DGFDT antwortet zum Thema Gesichtsbogen

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Die deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) befindet sich seit Jahren im Brennpunkt der Kritik von Zahnfilm.de wegen ihres starren Festhaltens an veralteten Theorien über die Entstehung von TMD, die sie  bezeichnenderweise auch noch immer hartnäckig CMD nennt.

Ganz offensichtlich fühlt sich die Vorstandsebene durch die hier mit vielen Quellenangaben insbesondere US-amerikanischer bzw. australischer Herkunft vorgetragenen Beweise ihrer rückständigen Position herausgefordert. Das erklärt das Auftauchen des folgenden Absatzes auf der Frontseite der DGFDT

Zitat Anfang *)

Anwendung des Gesichtsbogens beim funktionsgesunden Patienten im Rahmen restaurativer Maßnahmen

Mitteilung der DGPro vom 06.10.2010

© Amann-Girrbach

Für die Anwendung des Gesichtsbogens ziehen die Autoren u.a. folgende Schlussfolgerungen:
•    Im Rahmen rekonstruktiver oder funktionsanalytischer Maßnahmen kann die Gesichtsbogenübertragung einen qualitätsverbessernden/qualitätssichernden Effekt haben, wenn sie als Teil einer Prozesskette angesehen wird, bei der alle Arbeitsschritte mit großem Einfluss auf okklusale Fehler (v. a. die Kieferrelationsbestimmung) mit hohem Qualitätsbewusstsein ausgeführt werden.
•    Ist nach der Kieferrelationsbestimmung eine vertikale Relationsänderung im Artikulator erforderlich, so stellt die Verwendung von Gesichtsbögen mit arbiträren oder individuell bestimmten Gelenkachspunkten eine sinnvolle Maßnahme dar, die die Fehler im Bereich der statischen Okklusion reduziert. Die Größe der Fehler hängt dabei vom Ausmaß der vertikalen Veränderung ab.
•    Durch die für viele Gesichtsbögen geltende individuelle schädel- und gelenkbezogene Übertragung des Oberkiefermodells in den Artikulator können außerdem individuelle Besonderheiten (z.B. Asymmetrien) in ästhetischer und funktioneller Hinsicht bei der Planung von Rekonstruktionen frühzeitig erfasst und bei der Erstellung von Restaurationen ausreichend berücksichtigt werden.

 

Die ausführliche Mitteilung liegt » hier bereit.

Zitat Ende

 

Zur Sache selbst

darf ich einwänden, dass es sich bei dieser umständlichen "Mitteilung der DGPro" vom 06.10.2010 maximal um ein aus dem Zusammenhang gerissenes Stück Feigenblatt handelt, mit dem die Strategen von der DGFDT ihr Weltbild retten wollen. Warum das Feigenblatt viel zu klein ist, sage ich Ihnen nachfolgend:

1. Die DPro hat im Dezember 2010 eine Stellungnahme zur Bissregistrierung allgemein losgelassen, nachzulesen hier, in der u.a. steht: "...Die dargestellten Ergebnisse zeigen, dass die Reproduzierbarkeit der Registrierung der maximalen Interkuspidation unter Verwendung von Vinyl-Polysiloxanen als auch Polyethermaterialien ausreichend genau ist. Das Radieren der einartikulierten Modelle bis zum Auftreten von gleich lokalisierten Kontakten wie im Mund erscheint zielführend ..." Der letzte Satz stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit vom beteiligten Prof. Dr. Utz und bedeutet nichts anderes, als dass die Grundgenauigkeit des Gesamtverfahrens Abdruck zu Modell zu Artikulator sowieso schon einen Fehler von 0,3 mm (Utz Angabe) aufweist, und deshalb direkte Manipulationen (= Radieren) am Modell notwendig sind, um überhaupt dem wirklichen Zustand nahe zu kommen. Liebe Vorstandsmitglieder der DGFDT: Glauben Sie wirklich, dass eine Bissgabel mehr Einfluss auf das Endergebnis Ihrer Bissaufzeichnungen hat, als die angesprochene notwendige Radierung? Ich glaube das zum Beispiel nicht.

2. Ein Blick in das Buch "Gebitsslijtage" über die Behandlung von Erosions und Bruxismus Schäden aus den Niederlande zeigt auf 251 Seiten genau ein kleines Bild eines Artikulators, keinen Gesichtsbogen, keine Funktionsanalyse, dafür aber jede Menge Rundum Bissänderungen. Und alle 3 Autoren sind Mitglieder in internationalen Forschungsgruppen u.a. zur TMD, brauchen sich also auf internationalem Parkett gerade nicht verstecken.

3. Die DGFDT lernt leider nichts dazu. Das DIMDI hat erst kürzlich in ihrer HTA "Zahnmedizinische Indikationen für standardisierte Verfahren der instrumentellen Funktionsanalyse unter Berücksichtigung gesundheitsökonomischer Gesichtspunkte" mehr oder weniger offen der DGFDT bescheinigt, was sie als EBM (Evidence Based Medicine) Wissenschaftler von  "der Stellungnahme der DGFDT zur Funktionsanalyse" hält: nichts. Die Begründung war, dass es nicht eine einzige belastbare klinische Studie gibt, die den konkreten Nutzen der Funktionsanalysen für Patienten belegt. Dagegen hat die DGFDT meines Wissens bisher keine verwertbare Gegenposition bezogen. Und nun vollzieht die DGFDT den gleichen Fehler mit dem Thema Gesichtsbogen. Auch dieser wird ihr eines Tages vom DIMDI mit der Begründung, dass keine Beweise für einen konkreten Nutzen am bezahnten Patienten vorliegen, um die Ohren gehauen.

 

*) Ich (Joachim Wagner, Zahnarzt) habe das Bild und die Bildunterschrift absichtlich direkt von der Webseite der DGFDT herunterkopiert. Falls es jemand nicht auffällt: Die CMD Industrie Deutschlands drückt ihre Markennamen selbst bei den "Fachgesellschaften" direkt auf die Frontseite durch. Ob da Geld fließt, braucht man gar nicht mehr fragen.


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