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Noch ein Zahnfilm.de Denker: Dr. David H. Pashley
Gesendet von : Chef Sonntag, 30. Dezember 2007 - 16:14
Ist Kunststoff zukunftsicher? Oder doch lieber Amalgam?
So sah der Wissenschaftler Dr. David H. Pashley, Prof. am Medical College (Universität) von Augusta, Georgia, USA vor etwa 15 Jahren aus. Bilder aus neuerer Zeit scheint es nicht zu geben. Zumindest weiß Google nichts davon, und das obwohl heutzutage wirklich jeder Tünnes (kölsche Bezeichung für jede Pappnase) im weltweiten Netz mit Bild aufzurufen ist. Privat ist also Dr. Pashley eine rare Erscheinung. Wissenschaftlich dagegen ist er ein Titan. Alleine Medline listet auf Anhieb 465 Artikel unter dem Suchbegriff "pashley dh" beginnend von 1974 bis 2008. Diese Liste kann nicht vollständig sein, denn 1) hat die wissenschaftliche Karriere von Dr. Pashley schon 1964 begonnen und 2) listet Medline nur eine Untermenge aller weltweit erscheinenden wissenschaftlichen Zeitschriften. Z.B. wird die deutschsprachige "Deutsche Zahnmedizinische Zeitschrift" (DZZ) nicht erfasst.

Wie wichtig die Handvoll Menschen seiner Qualifikation auf dieser Welt sind, wird deutlich an folgendem Artikel, der 2004 in der brasilianischen Zeitschrift "Journal of Applied Oral Science" erschienen unter dem Titel "Water movement across bonded dentin - too much of a good thing" von den Herren: Franklin R. Tay I; Ricardo M. Carvalho II; David H. Pashley III", der im Volltext hier (natürlich in Englisch) zugänglich ist. Am Anfang stellt der Artikel die Vereinfachung der Bonder vom 3 Flaschen System bis zum 1 Flaschen Bonder dar. Dann zeigt er, dass die Vereinfachungen ihren Preis haben. Und etwa in der Mitte des Artikels kommt der Hammer. Das ist das Bild mit der Überschrift "Figure 9".

Was ist das? Das ist ein ganz eleganter Versuch, um die vielen Enthusiasten unter den Kunststoff Kollegen zum Nachdenken zu veranlassen. Es geht so: Man nimmt einen echten Zahn im Mund, macht keine Ätzung mit Phosphorsäure, sondern nimmt ein Ein-Flaschen-Präparat, (also Ätzmittel, Primer und Bonder in einem), appliziert das nach Vorschrift, trocknet, belichtet usw. und dann tut man darauf ein Komposit, belichtet das aber nicht sofort, sondern erst nach 20 Minuten. Dann findet man nach dem Auseinanderbrechen an der Klebestelle links oben das Bild von der Dentinklebeseite und rechts unten das Bild von der Kompositeklebeseite.

Was stimmt daran nicht? Im Kunststoff (= Komposite) hat es Löcher im Abstand der Dentintubuli. Wie kommt das? Der belichtete 1 Flaschen Bonder ist eine semipermeable Membran, die Wasser aus den Dentintubuli durchläßt, ganz einfach.

Prof. Dr. D.H. Pashley ist inzwischen auch schon emeritiert - die guten Leute sterben halt alle aus - aber er ist immer noch fleißig am forschen. Für 2008 sind schon erste Arbeiten angekündigt. Er steht Komposite seit Jahren eher reserviert gegenüber. Wer ein bißchen Englisch beherrscht, sollte sich den Original-Artikel zu Gemüte führen. Es lohnt sich.

PS: erinnert nur mich dieser Mensch an Harald Schmidt?


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Bergenholtz Endodontics 1 - Einführung
Gesendet von : Chef Freitag, 28. Dezember 2007 - 14:06
Schöne Fälle, interessante Therapien Prof. Dr. Gunnar Bergenholtz,
Department of Endodontology and Oral Diagnosis, Faculty of Odontology, The Sahlgrenska Academy at Göteborg University, Box 40530, Göteborg, Schweden

hat im Jahr 2004 in der Zeitschrift "Critical Reviews in Oral Biology & Medicine" zusammen mit dem US-amerikanischen Kollegen

Prof. Dr. L. Spångberg,
Department of Endodontology, School of Dental Medicine, University of Connecticut, Farmington, Connecticut, USA

einen kritischen Bericht des aktuellen Wissenstandes (englisch = "Review") unter dem Titel "CONTROVERSIES IN ENDODONTICS" veröffentlicht, der wegen seiner Weitsichtigkeit in vielen Punkten verdient, hier in Zahnfilm.de herausgehoben zu werden. Der Anfang soll gemacht werden mit der Übersetzung der "Introduction", eben der Einführung. So here we go:

Einführung

Beschädigungen der Pulpa (Zahnnerv) sind oft infektiös und die Behandlung umfasst einige schwierige Schritte, die darauf abzielen, die Infektion des Wurzelkanal Systems im Zahn zu verhindern. Von Anfang an beruhten die Behandlungsmethoden in der Wurzelbehandlung - wie in vielen anderen zahnmedizinischen Bereichen - auf Versuch und Irrtum. Erst in den letzten Jahrzehnten haben wir wissenschaftliche Methoden entwickelt, um zielgerichteter vorzugehen. Trotzdem sind wissenschaftliche Berichte über krankhafte Prozesse der Pulpa, insbesondere wie sie diagnostiziert und effektiv gemanagt werden können, relativ selten in der endodontischen (das Zahninnere betreffenden) Literatur anzutreffen.

Schaut man sich die vorhandenen Artikel in den wichtigsten endodontischen Journalen an, wird deutlich, dass technische Aspekte des Testens von Instrumenten und Füllungsmaterialien, häufig auch noch an extrahierten Zähnen als sogenannte "in vitro" (im Glas) Experimente den größten Raum einnehmen (Wu and Wesselink, 1993; Eriksen et al., 2002). Das hat als Konsequenz, dass der Fortschritt des biologisch gesicherten Wissens nur langsam voran geht. Irving Naidorf sagte schon 1972 in einer endodontischen Übersichtsarbeit: "Die übermäßige Beschäftigung der Zahnärzte mit der Technik hat die Zahnmedizin (die Endodontie einbegriffen) einseitig in einen Zustand der technischen Excellenz befördert, der nicht begleitet wird von einem biologischen Verständnis der grundsätzlichen krankhaften Vorgänge, mit denen wir es hier zu tun haben und den biologischen Konsequenzen unserer Behandlung. Die Spaltung zwischen den Praktikern und den Grundlagen Wissenschaftlern wird dazu verschlimmert, dass sich die beiden Gruppen nie untereinander austauschen, sondern nur in der Gruppe." Die letzten 30 Jahre haben wenig Änderung gebracht und nur kleine Mengen an gesammeltem biologischem Wissen hat Eingang in die klinische Arbeit in der Endodontie gefunden. So ist es nicht verwunderlich, dass in diesem Feld der Zahnmedizin es viele sich widersprechende Meinungen und Sichtweisen zur richtigen Behandlung von Erkrankungen des Zahninneren gibt.

Dieser Übersichtsartikel (Controversies in Endodontics) beleuchtet und analysiert den Hintergrund von einigen der wichtigeren Fragen, die im Bereich Endodontie in den letzten Jahren stark diskutiert wurden. Speziell wird es in dem Artikel um Kontroversen gehen, die das klinische Vorgehen bei Krankheiten beschreiben, die bei infektiösen Beschädigungen der vitalen (lebenden) Pulpa, als auch der toten Pulpa auftreten.


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Prof. Gunnar Bergenholtz ist Zahnfilm.de Vordenker - leider schon emeritiert
Gesendet von : Chef Donnerstag, 27. Dezember 2007 - 23:09
Schöne Fälle, interessante Therapien


Ein alter Schwede ist er jetzt: Prof. emeritus (nicht mehr aktiv) Dr. Gunnar Bergenholtz. Und er gehört zu denen, die in der Zahnheilkunde auffallend wenig Unsinn gesagt und geschrieben haben, was - wie wir wissen - eben nicht selbstverständlich ist für die Lehrstuhlinhaber in der Zahnmedizin.

In Medline finden sich seine ersten wissenschaftlichen Werke in 1973, damals ging es schon um die Wurzelbehandlung und den Zustand an der Wurzelspitze danach. Dr. Bergenholtz möchte sich offenbar früh auf kleinen Bereich der Zahnheilkunde konzentrieren: was passiert der Pulpa (Zahnnerv) und dem umgebenden Gewebe beim Angriff von Mikrobiota (Bakterien)?

Seit Anfang der 70er Jahre hat er bereits einen Lehrstuhl an der zahnmedizinischen Hochschule von Göteborg in Schweden inne, den er dann über 30 Jahre als Endodontologe (zuständig für das Zahninnere) ausfüllt. Was den Mann von vielen seiner Artgenossen auch hierzulande unterscheidet ist: er geht sehr früh mit experimentellen Forschungen in die USA und gerät da an einen ganz bekannten Mann: C.F. Cox, Mister Bond sozusagen. Mit dem macht Bergenholtz in den 80er Jahren ganz wichtige Tierexperimente. U.a. was passiert, wenn man Primaten (Affen) Löcher in die Zähne schleift, die Zähne 2 Tage offen läßt, damit sich die Bakterien schön in die Dentinkanäle verteilen können und dann das ganze mit Kunststoff wieder zupappt? Und zwar in 2 Varianten: 1) mit Glutaraldehydhaltigem Bond und 2) mit Bond ohne Glutaraldehyd. Dann werden die Tiere nach einem festgelegtem Zeitschema (2 Tage, 10 Tage, 90 Tage) getötet und die Zähne mit Kiefer komplett in feine Scheiben geschnitten, um die genaue Auswirkung studieren zu können.
Das Ergebnis dieses Experiments lesen Sie entweder selbst, wenn Sie in Medline das Suchstichwort "bergenholtz g" eingeben, dann wird Ihnen diese recht flott präsentiert, oder Sie warten, bis ich die Studie hier vorstelle.

Wahrscheinlich spielt aber auch die personelle Führungsmannschaft in der schwedischen Zahnmedizin-Akademie der 80er Jahre eine wichtige Rolle. Da gab es einen Herrn J. Lindhe, selbst ein Vorausdenker und Impulsgeber im internationalen Rang, oder auch WJ Loesche, ein weiteres Schwergewicht in der Forschung der Zahnmedizin, das Schweden hervorgebracht hat. Mit beiden Forschern hat Bergenholtz wissenschaftliche Forschungen durchgeführt und veröffentlicht (1975,1978,1982).

Was der Nichtakademiker nicht weiß: wissenschaftliche Arbeiten sind nicht alle gleich. Da gibt es die Fleißarbeit in Geschichte der Medizin zur Erlangung der Doktorwürde. Die ist dick, und angeblich auch arbeitsintensiv, ansonsten aber ziemlich überflüssig. Die meisten Arbeiten sind halt Durchschnitt und klären Detailfragen nach dem Wunsch eines "Doktorvaters", ob dass dann so alles stimmt ... Wirklich weiterführend sind in der Regel die Arbeiten, wo mehrere günstige Bedingungen zusammen kommen:
  • ein mit allen Wassern gewaschener Fachmann auf dem Gebiet ist dabei - er darf vieles kontrollieren, aber muss auch ganz neue Ideen zulassen können. Der Typ Vorgesetzte und Befehlsgeber in Form des älteren Professors, der nur seine Sicht der Dinge bestätigt haben will, soll es aber nicht sein, denn der würde die Ergebnisfindung erheblich stören, wenn nicht sogar verhindern.
  • ein junger unverbrauchter intelligenter Denker kommt dazu, und der will nicht nur eine dämliche Doktorarbeit schreiben und danach viel Geld erbohren, sondern hat selber Lust auf das Thema.
  • Geld ist für die Forschung da - auch für die experimentelle an Tieren und bremst zu Abwechslung mal eine vielversprechende Forscherkarriere nicht aus.
  • die bisher nicht geklärte Streitfrage kann durch das Experiment besser beurteilt werden

Was bei solchen Kombinationen herauskommt: Kunststoff-Füllungen mit garantiert null Bakterien drunter, ein Versuch mit speziellen Ratten, deren aufgeschliffene Pulpen (Zahnnerven) auch nach Wochen Tragezeit mit offener Pulpa (!) noch mit einer 99% sicheren Prognose nur leicht amputiert, aber nicht entfernt werden mußten. Hat Bergenholtz im Programm, versprochen.


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Neuropathiker haben immer kälteüberempfindliche Nachbarzähne
Gesendet von : Chef Donnerstag, 20. Dezember 2007 - 08:57
Schmerzen, die nicht von den Zähnen kommen
Pfote

So sieht die Zeitkurve von Ratten aus, die in Höhe von L5 (Lendenwirbelsäule) eine Einschnürung des Wurzelnervs (DRG=Dorsal Root Ganglion) erhalten. Legt man deren Hinterpfote auf eine 18 Grad kalte Platte, ziehen die Ratten am Tag vor der OP (=BL) die Pfote 2 mal alle 5 Minuten weg, aber 3 Tage danach viel öfter, nämlich ca. 12 mal. Während des Experiments sind die Ratten bewußtlos, also geht es hier nur um die Empfindung der Temperatur. Dazu muss man wissen, dass die Bein/Fussnerven (N. Sciaticus) nicht nur von einer dorsalen Wurzel, also L5, sondern auch von höheren und niedrigeren Ebenen kommen.

Jetzt stellt sich aber die Frage, warum eigentlich wird durch die Verletzung eines Nervs an der Wirbelsäule eine solche Überempfindlichkeit auf Kälte ganz woanders ausgelöst? Die Antwort scheint die TRP Superfamilie zu sein. TRP steht für Transient Receptor Potential. Identifiziert wurden bisher TRPV1, TRPV2, TRPV3, TRPV4, TRPM8 (auch bekannt als CMR1), und TRPA1 (früher als ANKTM1). Unter diesen sind TRPA1 and TRPM8 als Kälte empfindliche Ionen Kanäle ausfindig gemacht worden. TRPM8 wird aktiviert durch Menthol und fallende Temperaturen von 25–28°C, TRPA1 dagegen spricht bei 17 C an, eine Temperatur, die auch für Menschen unangenehm ist.

Eine japanischen Arbeitsgruppe hat 2005 eine Serie von Experimenten an Ratten durchgeführt und schlüssig dargestellt, wie dieser Zusammenhang ungefähr aussieht:
  • Die Einschnürung des Nervs am DRG in Höhe von L5 verursacht eine Entzündung des DRG
  • Darauf reagiert das Nervgewebe mit einem Hochfahren der TRPA1 Produktion
  • Der eingeschnürte Nerv L5 bekommt davon zwar distal (in der Peripherie) nichts mit
  • Aber der darüberliegende L4 erhält das volle Maß
  • Über dessen Fasern laufen die Überempfindlichkeiten auf Kälte
  • Beweis1: nimmt man Knockout Ratten (Ratten, die kein TRPA1 Gen haben), gibt es keine Überempfindlichkeit
  • Beweis2: unterdrückt man mit immunologischen Methoden die Produktion von TRPA1, gibt es ebenfalls keine Überempfindlichkeit.
Kommentar: Vermutlich wird TRPA1 das Wort der Zahnmediziner der 10er Jahre werden.  Das ist mit einiger Wahrscheinlichkeit das Molekül, weswegen es die Abrechnungsposition "üZ" (Überempfindlicher Zahn) oder die ewige Werbung für die beste Zahnpasta dagegen überhaupt gibt. TRPA1 ist gleichbedeutend mit Kälte und Schmerz im Zahn.


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Bohren oder nicht Bohren - im Zweifel für den Angeklagten
Gesendet von : Chef Montag, 17. Dezember 2007 - 19:30
Karies, Bruch, Problemfälle, interessante Erzählungen


Das soll unsere Ausgangslage sein. Ein jetzt 32 Jahre alter Mann präsentiert vor etwas mehr als 4 Jahren seinen unteren rechten 5er (Zahn 45, Spiegelaufnahme) in genau dieser Verfassung. Unschwer ist auf diesem Foto eine dunkle Verfärbung unter der Randleiste erkennbar. Das reicht normalerweise als Beweis für Karies zum Bohren aus. Allerdings gab es Unsicherheiten bei diesem Patienten dadurch, dass er sonst fast keine Füllungen hat. Daher wurde 2003 zunächst eine Röntgenaufnahme angefertigt, die dann so herauskam:

 

 Tja. Das ist eindeutig kein Grund zum Bohren.
Jetzt (2007) erfolgte eine erneute Röntgenkontrolle mit diesem Ergebnis:



Leider ist die gewünschte Stelle nicht komplett abgebildet, auf eine Wiederholung der Aufnahme habe ich trotzdem verzichtet. So kann also nicht mit letzter Sicherheit festgestellt werden, dass keine Verschlimmerung der Situation eingetreten ist. Da sich aber die Situation im Mund weder optisch noch klinisch (Kälteempfindlichkeit, Klopfempfindlichkeit, Oberflächen-Integrität, Farbe ...) gegenüber der Lage von 2003 verändert hat, ist ein Voranschreiten der Karies eher unwahrscheinlich. Die nächste Röntgenkontrolle soll 2010 stattfinden.


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Eins zu null für Amalgam, Studie aus 2007
Gesendet von : Chef Montag, 17. Dezember 2007 - 10:11
Ist Kunststoff zukunftsicher? Oder doch lieber Amalgam?
Der Originaltext lautet:
Survival and reasons for failure of amalgam versus composite posterior restorations placed in a randomized clinical trial. Bernardo M, Luis H, Martin MD, Leroux BG, Rue T, Leitão J, DeRouen TA. Community and Preventive Dentistry, Faculdade de Medicina Dentária, Universidade de Lisboa, Portugal. BACKGROUND: Failure of dental restorations is a major concern in dental practice. Replacement of failed restorations constitutes the majority of operative work. Clinicians should be aware of the longevity of, and likely reasons for the failure of, direct posterior restorations. In a long-term, randomized clinical trial, the authors compared the longevity of amalgam and composite. SUBJECTS, METHODS AND MATERIALS: The authors randomly assigned one-half of the 472 subjects, whose age ranged from 8 through 12 years, to receive amalgam restorations in posterior teeth and the other one-half to receive resin-based composite restorations. Study dentists saw subjects annually to conduct follow-up oral examinations and take bitewing radiographs. Restorations needing replacement were failures. The dentists recorded differential reasons for restoration failure. RESULTS: Subjects received a total of 1,748 restorations at baseline, which the authors followed for up to seven years. Overall, 10.1 percent of the baseline restorations failed. The survival rate of the amalgam restorations was 94.4 percent; that of composite restorations was 85.5 percent. Annual failure rates ranged from 0.16 to 2.83 percent for amalgam restorations and from 0.94 to 9.43 percent for composite restorations. Secondary caries was the main reason for failure in both materials. Risk of secondary caries was 3.5 times greater in the composite group. CONCLUSION: Amalgam restorations performed better than did composite restorations. The difference in performance was accentuated in large restorations and in those with more than three surfaces involved. CLINICAL IMPLICATIONS: Use of amalgam appears to be preferable to use of composites in multisurface restorations of large posterior teeth if longevity is the primary criterion in material selection.

Auf Deutsch:
Das Überleben und die Gründe für das Scheitern von Amalgam und Komposite Füllungen in Seitenzähnen, die in einer randomisierten klinischen Studie gelegt wurden
Bernardo M, Luis H, Martin MD, Leroux BG, Rue T, Leitão J, DeRouen TA.
Community and Preventive Dentistry, Faculdade de Medicina Dentária, Universidade de Lisboa, Portugal.

Hintergrund: Das Scheitern von zahnärztlichen Restaurationen ist ein großes Problem in der zahnärztlichen Praxis. Die Wiederholung von zerstörten Füllungen macht die Mehrheit der zahnärztlichen Arbeit aus. Klinisch Tätige sollten also die Dauerhaftigkeit und die möglichen Gründe für das Scheitern von direkt gelegten Füllungen kennen. In dieser Lanzeitstudie versuchten die Autoren die Haltbarkeit von Amalgam und Kunststoff durch eine systematische randomisierte (zufällige) Anordnung zu ermitteln.
Patienten, Methoden und Material: Die Autoren verteilten von den 472 Patienten die Hälfte per Zufall auf die beiden Materialien. Die Patienten waren zu diesem Zeitpunkt 8 bis 12 Jahre alt. Die an der Studie teilnehmenden Zahnärzte sahen die Patienten einmal pro Jahr zur Kontrolle und nahmen jeweils eine Röntgen-Bißflügel-Kontrollaufnahme (!). Alle Füllungen, die eine Erneuerung verursachten, wurden als gescheitert betrachtet. Die Zahnärzte notierten unterschiedliche Gründe für die Erneuerung.
Ergebnisse: Die Patienten erhielten am Start des Experiments 1.748 Füllungen, die dann 7 Jahre weiter verfolgt wurden. Insgesamt scheiterten 10,1% aller Füllungen. Die Überlebensrate von Amalgam war 94,4% von Komposite dagegen nur 85,5%. Die jährliche Versagensrate bei Amalgam lag zwischen 0,16 und 2,83% und die von Komposite zwischen 0,94 und 9,43% . Das Risiko einer Sekundärkaries war 3,5 mal höher in der Komposite Gruppe als in der Amalgam Gruppe.
Schlussfolgerung: Amalgam Füllungen halten besser als Komposite Füllungen. Der Unterschied betrifft besonders große Füllungen mit mehr als 3 Flächen. Es erscheint sinnvoll, da Amalgam als Material zu bevorzugen, wo die Haltbarkeit das primäre Kriterion ist.


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Amitriptylin bleibt noch eine Weile Nummero Uno
Gesendet von : Chef Samstag, 15. Dezember 2007 - 21:30
Schmerzen, die nicht von den Zähnen kommen
Ein Dozent hat während des Schmerzkongresses 2007 in Berlin diese Grafik eingeblendet. Da steht im Grunde die wissenschaftliche akzeptierte Reihenfolge der Wirksamkeit der heute zur Verfügung stehenden antineuropathischen Mittel. NNT heißt Numbers Needed to Treat und je niedriger der Wert dahinter ist, desto besser wirkt die Substanz. Am besten wäre ein Wert von 1,0. Das würde nämlich bedeuten, dass 100% aller damit behandelten Personen die volle Wirkung erfahren würden. Ein NNT von 2 bedeutet, dass 2 Personen behandelt werden müssen, damit einer die beabsichtigte Wirkung erfährt. Bei NNT 4 sind es schon 4 Personen.

Wie unschwer zu erkennen ist, liegt Amitriptylin mit deutlichem Abstand vor Gabapentin (Neurontin) und Pregabalin (Lyrica). Trozdem wird Amitriptylin kaum verschrieben. Warum ist das so?
  • Mit Amitriptylin verdient kein Pharmahersteller mehr richtiges Geld - die Substanz ist zu alt
  • Der Außendienst von Herrn Pfizer ist sehr effektiv und hat es geschafft, mindestens der Hälfte aller Mediziner zu suggerieren, dass NNTs unwichtig wären.
  • Amitriptylin hat keine spezielle Zulassung als antineuropathisches Mittel. Die Packungsbeilage "Antidepressivum" fördert leider nicht die Compliance des Patienten.
Schwarz Pharma, Monheim, Rheinland hat ein interessantes neues Anti-Epileptikum durch die ersten klinischen Tests: Lacosamid. Das Material hat offensichtlich auch ausgeprägte antineuropathische Eigenschaften, die im Tierversuch - hier an der Ratte, präsentiert als Poster auf dem Schmerzkongress 2007 - mindestens genauso stark erscheinen wie die von Amitriptylin. Auch hier taucht die schon bekannte relative Schwäche von Pregabalin auf (niedrigen Säulen sind schwache Säulen).

Nachtrag: die rührige Firma Schwarz hat auch schon das Potenzial des neuen Medikaments in Richtung Trigeminus erkannt: in Göteborg hat man systematische Verletzung am 1. Ast der Trigeminus gesetzt und dann die typischen neuropathischen Schmerzreaktionen darauf mit Lacosamid unterdrückt. Erstaunlicherweise funktioniert das bei weiblichen Tieren besser als bei männlichen.


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5 Jahre reichen unter Kunststoff für Matsche
Gesendet von : Chef Donnerstag, 13. Dezember 2007 - 15:09
Ist Kunststoff zukunftsicher? Oder doch lieber Amalgam?


So präsentiert sich der Zahn 24 des Patienten G. am heutigen Tage. Den Schmelzmantel (die helle äußere Schicht des Zahns) hat der 58 Jährige durchgekaut, weil er Knirscher ist. Einer meiner Ausbildungsassistenten hat im Jahr 2002 in diesem Zahn eine mod (mesial-occlusal-distal = im Bild von oben über Mitte nach unten) Füllung aus Kunststoff, in diesem Fall aus "Charisma" (Kulzer) mit dem Bonder "Optibond" (Kerr) gelegt. Von dieser Füllung ist noch ein kleiner Rest zu sehen, das ist das braune Material im unteren Bereich des Bildes.

Der Patient kommt mit der Mitteilung, die Füllung sei herausgefallen. Zum Glück, möchte ich ergänzen. Denn was zeigt sich unter dem herausgefallenen Bereich? Matsche, für die entsetzten Fachleser: Karies. Schauen Sie noch mal genauer hin. Wo ist die Matsche? Sie liegt nicht im Bereich des freigelegten Dentins, das der Patient durch Knirschen und Pressen stärker ausgehöhlt hat als den Schmelz. Keine Karies also im beigefarbenen leicht vertieften Gebiet direkt angrenzend an den Schmelz. Die Karies befindet sich mittendrin, da wo es braun aussieht. Das kann jetzt nur der Bohrer selber wissen: deshalb sage ich es Ihnen: an dieser Stelle - mittendrin - konnte der scharfe Löffel (Excavator genannt) etwa 1,5 mm ohne Anstrengung versenkt werden.

Warum ist das so? Genauer gefragt, warum wird das Dentin unter der Kunststoff Füllung weich, nicht aber 1 mm weiter daneben, wo es offen liegt? Schauen Sie noch mal in das Bild. Die Ränder am verbliebenen Rest der Kunststoff Füllung geben über diese Frage Auskunft. Die Füllung ist gnadenlos undicht. Das sieht man selbst auf einem fotografisch nicht besonders gelungenem Digitalfoto. Hätte ich mir hier die Mühe gemacht, und eine hochauflösende Detailaufnahme der Kunststoffränder erstellt, wäre der Schuldige sofort geklärt: der Assistent.

Aber: ist das zulässig? Können wir es den frisch von der Unität ins Berufsleben stolpernden Kandidaten verübeln, dass sie ihr frisch erworbenes "Wissen" in die Tat umsetzen? Woher sollen die Frischlinge wissen, ob man einem Knirscher Kunststoff auf einen seiner Hauptpresspunkte montieren darf? Ob Kunststoff jemals fehlertolerant wird? Warum an bestimmten Stellen Kunststoff besser nicht verwendet wird?


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Warum ein lockerer Zahn gar nichts sagt
Gesendet von : Chef Mittwoch, 12. Dezember 2007 - 17:26
Lästerliches zum Thema eugnather Biss, TMD und Gnathologie
Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Bild und wählen Sie den Befehl "Grafik anzeigen", dann zeigt Ihnen der Browser die 640x640 Auflösung dieser Collage an, in der ich das Bild erstellt habe. Sie sehen dann deutlich, dass
  • der abgebildete Wurzelrest 12 mit Goldkappe eine maximale Taschentiefe von 3,4 mm hat, und und diese Stelle distal liegt
  • die Taschentiefe gerade da, wo das Zahnfleisch am übelsten aussieht (bukkal-distal),  weniger als 3 mm beträgt
  • bakterielle Beläge in Zahnfleischhöhe überall reichlich vorhanden sind
  • der Wurzelrest eine Beweglichkeit von römisch II oder eher III hat. Schauen Sie sich dazu den Abstand zwischen der Goldkappe 12 und 11 an bei Belastung mit einer Parodontalsonde an. Der Abstand läßt sich mit weniger als 1 kg Kraft um einen lockeren Millimeter (!) ändern.
Dazu noch weitere Informationen: der Patient ist jetzt knapp 71 Jahre alt und knirscht und presst seit er Zähne hat. Die Goldkappen wurden 1998 als Verzweiflungsmaßnahme auf immer wieder abbrechende Frontzahnkronen eingesetzt und darüber eine Cover-Denture eingegliedert. Diese "Übergangslösung" hat sich laut Patient so gut bewährt, dass er keine Neuversorgung wünscht. Welche Schlüsse können aus diesen Bildern gezogen werden? Eine ganze Menge und darunter viele, die in Lehrbüchern so nicht vorgesehen sind:
  1. dicke Beläge machen nicht unbedingt Taschen
  2. hartes Knirschen verursacht keine Taschen
  3. Überbelastung einzelner Zähne bis zur Lockerung römisch III gehen nicht mit einer Taschenbildung einher
  4. Goldkappen unter CoverDenture Prothesen sind bei Knirscher/Presser Patienten das Gelbe vom Ei.


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Empfehlenswerte PC Zeitschrift
Gesendet von : Chef Dienstag, 11. Dezember 2007 - 08:21
Computer Sachen, Hard- und Software
Die Zeichen der Zeit stehen nicht mehr ganz eindeutig auf Microsoft. Testen Sie einfach mal das kostenlose Office Paket -->Open Office 2.3 im direkten Vergleich neben dem Produkt des Monopolisten und es stellt sich dann durchaus die Frage, welches Paket das bessere ist. Zumal die Freiversion alle Komponenten enthält, also "Powerpoxnt", "Acxess", ein kleines "Coxel Draw", und natürlich Exxel und Woxd sowieso. Alle genannten Anwendungen können selbstverständlich mit den Original-Datenformaten umgehen. Dann gibt es -->Notepad++, das ist endlich ein Notizbuch, das den Namen verdient, denn die von Microsoft mitgelieferte Variante wurde seit den 80er Jahren nicht weiterentwickelt. Die fleißige GNU-Entwicklergemeinde sorgt für unendlichen Nachschub im Bereich der kostenlosen Software, z.B.:
  • Alice 2.0 macht 3D Animationen
  • Cam Studio 2,5 macht Flash Videos für Schulungen von PC Anwendungen
  • Phonostar Player 2.o hat 4400 Radiosender per Internet auf Lager
Wer das alles schön sortiert jeden Monat mit einem Bildschirmfoto und kurzem Text präsentiert bekommen möchte, legt schmale 56 Euro im Jahr für diese Zeitschrift hin. Es ist nicht die Methode von www.Zahnfilm.de Schleichwerbung im Text unterzubringen. Das ist hier auch keine Schleichwerbung


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