Fauler Zahn von Zahnarzt nicht entdeckt

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Ein ganz aufgeweckter Zeitgenosse schreibt in einem Laienforum für Zahnmedizin folgendes: 

 Zitat

Fauler Zahn unter Zahnbrücke von 5 Zahnärzten nicht entdeckt 

01.08.09  Hallo zusammen  Seit 8 Jahren habe ich Ärger mit der Oberflächlichkeit mit den Zahnärzten. :-/ Meine Kronen und Brücken halten nicht länger wie 5-7 Jahre. Ich Pflege meine Zähne mit allen erdenklichen Mitteln.Habe schon viel Geld bei den Göttern in weiß bezahlt. Die Brücken und Kronen sind einfach am Zahnhals nicht dicht. Das ist ja noch nicht das schlimmste.Ich gehe zur Kontrolle und alles ist in Ordnung, alle halbe Jahre.   Das letzte mal war ich vor 2 Monaten.Jetzt habe ich zum 4 mal innerhalb von 6 Jahren einen abgefaulten Zahn entdeckt. Ich habe eigene Instrumente und eine Sonde, die ich mir selbst gebogen habe,wo ich zwischen den Zähnen unter die Krone komme,falls da Karies ist. So eine Sonde hat kein Zahnarzt!! (Vielleicht sollte ich ein Patent anmelden)   Ein Zahnarzt wird mit seiner normalen Ausrüstung nie an diese Stelle hinkommen.   Es klingt für einige vielleicht arrogant, ist es aber nicht. Ich muss den Zahnarzt sagen, das da Karies unter der Krone ist, weil keiner der 5 Zahnärzte(war sogar ein Gutachter dabei) ,die ich bis jetzt aufgesucht habe, nicht in der Lage waren,den Karies zu finden. 🙁 Wollen die nicht oder können die nicht? Sind die nur an Geld interessiert und nicht an der Gesundheit des Menschen? Bin ich denen einen Schritt voraus? Habe das Problem auch mit meiner Krankenkasse besprochen.   Ich bin technisch sehr begabt und repariere alles, von Waschmaschine ,Auto, Computer bis zu Uhr.   Das mit den Zähnen ist wie Feinmechanik und man muss sehr genau hinschauen und arbeiten. Ein Zahnarzt der ohne Sehhilfe(Vergrößerung) arbeitet, kann niemals alle Details sehen Können.   Würden Sie Ihre teuere Uhr zu Uhrmacher bringen ,der ohne Lupe arbeitet? Die Uhr würde nicht lange funktionieren.   Ich würde gern einige Zahnärzte mit versteckter Kamera testen. Ich schätze4 von 5 Zahnärzten finden nichts, alle würden ein Röntgenbild machen,doch hinter den Metall sieht man nichts.   Würde mich freuen über Eure Meinung. 🙂 🙂 Vielleicht hat jemand einpaar gute Tipps für mich. :)D   momo1306 

Zitat Ende

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 Bild 1

Ein eigener Fall illustriert die Geschichte des Artikelschreibers. Patientin D. (37) erschien mit unklarer Schmerzsymptomatik auf der rechten Seite, für ihr Gefühl rechts unten hinten. Nur 3 Monate zuvor hatte ich bei ihr eine zahnärztliche Untersuchung vorgenommen – und keine akute Karies festgestellt.

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 Bild 2

Das Abtasten aller Zahnzwischenräume mit einer Hakensonde fördert relativ schnell die Existenz eines großen Hohlraums (= Karies = Matsche) unter einer zahnfarbenen Füllung im Zahn 14 (kleiner Backenzahn oben rechts) zu Tage. 

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 Bild 3

So präsentiert sich der gleiche Zahn 14 von der Kaufläche her. Das anscheinend intakte Aussehen der Kunststoff Füllung verleitete mich vor 3 Monaten, keine Kontrolle der Füllung am Zahnfleischrand durchzuführen. Übrigens handelt es sich hier um eine am 4. Oktober 2004 von meinem Assisten gelegte Füllung aus "Charisma" (Kulzer) mit den Bondsystem "Optibond" (Kerr).

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 Bild 4

Nach dem Rausbohren der Kunststoff Füllung zeigt sich das ganze Elend: die Karies hat sich fast bis zum Zahnnerv vorgearbeitet und der Rand des Lochs liegt erheblich unter dem Zahnfleischniveau. Wie nicht anders zu erwarten, ging die Karies genau vom dem Füllungsrand der Kunststoff Füllung aus, der immer der kritische ist: der am Zahnfleischrand.

 

Moral der Geschichte

Für einen Zahnarzt ist es ausgesprochen waghalsig, auf den gezielten Einsatz der Hakensonde zu verzichten. Karies unter Füllungen, in den Zahnzwischenräumen und unter Kronen lassen sich praktisch nur damit ertasten und häufig genug auf andere Weise nicht erkennen. Auch nicht durch lückenloses Röntgen.

Warum

lese ich dann als Fachmensch in der mir jeden Tag ungefragt eingeworfenen "Fachpresse" vom Schlag "Dentalspiegel", "Zahnärzte Wirtschaftswoche" etc. nicht ein Sterbenswort über die Wichtigkeit der Form der Spitze von zahnärztlichen Sonden? Oder – was von ähnlicher Bedeutung ist – des Tests der Aufbißempfindlichkeit bei unklaren Schmerzen mit Hilfe von konfektionierten Weichholzstäbchen?

Die gegenwärtigen Fachjournale übertreffen sich in praktisch jeder Ausgabe mit Lobpreisungen von Implantaten und den damit verbundenen Verrichtungen, am liebsten in einer Abfolge von mehreren Reportagen über das Thema in der gleichen Ausgabe, so dass ich es schon lange nicht mehr lesen mag. Dem angehenden Profi-Implanteur werden dabei – wer hätte es gedacht –  allerlei Geräte angedient, so z.B. den digitalen Volumentomograf (DVT) im Wert von 100 Tausend Euro, und diverse Kleingeräte (Ultraschallknochensäge für 10 Tausend, Planungssoftware für …) Kurz gesagt, wir reden vom Geschäft, richtigem Geschäft.

Bei Zahnsondenspitzen reden wir über eine "Investition" von drei Euro, die aber über 10 Jahre abzuschreiben ist. Also kein Geschäft. Auch da liegt ein Grund für die Nichtbeachtung wichtiger Dinge in der Zahnarztpraxis.

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