Erwachsenenkaries findet im Zahnzwischenraum statt

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Lesen Sie auch die Artikel Zu tief für Kofferdam  und Da darf Kunststoff einfach nicht hin  und  Cerec im Knirschermund aus der Rubrik Karies praktisch und theoretisch  

 

img_1310a.jpg Bild 1 Für Nichtgeübte ist es nicht so leicht zu erkennen: der kleine Schneidezahn (= 2er) trägt Richtung großem Schneidezahn (= 1er) eine Kunststoff Füllung, welche aus meiner Hand stammt und im Jahr 2001 mit dem Material Charisma (Kulzer) und Clearfil Bond (Kuraray) angefertigt wurde.

 

  img_1310-1.jpg Bild 2 Die Vergrößerung um den Faktor 3 läßt erahnen, dass a) der Kleber zwischen  Schmelz und Kunststoff (= die feine gelbe Linie) gealtert und verfärbt sein muss, aber b) das Hauptproblem dieser Füllung ganz sicher am Zahnfleischrand liegt. 

 

 

img_1310-3.jpg Bild 3 In der höchstauflösenden Wiedergabe des Fotos kann eindeutige Karies, also Erweichung des Zahnmaterials durch die Dauereinwirkung von Säuren aus der Zuckervergärung der dort lebenden Bakterien nachgewiesen werden. Und zwar sowohl am Zahn 12 (der 2-er), als auch am Zahn 11 (der 1-er) . Die Bakterienkolonien lassen sich gut auf dem Zahnhals des 1-ers als weißliche halbkugelförmige Gebilde erkennen. Nicht so leicht erkennbar ist dagegen die so genannte Schmelz/Zement Grenze, welche den Kronenbereich jedes Zahns von seinem Wurzelbereich trennt. Für die Vorgänge hier ist von großer Bedeutung, dass a) die Schmelz/Zement Grenze am Zahn 12 im Zahnzwischenraum genau da verläuft, wo die Kunststofffüllung endet und b) der darüber befindliche Wurzelzement wesentlich kariesanfälliger ist als der Schmelz. Darin liegt einer der Gründe, warum Karies im Erwachsenengebiss hauptsächlich zwischen den Zähnen auftritt.

 

Bedeutung für die Patienten

Viele zu viele Hochglanz Fotoserien der Kunststoff Hersteller, in denen uns Zahnärzten irgendein Kollege „demonstriert“, wie eine Kauflächen Füllung aus Amalgam raus- und mit Kunststoff wieder reingebohrt werden sollte, erwecken selbst in Fachkreisen den Eindruck, dass das tägliche Brot der Zahnmediziner im Austausch von Ersatzzahnstückchen auf okkusalen (= Kaufläche) oder mit okklusalen in Verbindung stehenden Flächen bestünde. Das ist aber UNSINN. Mindestens 75%, wahrscheinlich aber eher mehr der Neukaries im Erwachsenengebiss entsteht ausschließlich im Zahnzwischenraum.

Jetzt stellt sich die Frage, warum die öffentliche Wahrnehmung dieser Tatsache so völlig an der Realität vorbeigeht? Das hat meiner Meinung nach einige Gründe:

  1. a) Interdentalkaries ist nicht sexy, weil man damit keine Cerec Sitzungen für 500 Euro veranstalten kann
  2. b) für die Behandlung von Interdentalkaries reicht in der Regel: Neuinstruktion des Patienten, oder Glas Ionomer Zement. Ersteres wird nicht bezahlt und das Zweite in Deutschland nicht gelehrt.

Gibt es dazu Fragen?

One Reply to “Erwachsenenkaries findet im Zahnzwischenraum statt”

  1. RE: Erwachsenenkaries findet im Zahnzwischenraum statt
    Eine frage gibt es:
    Was ist von Zahnärzten zu halten, die die (Interdental)Karies zwar behandeln, aber dieses ohne auch nur ein Wort zum Patienten zu sagen (wie sich das denn für die Zukunft abstellen lässt z.B.) ?

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