3 Zähne gezogen, Schmerzen geblieben

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Bild 1

Frau K. wurde dieses Jahr 70 Jahre alt. Zur Brücke links oben erzählt sie diese Geschichte: Vor etwa 20 Jahren befand sie sich noch in der zahnärtzlichen Behandlung ihres Cousins, meinem lange aus dem Arbeitsleben ausgeschiedenen Kollegen Berger hier in der Nähe. Eines Tages begann aus heiterem Himmel ein Zahnschmerz, den sie um den Zahn 25/26 herum fühlte.

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 Bild 2

Weil der Schmerz hartnäckig anhielt und durch Schmerzmittel nicht zu unterdrücken war, entschloß sich der Behandler damals, die Zähne 24,25,26 (also 3 Stück hintereinander) in einer Sitzung zu entfernen. Die Patientin ließ im Vertrauen auf die Erfahrung des langgedienten Kollegen ihn gewähren.

 

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 Bild 3

Als aber auch 3 Wochen nach der Extraktion und mehrfachen Revision der Wunden keine Besserung der Beschwerden in Sicht war, mußten sich Behandler und Patient eingestehen, dass die Zähne offenbar nicht schuldig an den Schmerzen gewesen sein konnten. Erst Monate später legte sich der Spuk von alleine – so wie er gekommen war.

 

Betrachtung aus der Rückschau

Für ihre 70 Jahre besitzt Frau K. bemerkenswert viele eigene Zähne, die darüber hinaus auch mehrheitlich viel originale Hartsubstanz aufweisen. Das gilt nur nicht für den Bereich OK Front und den Ersatz für die gezogenen Zähne. Dort hat der Zahnarzt für reichlich Schwund am eigenen Zahn gesorgt. Mit welcher Einstellung die älteren Kollegen früher vorgingen, wird schon daran deutlich, dass der Behandler, Kollege Berger, 3  Zähne in einer einzigen Behandlungssitzung opfert, auf die geringe Hoffnung hin, die Schmerzen damit zu beseitigen. 

Denn nicht nur die Patientin behauptet, dass die gezogenen Zähne alle gesund waren. Ich denke das auch. 

Nebenbei: Mit 23 Jahren Berufserfahrung kann ich ruhig zusehen, wie die Goldbrücke von 23 auf 27 jedes Jahr älter wird, abgenutzter aussieht und für einen frisch beginnenden Zahnmediziner „auf jeden Fall zu erneuern“ wäre. Ich bin sehr froh, dass die Patientin links oben keine unklaren Gesichtsschmerzen mehr hat, und provoziere diese Gegend  mit einer erneuten zahnärztlichen Behandlung erst dann wieder, wenn entweder a) die Patientin über ihr Aussehen unglücklich wird, oder b) ein massives Kariesproblem an den Kronenrändern auftaucht. Das ist aber für die nächsten 5 Jahre nicht in Sicht.

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