Weich- oder Hartschiene ist egal bei TMD (CMD)

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Die nachfolgende Studie ist brandneu, kommt aus Schweden und erfüllt mit Ausnahme einiger kleiner Wermutstropfen doch den Anspruch an ein solides Studiendesign. Liebe Leser von zahnfilm.de: ich serviere Ihnen hier ein Kleinjuwel wissenschaftlicher Fleißarbeit. Und das besteht vorzugsweise darin, bei wirklichen Patienten randomisiert, d.h. auf völligem Zufallsprinzip beruhend, zwei oder mehr konkurrierende Methoden zu vergleichen.

Am besten dazu doppelverblindet, was bedeuten würde, das sowohl der Patient, als auch der Behandler nie weiß, mit welcher Methode gearbeitet wird. Und die Krönung solcher klinischen Versuche wäre die Einbeziehung von Placebos (= Nichtbehandlung) und gesunden Kontrollpersonen, um die eigentliche Nutzwirkung der getesteten Methoden überhaupt abschätzen zu können.

Bedauerlicherweise haben die Schweden es verabsäumt, gesunde Kontrollpersonen und, was schwerer wiegt, den Placeboeffekt mitzuerfassen. Nun aber gesunden Menschen diese NTI-Plastikstecker (siehe Bild 1) nur deshalb auf die oberen Schneidezähne zu stülpen damit die Studie ein runderes Design bekommt, das lassen wir den Forschern als entschuldigt durchgehen. Aber was ist mit dem Placeboeffekt?  Ich komme darauf zurück.*)

 

J Oral  Rehabil. 2011 März 22. doi: 10.1111/j.1365-2842.2011.02210.x. [Epub ahead of  print]

Die langfristige Wirksamkeit der elastischen Geräte Therapie bei TMD Schmerzpatienten: eine randomisierte, kontrollierte Studie.

Nilsson H, Vallon D, EG Ekberg.

Abteilung für Physiologie der Kieferheilkunde, Fakultät für Zahnmedizin, Universität Malmö, Malmö Department of Physiology Stomatognathe, Kalmar County Hospital, Kalmar, Schweden.

Zusammenfassung

Zusammenfassung: Das Ziel war es, die langfristige Wirksamkeit eines federnden Gerät bei Patienten mit Schmerzen aufgrund von Temporomandibulärer Disorder (TMD) zu untersuchen. Eine randomisierte, kontrollierte Studie wurde durchgeführt mit 80 rekrutierten TMD Schmerzpatienten. Sie wurden randomisiert [= per Zufall auf] einer von zwei Gruppen zugeteilt: Die Behandlung mit einem elastischen Gerät oder eine Behandlung mit einem harten, palatinal nicht-beissendem Gerät [= ähnlich dem Bild 1]. Das primäre Behandlungsergebnis wurde als positiv betrachtet, wenn des charakteristische Schmerzintensität um mindestens 30% sank. Zusätzliche Behandlungsergebnisse waren körperliche Funktion, emotionale Funktion und Kopfschmerzen. An der 12-Monats-Weiterverfolgung hatten 50% der Patienten in der Behandlungsgruppe [mit elastischer Schiene] und 42% in der Kontrollgruppe eine 30% ige Reduktion der charakteristischen Schmerzintensität, wenn sie in einer Intent-to-treat-Analyse berechnet. Die Kiefer-Funktion in beiden Gruppen an der 6-Monats Weiterferfolgung und der 12-Monats verbesserten sich. Eine Verbesserung der Depression war in der Kontrollgruppe nach 12 Monaten zu finden, emotionale Funktion in beiden Gruppen schon nach 6 Monaten. Der Kopfschmerz sank in beiden Gruppen an beiden Zeitpunkten. Es konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede gefunden werden für Haupt-und Zusatz Ergebnisse zwischen den Gruppen bei den 6 - und 12-Monats Terminen. Es gab keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den elastischen Schienen und den hinten offenen harten Teilschienen bei der Verringerung der TMD Schmerzen, körperlichen, emotionalen Funktion und Kopfschmerzen in der 12-monatigen Betrachtung.


© 2011 Blackwell Publishing Ltd

J Oral Rehabil. 2011 Mar 22. doi: 10.1111/j.1365-2842.2011.02210.x. [Epub ahead of print]

Long-term efficacy of resilient appliance therapy in TMD pain patients: a randomised, controlled trial.

Nilsson H, Vallon D, Ekberg EC.

Department of Stomatognathic Physiology, Faculty of Odontology, Malmö University, Malmö Department of Stomatognathic Physiology, Kalmar County Hospital, Kalmar, Sweden.

Abstract

Summary   The aim was to investigate long-term efficacy of a resilient appliance in patients with pain due to temporomandibular disorders (TMD). A randomised, controlled trial was performed in 80 recruited TMD pain patients. They were randomly allocated to one of two groups: treatment with a resilient appliance or treatment with a hard, palatal, non-occluding appliance. The primary treatment outcome was judged positive when patients' characteristic pain intensity decreased by at least 30%. Additional treatment outcomes were physical functioning, emotional functioning and headache. At the 12-month follow-up 50% of the patients in the treatment group and 42% in the control group had a 30% reduction of characteristic pain intensity, when calculated in an intent-to-treat analysis. Jaw function improved in both groups at the 6- and 12-month follow-up. Emotional functioning improved in both groups at the 6-month follow-up; an improvement concerning grade of depression was found in the control group at 12 months. Headache decreased in both groups at both follow-ups. There were no statistically significant differences found regarding primary and additional outcomes between groups at the 6- and 12-months follow-up. There was no statistically significant difference between the resilient appliance and the non-occluding control appliance in reducing TMD pain, physical functioning, emotional functioning and headache in a 12 months perspective.

© 2011 Blackwell Publishing Ltd.

Übersetzung ins Klartext Deutsche

Es ist Wurst, was für eine Sorte Schiene dir der Onkel Doktor bei Schmerzen unter der Diagnose TMD (in Deutschland noch hartnäckig CMD genannt) auf den Ober- oder Unterkiefer drückt: nach 12 Monaten hast du so oder so eine 50% Chance, dass der Schmerz ein Drittel niedriger liegt. Betrachtet man die gesamte Hilfe der Schienenbehandlung bei Schmerzen, liegt diese also eher im niedrigen Bereich. Totaldurchschlag:  50% Patienten mal 30% Minderung = 15% nach einem Jahr.

Kommentar

Wir sind - glaube ich - jetzt bei Mosaikstein 41, dass es bei TMD (CMD) Schmerzen langfristig keinen Sinn ergibt, wilde Aufzeichnungen über den Biss, die Zentrik, die Kieferrelation, oder Unterkieferbewegung zu erheben. Denn das Ergebnis solcher Bemühungen ist immer vorhersagbar:

  • 1. Es läuft so gut wie immer auf mindestens eine Schiene hinaus.
  • 2. Ausweislich dieser wissenschaftlichen Studie aus dem März 2011 haben jedoch ALLE (!) Schienen keinen besseren Gesamtwirkungsgrad als 15%. Anders ausgedrückt, sie helfen höchstens (!) der Hälfte der Patientinnen ihre Schmerzen um gerade mal 30% zu verbessern.

Soll ich (Joachim Wagner, Zahnarzt) Ihnen dazu mal meine unmaßgebliche Meinung sagen? Das überbietet jeder Schamane im Leerlauf. Im Ernst.

 

*) Eine vorstellbare Nichtbehandlung, was hier der Placebobehandlung in etwa gleich käme, wäre die Gesprächstherapie. Solche Studien existieren bereits und siehe da: der Placeboeffekt ist keineswegs gleich Null, sondern erreicht Größenordnungen wie das Verum (= hier: Schienen) Behandlung.

**) Damit liegen die Erfolgschancen der Schienenbehandlung schlechter als die der - damit nicht zusammenhängenden - antineuropathischen Therapie, die 50% der  Patienten ihre Schmerzen um 50% mindern kann, also etwa 25% Totaldurchschlag hat.

 


1.  Nilsson H, Vallon D, Ekberg EC.Long-term efficacy of resilient appliance therapy in TMD pain patients: a randomised, controlled trial.J Oral Rehabil. 2011 Mar 22.

2. Asbjorn Jokstad1†, Arild Mo1 and Berit Schie Krogstad1  Clinical comparison between two different splint designs for temporomandibular disorder therapy Acta odontologica scand 2005, Vol. 63, No. 4 , Pages 218-226 (doi:10.1080/00016350510019982)

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