sich leicht ausrechnen, wann der 25 zerbohrt sein wird, bzw. die Wände so weit ausgedünnt sein werden, dass der Knirscher entweder die bukkale oder palatinale Wand wegbricht.

 

Fazit

Die Bedrohung des Gebisses meines Patienten C.G. geht eindeutig nicht aus von a) Karies, b) Parodontits, c) CMD, d) Psychosomatik sondern aus- und schließlich vom Knirschen/Pressen. Auf diese Erscheinung lassen sich alle Verluste an den vorhandenen Füllungen, insbesondere Bruch, Abnutzung und Spaltbildung zurückführen. Uns Zahnärzten hat man aber über das Knirschen in der Unität nichts gesagt, jedenfalls nichts vernünftiges. Diese Aussage gilt mit Einschränkungen übrigens bis heute, was schon alleine daran erkennbar wird, dass es bis heute kein Lehrbuch über das Zähneknirschen/Pressen von einem deutschen Prothetik Professor gibt.

Man hat uns z.B. nicht gesagt, dass das schlimmste Vergehen bei Knirschern der iatrogene Hartsubstanzverlust (= vom Zahnarzt verursachter Zahnschwund mit dem Schleifer oder der Zange) ist. Im Gegenteil; es soll noch immer Kollegen geben, die bei Knirschern den "Biss einschleifen".  Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Zahn 25 durch eine Pulpitis in Folge der Spaltbildung unter der Kunststoff Füllung zugrunde geht, liegt um den Faktor 100 bis 10.000 niedriger **), als durch den Bruch einer kompletten Zahnwand nach fortgesetztem Füllungswechsel im Abstand weniger Jahre.

Und deshalb bleibt die Füllung wie und wo sie ist.

*) Dass es sich bei deser Geschichte (offensichtlicher Spalt unter Kunststoff und selbst in der Langzeitbetrachtung keine Beschwerden oder Karies) um keinen Einzelfall handelt, können Sie auch anderen Füllungsartikel von Zahnfilm.de entnehmen.

**) Zugegeben: Diese Risikoabschätzung kann niemand vornehmen, der frisch von der Unität kommt, also im Grunde vom wirklichen Leben keine Ahnung hat. Unter 10 Jahren Berufserfahrung - denke ich - geht das nicht.

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