Eigentlich ist die Diagnose ganz einfach

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Die Pat. hat Schmerzen rechts oben unter dem Auge, also genau in der Gegend, die im Röntgenbild dargestellt ist. Mein tüchtiger Assistenz-Zahnarzt diagnostiziert eine kleine Entzündung an der Wurzelspitze des 13 – wobei er auch gesehen hat, dass die Wurzelfüllung einen sehr ordentlichen Eindruck macht. Diese Diagnose ist die Grundlage die Patientin zwecks WSR an einen Kieferchirurgen zu überweisen.

Der Chirurg erstellt zusätzlich zu dem mitgegebenen Röntgenbild – wie immer – eine zusätzliche OPG-Aufnahme, aus der offenbar nichts Neues hervorgeht. Die WSR wird auftragsgemäß durchgeführt und die Nachbehandlung wieder an uns zurückgegeben. Die Pat. wird 4 Wochen nach der WSR wieder vorstellig und hat die gleichen Schmerzen wie zuvor. Großartig.

Der Griff zur Parodontalsonde ermittelt dann endlich die richtige Diagnose: Längsriss der Wurzel. Ein eingeführter Guttaperchastift verdeutlicht die Riesentasche zum Gaumen hin. Schaut man sich im Rückblick noch einmal das kleine Röntgenbild genauer an, dann ist auch darauf gut zu sehen, dass der Parodontalspalt distal und mesial der Wurzel nicht gleich breit ist.
 

Und so sieht der nicht mehr zu rettende Brückenpfeiler an der frischen Luft aus:

Fazit: Hier kamen 2 Irrtümer zum Tragen. Der Assistenz-Zahnarzt kennt den Guttapercha Trick noch nicht und der Kieferchirurg schaltet das Denken bei Auftragsarbeiten ab. Und warum ist der Längsriss überhaupt passiert? Das werden jetzt die Endodonten nicht gerne hören: die laterale Kondensation ist vermutlich schuld. Guttapercha expandiert im feuchten Milieu. Und wenn das Material dann noch seitlich zusammengepresst wird, sprengt es den Zahn.

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