Welches Füllungsmaterial?
Warum Kunststoff am Zahnfleischrand versagt
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- Kategorie: Welches Füllungsmaterial
- Erstellt am Montag, 24. Oktober 2011 13:26
- Geschrieben von Joachim Wagner
- Zugriffe: 1007
Vorbemerkung bevor sich mitlesende Kollegen/in erregen: Die nachfolgende Behandlungssituation entstand - wie fast alle meine Bilder - im wahren Leben. Ich wurde mit einer sagenhaften Karies unter einer alten Kunststoff Füllung konfrontiert, die jetzt und sofort bitte zu behandeln wäre, weil der Patient bereits Beschwerden spüren würde. Theoretische Überlegungen zu den Einsatzbereichen von Kunststoff und anderen Füllmaterialien sind in solchen Momenten nicht gefragt, sondern konkrete Hilfe. Die sehen Sie hier.
![]() | Bild 1 Die Reihenfolge der Bilder habe ich für meine Leser umgekehrt gewählt. Bild 1 zeigt also den letzten Zustand vor der Deckfüllung am Zahn 15. Ins Auge springt das Blut, das sich am Zahnfleischrand der Unterfüllung aus Glas Ionomer Material sammelt. |
![]() | Bild 2 So sah die Baustelle eine Minute vor Bild 1 aus: Frisch von Karies befreit, mit 3% Natriumhypochlorid desinfiziert und bereit für die Unterfüllung. Wenn Sie sich jetzt fragen, woher denn das Blut aus Bild 1 stammt, dann empfehle ich einen genauen Blick auf den Rand des Lochs (im Bild nach links unten). Dort blinkt es bereits rot. |
![]() | Bild 3 Noch eindeutiger zu sehen ist die Lage der Tiefkaries in Bild 3. Während der Entfernung der Matsche (= Karies) durch löffelförmige Handinstrumente entstand diese Aufnahme. Die Karies wühlte sich mindestens 1mm wenn nicht 2mm unter das Niveau des Zahnfleischs. |
![]() | Bild 4 In Bild 4 kann die Ausgangslage betrachtet werden, die sich ergab nach der Entfernung des lose über der Karies hängenden Kunststoffblocks. Für den Fachmenschen erschließt sich auf den ersten Blick eine saftige Zahnhalskaries im Zahnzwischenraum, bedingt durch eine undichte Kunststofffüllung an der dafür riskantesten Stelle. |
Warum Kunststoff am Zahnfleischrand versagt
Ich - Zahnarzt Joachim Wagner - würde mir mir gerne von Kollegen/in zeigen lassen, wie das Blut aus Bild 1 zu 100% unterdrückt werden kann. Denn dann, aber auch nur dann wäre Kunstoff auf nacktes Dentin geklebt, dort dicht, wo es am meisten darauf ankommt: im Zahnzwischenraum auf Zahnfleischhöhe oder noch tiefer. Im wirklichen Leben gelingt das Blut- oder Serumabdichten aber höchstens 90%ig. Und das reicht nicht. *) Wie am lebenden Beispiel hier wieder gesehen werden kann.
Glas Ionomer
braucht diese "Wasserfrei (= blutfrei) Klimmzüge" nicht. Mein Lieblingsmaterial "Ketac molar" habe ich bei diesem Patienten mit exakt der Feuchtigkeit wie im Bild 2 wiedergegeben in das Loch eingebracht. Allerdings in einer Konsistenz (Festigkeit) wie Fensterkitt, welche jedoch nur durch eine erhebliche Erhöhung des Pulver zu Flüssigkeit Verhältnisses gegenüber der Herstellerangabe bereitzustellen ist. Das Ergebnis solcher Bemühungen ist in Bild 1 dargestellt. Der neue Füllungsrand liegt so tief unter dem Zahnfleischniveau, dass er von oben nicht mehr erahnt werden kann.
Die Frage ist müßig, ob es zahnmedizinisch zulässig ist, solche nicht sichtbaren Füllungsränder noch zu behandeln. Ich als Praktiker darf dazu feststellen, dass das a) zuverlässig funktioniert, b) per Röntgenbild gut zu überwachen ist, und c) ohnehin bei so schweren Zahnschäden regelmäßig auf eine Vollkrone hinausläuft. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass die Alternative bei nicht wenigen Mitbewerbern immer noch so lautet: Ziehen.
*) Kommen Sie mir bitte nicht mit Kofferdam oder ähnlich halbgarem Material. Wie undicht das Gummi im wahren Leben ist, stellt der Praktiker spätestens dann fest, wenn eine Brücke, ein Hardcore Kontaktpunkt, oder schlicht Karies im Spiel ist.
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Kommentare
Und dann kommt noch die Frage an Sie: wieviel Prozent der praktizierenden Kollegen/innen trauen Sie eine Dichtheitsarbeit zu, die Sie hier propagieren? Mehr als 50%? Ich nicht.
Viele Grüße
komposit, auch als tiefe kavität in verbindung mit anwendergeschick, kofferdamm, modernem matritzensystem und ggf. gingivektomie ist für mich langlebiger als das bröckelige ketac, und der aufwand und die gute prognose bei trockener verarbeitung die 50 euro locker wert.
MfG Ertl
Alles bis 1-2mm über Knochenniveau bekomme ich so in der Regel zuverlässig trocken. Sollte dies, nach Lupenbrillenkontrolle, doch nicht gelingen, kommt halt spontan Ketac rein und später ein Inlay/Krone aus Metall. Mit diesem Konzept kann ich ruhig schlafen.
Hier funktioniert GIZ, Amalgam oder eine Überkronung zuverlässig.
Ich würde bei dem großen Defekt auch zu Letzterem raten, alleine schon aus ästhetischer Sicht. Bei einem oberen Prämolaren ist die Toleranz bzw Akzeptanz für farblich nicht passende Füllungen abzuwägen, auch wenn es sich hier um eine od-Kavität handelt, so würde ich die "Rest-Füllung" bestenfalls kurzfristig belassen und den kompletten Zahn neu versorgen.
LG,
Markus
Hat jeder ZA Glasionomerzement in seinem Sortiment ?
Kann man hier auch Amalgam verabeiten, wenn kein GIZ da ist ?
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