CHKM auch in der Parodontologie

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In der Zahnmedizin sieht die Weltkarte heute etwa so aus, wie die der Medici (venizianische Herrscher) im Jahr 1499 der bis dahin entdeckten Welt. Von Afrika und Amerika existierte immerhin schon ein Umriss, aber keine Details, ganz zu schweigen von bis dahin unentdeckten Kontinenten (Australien, Antarktis, Arktis).

Wo liegen die unentdeckten Länder und Kontinente in der Zahnmedizin?

a) Mikrobiologie. Wir wissen mehr oder weniger nichts über Viren und ihre Verbreitung / Vermehrung im Wurzelkanal und im Periapex (um die Wurzelspitze herum). Dazu haben wir auch keine Ahnung, was eine Dauerinfektion des Trigeminus Nervs mit Herpes Simplex Viren, der ca. 90% aller Menschen in Deutschland erreicht, letztlich anrichtet.

b)  Füllungstherapie. Bis heute gibt es – und das können Sie jetzt glauben oder nicht – KEINE Grundlagenforschung, die eindeutig beweist, dass Bohren und Füllen einer konsequenten Antikaries Diätbehandlung, bestehend aus gezielter Fluorid (evt. auch Xylit Zufuhr) und Vermeidung von zuckerhaltigen Getränken, überlegen wäre. Im Gegenteil, Einzeluntersuchungen deuten auf das genaue Gegenteil hin und zwar besonders langfristig.

c) Prothetik. Das unter b) Gesagte gilt analog auch für den Zahnersatz. Weder am Tier noch am Mensch wurden über Langzeitversuche (damit sind 10 Jahre aufwärts gemeint) gezeigt, dass ein Zahnersatz zwangsläufig den Mund verbessert. 

Nun zum Gegenstand des Artikel, der Parodontitis, also dem bakteriell verursacht / angestoßenen Abbau der Zahnbefestigung im Knochen. Die derzeitig vorherrschende Lehrmeinung bei der Behandlung der Parodontitis setzt vorwiegend auf die mechanische Bearbeitung der Wurzeloberflächen mit Hilfe von scharfen Handfeilen, stumpfen Ultraschallfeilen und Polierinstrumenten. Den Mikrolebewesen soll durch die Glättung und Säuberung der Wurzel das Leben erschwert werden.

 

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Bild 1

Frau D. (55) erhielt vor 4 Jahren eine sogenannte systematische Parodontitis Behandlung "auf Kasse". Frau D. kann oder will die Entfernung ihrer bakteriellen Beläge zwischen den Zähne nicht wirklich effizient durchführen, und meine Bemühungen, sie öfter zur professionellen Zahnreinigung hier zu sehen, stoßen ebenfalls auf taube Ohren. So liegen die Begleitumstände zum Befund einer mittelprächtigen Erwachsenen Parodontitis mit Taschen um die 4 mm Tiefe und einer Einzeltasche am Zahn 12 mesial-palatinal (= vorne + zum Gaumen) von 9 mm, was das Aus des Zahns innerhalb von geschätzten 5 Jahren bedeutet.  

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 Bild 2

Die Patientin hat eigentlich keine Schmerzen, am meisten stört sie, dass der Zahn locker wird. Bei leichtem Druck auf den Gaumen tritt  Eiter aus der Tasche aus. Und in dieser Situation entscheide ich mich, entgegen der herrschenden Lehrmeinung, statt der üblichen Reinigung der Wurzeloberfläche mit Ultraschallspitze, zum reinen Chemieeinsatz. 

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 Bild 3

Dafür verwende ich Einweg Mikrofaser Stäbchen aus Kunststoff, die eigentlich für die Verteilung von Bonder bei Kunststoff Füllungen vorgesehen sind. Deren kleinste Größe paßt bequem durch die Taschenöffnung und erreicht auch leicht zwei Drittel der Tiefe.  Getränkt mit CHKM eignet sich dieses Instrument ideal, um den flüssigen Bakterienkiller in das Tascheninnere hinein zu transportieren.

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 Bild 4

ChKM steht für Chlorphenol Kampher Menthol Lösung und besteht aus: 71 % Kampfer, 27 % 4-Chlorphenol, 1,6 % Menthol. Eine der wichtigsten Eigenschaften dieses Gemisches ist es, durch feinste Kapillarräume durchzukriechen. U.a. gibt es wissenschaftliche Studien, die zeigen können, das ChKM es schafft, in weniger als 24 Stunden vom Zahninneren auf der Wurzeloberfläche zu erscheinen. Damit und der leicht gewebetoxischen (gewebeschädigend) Eigenschaft begründen die Gegner des Materials übrigens auch ihre Ablehnung von ChKM als Desinfektionsmittel in der Endodontologie.

 

Ergebnis

7 Tage nach der einmaligen Pinselung der 9 mm tiefen Tasche am Zahn 12 sehe ich Frau D. (55) noch einmal zur Kontrolle. An diesem Tag wird auch das Bild Nummer 1 aufgenommen. Die neue Taschenmessung ergibt einen Tiefstwert von 6 mm. Beim 2. Einbringen von ChKM entleert sich kein Eiter mehr und die Tasche sieht bedeutend besser und weniger entzündet aus als beim ersten Termin. Für die Nichtfachleute: die Taschentiefe schrumpft um 3 mm dadurch, dass das entzündete Zahnfleisch abschwillt und sich eine sichtbare Lücke zum Nachbarzahn auftut. Das wird in Bild 1 sichtbar. Natürlich wäre ein "Hochwachsen" des Bodens der Tasche wesentlich besser für den Zahn. Leider geschieht das nur selten.

 Diskussion

Die Diagnose hier lautet: akute Taschenentzündung auf bakterieller Basis. Die Therapieentscheidung fällt zur Abwechslung nicht auf eine Lehrbuch Standardlösung, sondern auf ein Desinfektionsmittel aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts. Das Ergebnis erweist sich als durchschlagend. Daraus ergibt sich die Frage: kann es sein, dass auch in der Parodontologie zu wenig Grundlagenforschung getrieben wird? Mein kleines Beispiel hier legt nahe, klinische Studien zu entwerfen, die etwa so aussehen könnten: 

Gruppe A erhält die Behandlung laut aktuellem Lehrbuch, also Wurzelglättung in Anästhesie, und alle 3 Monate eine professionelle Zahnreinigung

Gruppe B erhält in alle Taschen über 4 mm ChKM einmal in 3 Monaten.

Die Ergebniserfassung findet nach 2, 4 und 8 Jahren statt.

One Reply to “CHKM auch in der Parodontologie”

  1. Grober Vorkonkakt
    Ich bin kein Zahnarzt, Ich schlage vor: Distopalatinal einschleifen, und dieses Zähnchen haelt ewig,

    Isolierte erhoehte Taschentiefen duerften wohl immer grobe Vorkontakte sein, Dr. Ruediger Osswald spricht sich in dieser Richtung aus (www.tarzahn.de).

    MfG

    Guenter Dietz

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