Hochwirksames Opiat kann Zahnschmerzen nicht unterdrücken

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IMG_1330Gestern - Montag - war Zahnziehtag. Nicht weniger als 5 Zähne fielen meiner Zange zum Opfer. Ausnahmslos erwischte es entweder einen pulpitischen (= Zahnnerv entzündet) Weisheitszahn, wie im Fall des Patienten U.W. (49) hier, oder bis unter das Zahnfleisch kariös zerstörte Restzähne.

Hier geht es um die Geschichte der Pulpitis am Zahn 28 (= Weisheitszahn links oben ganz hinten) von Herrn U.W.  Am 22. November 2010 erschien der Patient mit Zahnschmerzen auf kalte und teilweise warme Reize auf der linken Seite. Die Befundung mit Hilfe 2 verschieden geformter Sonden (= Hakensonde & Kuhhorn) förderte eine tiefe Karies mesial (= zum davor liegenden Zahn hingerichtet) am  Zahnhals des Weisheitszahns zu Tage, die ich offenbar bisher bei den jährlichen Kontrollen übersehen hatte.

Der Patient  erhielt am gleichen Tag eine bis zum Zahnnerv reichende Füllung an dieser Stelle aus Glas Ionomer Material. Laut Patient beruhigte sich darauf der Zahnschmerz - bis vorgestern.  Sozusagen aus heiterem Himmel überfielen unseren Patienten die Schmerzen attackenartig in verschärfter Form. Gleichzeitig war auch das Zubeißen an dieser Stelle nicht mehr möglich.

Meine Beratung des Patienten am gestrigen Tag unterstrich vor allem die Tatsache, dass eine Erhaltung des Weisheitszahn nur mit zeitaufwändiger Wurzelbehandlung zuzüglicher sorgfältiger Desinfektion denkbar wäre, diese dazu ganz hinten im Mund stattfinden müsse, alles sehr eng und schwierig sei und dazu auch noch teilweise privat zu zahlen wäre. Gemeinsam entschieden wir, dass dieser 28 einen solchen Aufwand nicht rechtfertigt. Auf diesem Weg entstand die Foto Aufnahme des Bildes 1. Der dort abgebildete Zahn ist der hier besprochene.

IMG_1333Bis hierhin geschieht für den fachmännischen Betrachter noch nichts bemerkenswertes, was den Fall U.W. von tausendfachen ähnlich gelagerten Fällen des Tages 06.06.2011 unterscheidet. ABER: Aus meiner Krankenakte geht hervor, dass Herr U.W. seit vielen Jahren wegen stärkster Rückenschmerzen in schmerztherapeutischer Behandlung ist. Ich weiß, dass er vor 4 Jahren das Medikament "Temgesic", also ein hochpotentes (= hochwirksames) Opiat, verschrieben bekam. Auf meine konkrete Frage, ob und welche Medikamente er zur Zeit bekommt, zeigt mir Herr W. seinen rechten Oberarm, auf dem ein Pflaster mit der kleinen Aufschrift "Norspan 20yg/h" klebt.

IMG_1333-1

Norspan heißt chemisch Buprenorphin. Dazu ein Kurzauszug aus der Wikipedia für Buprenorphin : "Buprenorphin bindet mit hoher Affinität an µ-Opioidrezeptoren und wirkt dort als Partialagonist. Am K-Opioidrezeptor wirkt Buprenorphin als partieller Agonist und sehr wirksamer Antagonist.[8] Wie andere Opioide besitzt Buprenorphin eine schmerz- und hustenreizstillende, aber auch atemdepressive, brechreizfördernde und obstipierende Wirkung. Seine schmerzstillende Potenz ist etwa die 25- bis 50-fache des Morphins[9]."

Liest man solche Beschreibungen, staunt man über die sagenhafte Wirkung dieses Stoffes. Völlig anders hört sich das an, was mein Patient U.W. zu seinem Pflaster sagt. "Mit dem Pflaster wird der Schmerz erträglicher und ich kann mir selbst die Socken anziehen, was ohne nicht geht".  Was bitte ist das? Herr U.W. erhält das wirksamste Schmerzmittel, das die Welt überhaupt kennt, ein synthetisches Morphin mit der 25- bis 50- fachen Potenz von normalem Morphin und verspürt gerade mal eine leichte Verbesserung seiner Rückenschmerzen?

Leider kennt die Neurophysiologie schon länger dieses Problem: a) Opiode helfen nur am Anfang stark, d.h. es gibt einen enormen Gewöhnungseffekt. b) Akutschmerzen (wie z.B. pulpitische Zahnschmerzen) werden kaum gedämpft , c) Nach spätestens 6 Monaten sind die Nebenwirkungen an Stärke und Anzahl so gravierend, dass der Einsatz von Opioden fraglich erscheint.

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