Bei größeren Eingriffen besser auch Sedierung

Es gibt Substanzen, die die Signalleitungen vom Schmerzsensor in der Haut oder des Weichgewebes zum Großhirn lahm legen. Das sind die Lokalanästhetika: Betäubung am Ort des Geschehens. Sieht man von Lachgas (praktisch nur in den USA) ab, werden mindestens 95% aller Betäubungen in der Zahnmedizin mit den Mitteln wie Articain, Lidocain, Scandicain … in der Spritze durchgeführt.
Dann gibt es ganz andere Substanzen, die eine zentrale Trübung des Bewußtseins im Großhirn verursachen. Dazu zählen moderne Vollnarkosemittel wie Propofol, Ketamin und ältere wie Äther und Lachgas.

Irgendwo dazwischen liegt der Bereich der Benzodiazepine, insbesondere der von Midazolam. Die Benzodiazepine, im Jargon „Benzos“ genannt, wirken über eine Verstärkung des körpereigenen Hirn-Botenstoffes GABA (y-Aminobuttersäure). Midazolam hat die Eigenschaft die Angst im Kopf und die Verspannung der Muskulatur herabzusetzen. In der Notfallmedizin wird es gerne als Schlafmittel zur Einleitung einer Vollnarkose verwendet.

Die Mund- Kiefer und Gesichtschirurgie von Litauen hat jetzt für große Implantat Eingriffe folgende Rezeptur getestet: Zur Sedierung (Beruhigung) des Patienten wird Midazolam verwendet. Dazu kommt Ketorolac. Das ist ein Schmerzmittel, das ein ähnliches Wirkprofil wie Aspirin, Paracetamol, Ibuprofen …. hat. Und schließlich werden die Patienten ganz normal auch lokalanästethisch mit Articain plus Epinephrin lokal betäubt.

Vergleicht man nun die Ergebnisse aus 2 Gruppen, nämlich die der komplett mit 4 Substanzen versorgten Gruppen mit denen der „normal“ nur mit Lokalanästhesie betäubten Patientengruppe, dann zeigt sich, dass die 4-fach Gruppe bei langen Implantatsitzungen keine übermäßige Strapazierung und keine Schmerzen erlebte. Das steht im Gegensatz zur „normal“ behandelten Gruppe, bei denen nicht nur der Puls und der Blutdruck höher, sondern bei denen auch die Hälfte Schmerzen erlebte. Ein nicht uninteressanter Nebenbefund: 80% der 4-fach Gruppe hatte eine anterograde Amnesie, das bedeutet, dass sie sich an den Eingriff nicht richtig und vollständig erinnern können.

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