Osteopathen und Schamanen

Lesen Sie auch die Artikel Experten und Zocker – unsere Privatzahnärzte und „Instrumentelle Funktionsanalyse“ mit zu vielen Fragezeichenaus der Rubrik  Biss, Knirschen und ‚Funktion‘

 

… haben auf jeden Fall etwas gemeinsam: man muß auch an sie glauben. Nun steht beim Schamanen direkt auf der Stirn geschrieben „Glaube erforderlich“, was immerhin eine korrekte Basis für die Erwartungen und Träume darstellt. Der Osteopath dagegen hat den weißen Kittel der Mediziner an und schreibt auch Rechnungen nach der ärztlichen Gebührenordnung, das ist das Problem. Anlass dieses Artikels ist folgender Dreizeiler im Forum für Alternativmedizin:

 

Osteopathie bei Magenschleimhautentzündungen und Reflux

Hallo! Ich würde gern wissen, ob jemand bereits Erfahrungen mit Osteopathie bei Magenentzündungen, Reflux und solchen Dingen gemacht hat. Ich habe gehört, dass das helfen soll.
Mein Freund hat seit Jahren große Probleme und Schmerzen in diesem Bereich. Der Arzt vertröstet ihn immer wieder mit Tabletten, die jedoch nichts helfen. Kann mir jemand sagen, ob Osteopathie in diesem Fall hilft ?? Danke!!!

Koller-Mayer
01.04.08 19:37

Hallo,

ich habe selbst starke Beschwerden, verursacht durch Reflux. Nach dreimaliger Behandlung neim Osteopathen war eine starke Verbesserung bei mir festzustellen. Ich kann es also nur empfehlen!

Diedfried

 


Ein scheinbar wachsender Anteil von zahnmedizinischen Kollegen/innen glaubt offensichtlich, auch mit zweifelhaften Therapieangeboten, wie der Osteopathie, der Konkurrenz Marktanteile abjagen zu müssen. Es reicht nicht mehr, Kinderbehandlung und CEREC auf das Praxisschild zu schreiben, nein es muss auch Esoterik her und Homöopathie und Craniosackral- und Osteodingsbums.

Und wieder fällt der Spitta Verlag mit einem Lowlight auf:  für den Zahnarzt hält er eine Patienten(des)information parat namens „Osteopathie_Patienteninformation _Funktionsdiagnostik_spitta.pdf“ in dem unter anderem die Osteopathie angepriesen wird (Nebenbei: die Strategen bei Spitta sehen das schon ganz richtig. Wer in Osteopathie macht, ist auch bei Funktionsdiagnostik dabei. Mir wäre eine solche Querverbindung mindestens unangenehm). Gut sein soll die Osteopathie für:

• Bandscheibenvorfall
• »Hexenschuss«
• Folgen von Unfallverletzungen
• Kiefergelenksprobleme
• Migräne
• Tinnitus (Ohrgeräusche)
• Schleudertrauma
• Verdauungsprobleme
• Inkontinenz
• chronische Blasenentzündung
• prämenstruelle Beschwerden

Das ist ja irgendwie alles ähnlich und liegt auch praktisch alles im Einzugsbereich der Zahnmedizin Cool – Glaube hilft, sage ich. Was spricht auch dagegen, eine neurologische Erkrankung wie Tinnitus (kürzlich nachgewiesener Ort des Problems: Großhirn) mit Handauflegung und leichtem Massieren von Halshaut in der Zahnarztpraxis zu „behandeln“. Wenig, denn richtig schaden tut es sicher nicht. Dass der Patient sich in der gleichen Zeit mit dem gleichem Ergebnis auch einfach nur mit dem Behandler hätte unterhalten können, wer will das wissen?

Der Patient möchte geheilt werden und ist dafür bereit, an unplausible Erklärungen zu glauben und bar zu zahlen. Die liquiden Finanzmittel ist der Osteopath seinerseits bereit, entgegen zu nehmen, und dafür in die Rolle des Heilers zu schlüpfen, der alles weiß und auch kann. Ein perfekter Zustand also. Dazu kommt der Erfolg in Form 50% Placebo Effekt in den ersten 6 Wochen. Das liegt daran, dass alle im „Patienten(des)informationsblatt“ aufgeführten Erkrankungen einen hohen Anteil an neurologischen – neuropathischen – psychiatrischen Komponenten hat. Fragen Sie dazu Depressionsforscher. Die haben große Schwierigkeiten, beispielsweise eine Medikamentenwirkung von der reinen Placebowirkung zu unterscheiden – in den ersten 6 Wochen.

Und so ist es dann auch: über Anfangserfolge wird gerne und viel berichtet und dann verließen sie ihn. Tipp: Lassen Sie sich von Ihrem Osteopathen die geheilten Fälle zeigen. 

Read More …