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Wie Behandeln?
Pat. mit massiven Bissproblemen

sind einfach zu behandeln
erlebe ich als schwierig zu behandeln
versuche ich direkt an Kollegen weiterzureichen


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Behandlung und Schmerzen
Mein Zahnarzt behandelt

mich immer richtig. Keine Probleme.
95% der Zeit richtig. Ganz selten Schmerzen.
meistens richtig. Schmerzen habe ich schon.
selten richtig. Ich habe oft Schmerzen.
ich muss den Zahnarzt häufig wechseln.


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Chef`s

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Amitriptylin wirkt leider nur in jedem 2. Fall
Gesendet von : Chef Samstag, 12. Januar 2008 - 09:49
Schmerzen, die nicht von den Zähnen kommen


Auf den ersten Blick sieht diese Grafik etwas verwirrend aus. Was ist hier dargestellt? Auf der linken Seite steht "Paw withdrawal threshold (g)" und das heißt: Schwelle der Kraft, bei der die Pfote weggezogen wird in Gramm. Das bedeutet: das ist die Kraft, die für die Ratte schon so unangenehm ist, dass sie die Pfote wegzieht.

Die Ratten haben vorher eine Vorbehandlung bekommen, die darauf hinausläuft, dass ihre Beinnerven die gleichen überempfindlichen Eigenschaften bekommen, wie die von langjährigen HIV Infizierten. Diese leiden nämlich teilweise unter so genannten HIV-gp120 neuropathischen Schmerzen, wobei nicht klar ist, ob die Infektion das Problem alleine verursacht, oder die Dauerbehandlung mit anti retroviralen Mitteln, die ganz erheblich in die Chemie des Körpers eingreift, beteiligt ist.

Zurück zur Grafik, hier steht ganz links der Tag "BL". Das ist die "Base Line" = Grundlinie. An diesem Tag waren alle Ratten noch gesund, hatten also keine Neuropathie. Wie diese nun genau die HIV Eigenschaften in 10 bis 15 Tagen bekommen, ist hier nicht wichtig, man sieht aber, dass die Beine in den folgenden 15 Tagen wesentlich empfindlicher werden. Gibt man den Tieren dann die verschiedenen Anti-Neuropathika Amitriptylin, Gabapentin, Morpin und  Cannbinoid WIN 55, so ergeben sich die dunklen Kurven. Bei den grauen Kurven handelt es sich um die Kontrollen mit Kochsalzlösung. Zum Verständnis: die Anti-Neuropathika werden nur am Tag 15 bis 18 gegeben.

Ergebnis: Amitriptylin hat hier absolut keine Wirkung, im Gegensatz zu Gabapentin, Morphin und einem Cannabinoid (Gras).

Schlussfolgerung: Es ist bekannt, dass gerade im Bereich der chronischen Schmerzen - von denen verdachtsmäßig mehr als 80% neuropathischen Ursprungs sind - im Kiefer und Gesicht die Mittel der ersten Reihe Amitriptylin und Carbamazepin bei mindestens jedem 2. Fall nicht wirken. Hier wird in einem übersichtlichen Tierexperiment nachvollziehbar gezeigt, dass das klare Gründe auf der Rezeptorebene haben muss. Die Überempfindlichkeit von HIV-geschädigten Nervzellen unterscheidet sich ganz offensichtlich von der Überempfindlichkeit von mechanisch beschädigten Nervzellen. Alle Leser, die von diesem Problem persönlich betroffen sind, sollten sich klarmachen, dass wir erst am Anfang der Entwicklung wirksamer Antineuropathika stehen. Immerhin ist die Liste hier ein kleiner Hinweis: wenn Amitriptylin nicht wirkt, dann könnte vielleicht Morphin oder Cannabis etwas Gutes tun.


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Kollegen gibt es, entzückend
Gesendet von : Chef Donnerstag, 10. Januar 2008 - 18:07
Allgemeine Korrespondenz mit Behörden etc
Dieser Artikel ist nur für Kollegen/innen. Wer einen Apfel als Praxislogo einsetzt und womöglich noch einen grünen dazu verwendet, kann demnächst mit Post von der Kollegin Kieferorthopäde Dr. Laupheimer rechnen. Diese ist es, die hinter dem aktuellen Artikel der ZM (Zahnärztliche Mitteilungen) mit dem Titel "Eine neue Abmahnungswelle rollt an" steckt.

Aus zuverlässiger Quelle ist zu hören, dass es wirklich Kollegen gibt, denen - Zitat "der Spaß mit Frau Laupheimer 10.000 € gekostet hat". Um welchen Spaß geht es?

Über ihre Rechtsanwälte macht die Kieferorthopädin geltend, dass sie auf ihrer Homepage mit einem "Apfel in Granny-Smithfarben" wirbt, den sie sich beim Deutschen Patent- und Markenamt hat schützen lassen.

Wenn nun Zahnärzte einigermaßen ähnliche Äpfel auf ihrer Homepage verwenden, sehen diese Juristen darin die Gefahr einer Verwechselung. Sie behaupten, dass die "beteiligten Verkehrskreise" das Leistungsangebot des abgemahnten Zahnarztes mit dem der Kieferorthopädin verwechseln können.

Es wird dann die Unterschrift unter eine Erklärung verlangt, dass der abgemahnte Zahnarzt künftig einen solchen Apfel nicht mehr verwenden wird. Außerdem soll er die behaupteten Kosten der beauftragten Rechtsanwälte in Höhe von rund 4.000 Euro tragen und alle sonstigen der Kieferorthopädin angeblich entstandenen Schäden ersetzen. Für den Fall, dass die Erklärung nicht in der meist sehr kurzen Frist abgegeben wird, wird mit gerichtlichen Schritten gedroht.



Kommentar: ist hier eigentlich nicht nötig.



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Gutachter von gestern
Gesendet von : Chef Mittwoch, 09. Januar 2008 - 09:26
Lästerliches zum Thema eugnather Biss, TMD und Gnathologie




Folgender Fall: Meine zahnärztliche Assistentin beantragt für einen 42- jährigen Patienten einen neuen Unterkiefer Zahnersatz, weil der alte Teleskop-Kronen getragene Ersatz buchstäblich zerlegt ist. Das ist auf dem oberen Bild zu sehen: dort ist die Teleskopkrone samt Stift tief unten einfach abgebrochen. Die AOK Leverkusen ist so freundlich und schickt jeden Plan oberhalb der Summe von ca. 2.000 Euro zum Gutachter. Diesmal zu unserem Lieblingsdoktor S. aus Leverkusen-O. Dr. S. ist bekannt für eine 90%ige Ablehnquote, drum ist er auch bei der AOK so beliebt. Ohne zu sehr ins Detail einzusteigen, soll diese Aussage genügen. Er sagt im Gutachten, dass laut (seiner) Richtlinie die Zähne 34,33 und 44,45 (das sind alle Wurzelbehandelten = mit weißem Material in der Wurzel) gezogen werden müssen. Das zeigt dreierlei:
  • Herrn S. interessiert der Mensch hinter dem Plan nicht. Dass da jemand jetzt gerade mal 42 Jahre ist und wahrscheinlich eine ganz lange Zeit noch eigene Zähne brauchen wird, ist nicht das Problem des Doktor S. von Gottes Gnaden Gutachter und Herr über Sein und Nichtsein.
  • Hätte Dr. S. auch nur einmal in die ihm vorliegenden Unterlagen geschaut, dann wäre klar geworden, dass die Wurzelfüllungen im oberen Bild vorletzter Zahn 33 und unteren Bild letzter Zahn 45 ganz frisch sind, und deshalb auch keine Knochenheilung zeigen können.
  • Herr Dr. S. hat im Laufe seiner respektablen Laufbahn (er müßte über 60 sein) offenbar nicht viel über Kaudynamik, Überlebensstatistik von Teleskopersatz und Kräfteverteilung dazugelernt. Schon das obere Röntgenbild zeigt doch, wohin die Reise in diesem Mund geht, wenn versucht wird, an einzelnen T-Zähnen einen immer größeren Modelguss festzumachen: es bricht. Ist das so schwer zu sehen? Und damit es noch spannender wird, will der Gutachter ein paar Zähne mehr ziehen.
Der Gutachter gehört auf einen Truppenverbandsplatz oder ins Museum. Unser Patient hat einen anatolischen Nachnamen, da kann es auch sein, dass Stratege S. noch andere Gedanken hat. Es soll jüngere und weniger standhafte Kollegen/innen geben, die sich von Dr. S. Richtlinien Geschwafel beeindrucken lassen und daraufhin die aktive Körperverletzung nach Anweisung des Vorgesetzten am Patienten vollziehen. Das sind die, die früher alle unschuldig waren, weil sie ja nur die Befehle ausgeführt haben.

Meine Assistentin ist angewiesen, nichts dergleichen zu tun.


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Zahnärzte sind einfach zu augenfixiert
Gesendet von : Chef Dienstag, 08. Januar 2008 - 13:44
Fälle, Studien, und bewiesene Fakten
Eine Teilnehmerin "Blondesblau" schreibt am Wochenende diesen Beitrag in ein Patientenforum:

"Hallo zusammen,

vielleicht kann mir jemand weiterhelfen:
Worauf könnte diese Schmerzsymptomatik hindeuten?

Insgesamt bestehen die Schmerzen schon seit zwei Wochen.
- starke Schmerzattacken treten treten täglich in unregelmäßigen Abständen auf, halten dann für ca. zehn Minuten an und verschwinden wieder
- es schmerzt vor allem rechts oben, aber auch unten (nicht eindeutig lokalisierbar)
- Ibuprofen 600 hilft

Seit gestern aber:
- treten die Schmerzen - dumpfer, pochender und auch bis zu der Stirn und den Ohren ziehender Schmerz - konkret auch im Zusammenhang mit Kauen auf und gehen nicht mehr weg!
- Ibuprofen600 hilft nicht mehr
- Schmerzen erstmals auch nachts
- das einzige, was mir jetzt noch hilft: mit sehr kaltem Wasser den Mund spülen. Schmerz dann für ca. 10 Minuten weg, kommt aber wieder.

Seit Anfang der Woche nehme ich ein Antibiotikum, da der HNO auf eine Kieferentzündung tippte. Aber die Entzündung müsste ja mitterweile weg sein.
Besuch beim Zahnarzt vorgestern ergab, dass keine Löcher vorhanden sind. Allerdings rechts unten eine tiefe und entzündete Zahntasche. Und der Verdacht war, dass die Schmerzen von einem überbelasteten Zahn kommen könnten.
Aber kann das wirklich sein?

Würde mich sehr über Tipps freuen,
BB"

Was ist das zahnmedizinisch betrachtet? Auf 100 Meter Abstand gegen den Wind kann man hier die Pulpitis praktisch riechen. Was macht der Kollege? Guckt und sagt: er tät nichts sehen und "erläutert" dann noch den üblichen Unsinn von Zahntasche und Überbelastung. Jetzt fehlt nur noch das Röntgenbild, auf dem er -vorhersagbar - auch nichts sieht.

Und deshalb zum hundertsten mal:
  • Die richtig üble Karies (Zahnzwischenraumkaries) ist im Mund selten gut zu sehen, oft gar nicht.
  • Eine reine Pulpitis ist im Röntgenbild nie (!) sichtbar.
  • Eine Überempfindlichkeit bei tiefer Karies/Pulpitis auf Kältereiz ist leicht nachweisbar.
  • Eine Klopfempfindlichkeit bei tiefer Karies/Pulpitis ist oft nachweisbar.
  • Eine Aufbissempfindlichkeit bei tiefer Karies/Pulpitis ist oft nachweisbar.
  • Eine Wärmeempfindlichkeit bei tiefer Karies/Pulpitis ist ab und zu nachweisbar, dann aber ein sicherer Anzeiger für Behandlungsbedarf.
Was also muss der Zahnarzt ganz besonders gut können? Hören. Er darf lieber etwas blind sein *), aber sollte ein gutes Gehör haben. Weil er dann nämlich alleine bei der Schmerzschilderung schon mitbekommen hätte, wie die Diagnose vermutlich lauten müßte.
Das ist alles seit hundert Jahren bekannt. Und wird trotzdem jeden Tag wieder genau so falsch wie in unserem Beispiel bei den eigenen Kunden gehandhabt.

Die Patientin hat auf meinen Hinweis, dass das wohl eine Pulpitis wäre, gestern auch prompt eine Wurzelbehandlung verpasst bekommen, weil sich - wer hätte das gedacht - doch eine Zahnzwischenraumkaries gefunden hat. Geht doch.

*) auf die Gefahr hin, dass sich jetzt die mitlesenden Kollegen mächtig aufregen: was nutzt die tollste Präzisionsbohrung und -restauration, wenn die Diagnose von Anfang an nicht stimmt?


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Mein Freund der Kollege um die Ecke
Gesendet von : Chef Montag, 07. Januar 2008 - 16:35
Karies, Bruch, Problemfälle, interessante Erzählungen
Die Schwachleistung der Woche ist das hier:



Von vorne geht es ja noch, aber dann


Das ist der rechte unter 4er (der mit soviel "Blut" drunter)


Dazu gehört dieser UK-Ersatz-Apparat und der linke untere 4er


ist ähnlich unhübsch. Dazu passt diese Bastelarbeit im Oberkiefer


mit einem Riss zwischen 22 und 23 bei einer Spanne von Brückengliedern 22 bis 25 einschließlich in einer Gesamtbrücke von Ohr bis Ohr aus Kunststoff.

Die Patientin erzählt dazu diese Geschichte: Der Vorbehandler habe vor etwa 6-7 Jahren damit begonnen, den Ober- und Unterkiefer von Grund auf zu sanieren. Dabei wurden Zähne entfernt und eine umfangreiche Planung erstellt. Ingesamt seien zu DM Zeiten knappe 20.000 DM involviert gewesen. Aufgrund diverser Probleme mit Schmerzen habe der Behandler dann festgestellt, dass eine Allergie gegen Metallwerkstoffe und/oder Wurzelbehandlungen vorliegen müsse, jedenfalls wurden die Versorgungen im Ober- und Unterkiefer insgesamt 2 bis 3 mal (war nicht so genau zu klären) erneuert.
Schlußendlich habe es nach Gold/Keramik und weiteren Versuchen dann diese reine Kunststoff Arbeit als vorläufige Lösung gegeben.

Und damit gibt es jetzt 5 Jahre nach Einbau mächtig Ärger:

  • 12 ist pulpitisch, weil die Kronen darauf federt, also lose ist - hier bleibt nur noch die Wurzelbehandlung - also genau das, weswegen angeblich der ganze Zirkus notwendig war. (Zur Beweissicherung habe ich ein Video vom Federn angefertigt)
  • der Riss zwischen 22 und 23 wird irgendwann die Brücke links oben zerlegen
  • die "Krone" 44 ist undicht, undichter geht es nicht mehr. Der Zahn ist nur deshalb nicht abgestorben, weil die Natur teilweise doch härter ist, als wir glauben.

Die "Allergie auf Metalle" glaube ich erst mal nicht, und die auf Wurzelbehandlungen sowieso nicht. Dafür bohre ich schon zu lange, um nicht zu wissen, dass allzuviele mißliebige Erscheinungen in der Mundhöhle auf "die Allergie" geschoben werden. Und das aus keineswegs ehrenhaften Gründen. Z.B. der Zahnarzt steht mit Wurzelbehandlungen auf Kriegsfuß, ja, so was gibt es. Oder ein Fall läuft schmerzmäßig völlig aus dem Ruder, weil Grundlegendes falsch gemacht  ...

Zusammenfassung: 20.000 DM für eine Zeitbombe mit Ablaufdatum vor 2 Jahren ausgegeben. Wenn sich das Zahnheilkunde nennen darf, dann stellt sich in der Tat die Frage: wer braucht sowas?


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Dr. David. H. Pashley does not like the 1-bottle-bonder
Gesendet von : Chef Sonntag, 06. Januar 2008 - 15:16
This is what the scientist Dr. Pashley, professor at the Medical College of Augusta, Georgia looked like about 15 years ago. There don't seem to be any newer photo - at least Google doesn't have any. So concerning his private life, Dr. Pashley seems to be a very private person. In the world of science though he is major league: Medline alone lists 465 articles from 1978 to 2008, searching for "pashley dh". This listing can't be all there is, because a. Dr. Pashley's scientific career begun as early as 1965 and b. Medline does not list all scientific publications worldwide, so f.ex., the DZZ ("Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift") ist not among them.

 Just how important the few people of his qualification existing worldwide are shows the following article - published in the Brasilian "Journal of Applied Oral Science" - with the title "Water movement across bonded dentin - too much of a good thing" by Franklin R. Tay I; Ricardo M. Carvalho II; David H. Pashley III", which is fortunately avaivable in full text in the internet. Beginning with the illustration of the commercial "generations" of dentin bonder from the 3-bottle-system to the 1-bottle-system , the article goes on to show that simplification come at a price. The biggest revelation ist to be found in the middle of the article, i.e. the picture "Figure 9"

What does it mean? It is a very elegant attempt to make the composite loving colleagues think. Here's the procedure: You take a real tooth in a human mouth. You don't do any etching with phosphoric acid, instead you take the 1-bottle preparation (i.e. the "7th generation" modern dentin bond, with acid, primer and bond components all in one), apply it according to the manufacturers instructions, dry it, expose it to blue light, etc. Then you add your composite, but instead of instantly curing it on the spot you wait for 20 minutes and only after that you start the polymerizing with ligth. After the breaking up of the bonding zone (let's suppose, that this is a tooth, which is planned to be extracted anyway) you see, left above, the picture of the dentin bonding side and, right below, the picture of the composite bonding side.

What is wrong with the pictures? In the composite there are holes in the distance of the dentin tubules. How come? Simple: The cured 1-bottle-bond is not rigid and water tight but it is a semi-permeable membrane, which bleeds water from dentin through into the composite. Meanwhile Prof. Dr. D.H. Pashley now has emeritus status - all good people go too early - but he is still working in his field of research. New publications for 2008 are announced already. Read the full article. It is definitely worth it.


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Bergenholtz Endodontics 2: Erkrankungen der Pulpa (Zahnnerv)
Gesendet von : Chef Freitag, 04. Januar 2008 - 23:54
Schöne Fälle, interessante Therapien
Teil 1 finden Sie in dieser Spalte am 29. Dezember 2007

Erkrankungen der Pulpa

Prof. Dr. Gunnar Bergenholtz,
Department of Endodontology and Oral Diagnosis, Faculty of Odontology, The Sahlgrenska Academy at Göteborg University, Box 40530, Göteborg, Schweden

hat im Jahr 2004 in der Zeitschrift "Critical Reviews in Oral Biology & Medicine" zusammen mit dem US-amerikanischen Kollegen

Prof. Dr. L. Spångberg,
Department of Endodontology, School of Dental Medicine, University of Connecticut, Farmington, Connecticut, USA

einen kritischen Bericht des aktuellen Wissenstandes (englisch = "Review") unter dem Titel "CONTROVERSIES IN ENDODONTICS" veröffentlicht, der wegen seiner Weitsichtigkeit in vielen Punkten verdient, hier in Zahnfilm.de herausgehoben zu werden. Es handelt sich bei jedem Satz um die kondensierte Form der Erkenntnis aus über 30 Jahren Forschung in der Endodontologie von 2 der international 10 bestinformierten Menschen auf dieser Erde auf diesem Gebiet. Der Anfang erschien hier am 29.12.2007. Heute lesen sie die Fortsetzung "Erkrankungen der Pulpa"


"Zähne werden von einer Vielzahl von Beschädigungen bedroht, die das Funktionieren der lebenden Pulpa in Frage stellen. Davon sind einige Einflüsse nicht infektiöser Art wie Trauma (Gewalteinwirkungen) bei Unfällen, die die Blutgefäß/Nerv Versorgung des Zahns beschädigt. Andere Beschädigungen und Erkrankungen verursachen Defekte in Zahngewebe. Die typischen Beispiele sind: Karies, Abnutzung, Erosion, Knirschdefekte und verschiedene Bruchformen. Dazu kommt der Substanz Verlust an Zähnen, der durch zahnärztliche Bemühungen bei der Behandlung von Karies, Parodontitis und Zahnverlust entsteht. Verletzungen verursachen auch per se Störungen der normalen Funktion der Pulpa, können aber dazu auch Pfade in den Nervraum öffnen für eine Reihe von schädlichen Stoffen in der Mundhöhle, von denen die Speichelbakterien die wichtigsten sind.

Normalerweise ist die harte Schale des Zahns zusammen mit der Fähigkeit der Pulpa, eine angemessene Entzündungsreaktion zu starten, durchaus in der Lage, eine Beschädigung und eine bakterielle Herausforderung auszuhalten (Bergenholtz, 2000). Eine direkte Freilegung der Pulpa und ihre Aussetzung im Mundmilieu ist dagegen eine Bedrohung. Die Pulpa hat - wie wir sicher wissen - praktisch keine Selbstheilungs-Kapazität in dieser Situation, weil die Schutzschicht (die Haut = das Epithel) fehlt, die den Defekt vor dem zerstörerischen Einfluß der oralen Micro-Organismen schützen könnte. Wird das nicht sorgfältig abgedeckt, kann auch eine winzige offene Stelle den Mikroben Gelegenheit geben, eine schwere Entzündung zu verursachen, die schlussendlich im kompletten Untergang des Gewebes endet. "



Bild WF: Wenn Ihnen diese Wurzelbehandlung mißfällt: mir auch. Die Frechheit auf diesem Röntgenbild ist die Tatsache, dass trotz der Schwachleistung WF eine WSR vorgenommen wurde. Das Ergebnis ist typisch: chronische Entzündung der beider Wurzeln

"Sobald die Pulpa ihre Lebensfunktionen eingebüßt hat, ist die Chance für eine Regeneration der Pulpa des erwachsenen Zahns gleich Null. Die Mikroben übernehmen sofort den Raum der ehemaligen Pulpa und vervielfältigen sich bis zur maximal möglichen Obergrenze. Das führt grundsätzlich immer dazu, dass solche Zähne eine Dauerquelle von bakteriellen Produkten werden, die zu Entzündungen um die Wurzel herum führen und möglicherweise auch unerwünschte systemische (Gesamtkörper) Effekte haben. In diesem klinischen Umfeld werden endodontische Behandlungen durchgeführt. Einige um den Vorgang des bakteriell verursachten Absterbens der Pulpa zu verhindern, aber noch häufiger, um den abgestorbenen, infizierten Zahn zu kurieren."

Das Original ist hier, die Fortsetzung der deutschen Übersetzung folgt in wenigen Tagen.


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Warum gehen Patienten überhaupt zum Zahnarzt?
Gesendet von : Chef Donnerstag, 03. Januar 2008 - 10:56
Karies, Bruch, Problemfälle, interessante Erzählungen
Der frisch gebackene Zahnmediziner von der Universität denkt, dass seine künftige Kundschaft ihn aufsucht, um bei ihm unten stehendes machen zu lassen, denn das hat er ja gelernt.
  • große Löcher, kleine Löcher und solche, die vielleicht eins werden könnten (in Zähnen natürlich)
  • nicht lehrbuchmäßige Arbeiten des Vorbehandlers kritisch zu betrachten - und zu erneuern
  • viel Zahnersatz zu planen und herzustellen - ob der Patient den eigentlich so richtig braucht oder nicht
  • Weisheitszähne zu entfernen - ohne Rücksicht auf Verluste
  • Wurzelbehandlungen - die aber schon mit gebremstem Enthusiasmus, denn das artet teilweise in echte Arbeit aus
  • über Okklusion und CMD zu schwadronieren
und warum kommt der Patient wirklich?
  • Fremdkörper im Zahnzwischenraum # 20%
  • Schmerzen, die nicht vom Zahn und nicht vom Kiefer kommen # 10%
  • Mundschleimhautbefunden # 5%
  • Subakute/Akute Pulpitis # 20%
  • Subakute/Akute Ostitis # 10%
  • Kosmetische Verbesserungswünsche # 15%
  • Bruch am Zahn oder Ersatz besonders bei Knirschern # 20%
  • Hypochonder, der einen Schub hat # 5%
Merken Sie was?
Die obere Liste hat mit der unteren Liste relativ wenig zu tun. Sicher gibt es enge Berührungen. Die tiefe Karies (das Loch) macht irgendwann eine subakute Pulpitis, das weiß jeder in diesem Geschäft. Das ist aber nicht der Punkt. Die Art und Weise, wie die jungen Zahnmediziner/innen auf ihren Einsatz vorbereitet werden, ist nicht praxisgerecht. Die Zahl hinter dem # Nummer Zeichen soll die Wahrscheinlichkeit angeben, mit der damit zu rechnen ist, dass ein x-beliebiger Patient mit genau diesem Problem in die Praxis gekommen ist. Beispiel: 10% ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Schmerz, den ein x-beliebiger Patient auf dem Behandlungsstuhl gerade schildert, gar nicht von den Zähnen kommt. Es ist also unbedingt notwendig, dass der Behandler die Reihenfolge der Wahrscheinlichkeiten, mit der Beschwerden auftreten, kennt. Und zwar, bevor er den Patienten sieht.

Obere / Untere Liste
Sonst passieren immer wieder die gleichen Unsinns-Geschichten. Gestern fragte eine Internet Patientin mich um Rat. Es ging dabei um einen unteren Backenzahn, der seit 5 Monaten wurzelbehandelt wird und offenbar zunehmende Schmerzen macht. Inzwischen beschäftigt die Frau schon neben ihrem Hauszahnarzt auch einen Endodontologen mit der Angelegenheit. Nach Lehrbuch (obere Liste) ist eine Wurzelbehandlung eine Sache von 1 bis 4 Sitzungen, hier war es ein toter Zahn 34 mit einer leichten (ca. 1 mm großen) Entzündung des Knochens an der Wurzelspitze. Er wurde desinfiziert mit Ca-OH und Chlorhexidin in mindestens 10 Sitzungen. Das ist mit Unsinn gemeint. Wenn die 3. Sitzung keine eindeutige Verbesserung bringt, dann stimmt gewöhnlich die Diagnose nicht, oder die Therapie ist uneffektiv. In diesem Fall verschwanden die Schmerzen nicht.

 

Jetzt nehmen wir die untere Liste. Warum tut es noch weh? Es könnte a) ein anderer Zahn sein dann handelt es sich um eine akute Pulpitis, Wahrscheinlichkeit 20%, es könnte b) eine nicht funktionierende Desinfektion des 34 sein, dann wäre es eine subakute/akute Ostitis, Wahrscheinlichkeit 10% oder c) ein neuropathischer Schmerz, also nicht vom Kiefer und nicht vom Zahn kommend, Wahrscheinlichkeit 10%.  Und das läßt sich dann einzeln jeweils anhand von Symptomen belegen oder falsifizieren. Der Endontologe war übrigens in diesem Fall ein Reinfall. Der hat vor 3 Wochen umständlich mit Mikroskop und allem drum und dran 1 Stunde an dem einkanaligen Zahn rumgepopelt und danach hat es - laut Patientin - für mehr als 2 Tage richtig weh getan. Und das Beste am Schmerzmanagement des Endodontisten war dann, dass er die nächsten 3 Wochen keinen Termin frei hat, aber danach in Urlaub ist :-). Schön

Der verstärkte Schmerz nach der vertieften Behandlung spricht meiner Meinung nach dafür, dass die Desinfektion mit Ca-OH und Chlorhexidin nicht ausgereicht hat, alle Bakterien im Bereich der Wurzelspitze zu zerstören, also vermutlich Diagnose b).


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Ein-Flaschen-Bonder sind suboptimal
Gesendet von : Chef Dienstag, 01. Januar 2008 - 08:27
Ist Kunststoff zukunftsicher? Oder doch lieber Amalgam?


Für die Fehlsichtigen unter unseren Lesern (kleiner Scherz), in den grauen Feldern steht "Electric Field" in den dunkleren Feldern daneben "Control". Das sagt uns, dass diese 3 Ein-Flaschen-Kleber in 2 verschiedenen Varianten in Zähne eingebracht wurden. Einmal nach Vorschrift des Herstellers, das ist die Kontrolle. Und einmal mit elektrischer Spannung auf den Pinsel, mit dem das Material auf den Zahn lackiert wird, die Ergebnisse davon sind in grau dargestellt.

Wie unschwer zu erkennen ist, verdoppeln sich die Werte bei ganz bekannten Produkten durch diese einfache physikalische Maßnahme. Damit nicht genug: die SEM (Scanning Electron Microscope) Aufnahmen der Klebefugen zeigen deutlich, dass die elektrisch produzierten Klebestellen gegen "nano-Leakage" (ganz kurz: man taucht die Prüflinge in Silbernitrat und schaut nach, wie viel Silbernitrat von außen innerhalb 8 Stunden mitten unter die Klebestelle kommt) erheblich dichter werden.

Das heißt im Umkehrschluß: was zur Zeit ohne Strom eingebaut wird, ist garantiert undicht. Das Ganze ist hier nachzulesen.


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Wieder einer für die CMD Jungs: der Silvesterbiss
Gesendet von : Chef Montag, 31. Dezember 2007 - 11:55
Lästerliches zum Thema eugnather Biss, TMD und Gnathologie


Wir fangen vorne an: Das ist eine Goldkrone aus 2005



Darauf beisst Patientin K. seit 2005 in dieser Form.


Damit keine Unklarheiten aufkommen: der Silikonbiss sagt das Gleiche wie das Foto


Gegen das Licht gehalten, sieht es auch nicht besser aus.

Wir haben also hier den klassischen Vorkontakt. Da gibt es nichts zu diskutieren. Größenordnungsmäßig geht es hier auch nicht um Mikrometer, sondern eher um Millimeter.

Jetzt kommt natürlich das Aber. Warum kommt diese Patientin im Dezember 2007 zu mir, nachdem sie 2005 die viel zu hohe Krone von mir verpaßt bekommen hat? Das Beschwerdebild: Schmerzen links oben beim Essen, besonders Kalt/Warm seit ein paar Wochen und teilweise auch nachts. Aus der Krankenakte geht hervor, dass die 70-Jährige eine erhebliche Angst/Panik Störung hat.
Natürlich fällt jetzt sogar mir der Vorkontakt auf. Auf gezielte Nachfrage, wie denn der Biss nach Einbau der Krone 2005 sich so angefühlt hat, "ja, sie habe sich schon etwas daran gewöhnen müssen ..." was immer das heißen mag. Die sorgfältige Fehlersuch mit Hakensonde fördert aber schnell ein tiefes Loch am Zahnhals bukkal (außen) am 37 (Zahn hinter der Krone) zu Tage, der dann auch mit Kältespray und Klopfen als Urheber der Schmerzen eindeutig zu identifizieren ist. Die Therapie wird durchgeführt mit Hilfe von Handexkavatoren und einer waghalsigen Zahnhalsfüllung aus GlasIonomerZement mit Konditioner (PolyAcrylSäure) und darüber direkt den Zement.

Eine Kontrollsitzung 2 Wochen später bestätigt die Richtigkeit der Diagnose. Die Schmerzen sind weg.

Was lernt uns das? Vorkontakte sind für die Fehlersuche im Mund ungefähr so geeignet wie Silvester Kracher im Hörgeräte Studio.


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