Wachkoma – die dunkle Seite der Intensivmedizin

Bewerte diesen Beitrag

Lesen Sie auch die Artikel Unfreiwillige Barfuss Zahnmedizin  und  Geriatrische Zahnheilkunde – teilweise terra incognita

 

Ein örtliches Pflegezentrum für Wachkomapatienten bittet mich einmal im Monat, in einige der Münder ihrer Pflegefällen zu schauen. Meistens geht es um die Beurteilung einer potenziellen Schmerzquelle wie einen Zahn mit Loch, eine Dentitio diffizilis am Weisheitszahn oder chronische Bissverletzungen der Unterlippe. Dabei ist in der Regel die Entscheidung zu treffen, ob der Zustand eine Einweisung zur stationären Behandlung in ITN rechtfertigt, oder keine Behandlung zu verantworten ist. Die Kooperation dieser bedauernswerten Schicksalsfälle ist erstaunlicherweise nicht komplett null, reicht aber eben nicht für eine konservierend/chirurgische Behandlung.

Heute war eine 15 Jährige und ein 32 Jahre alter Patient zu begutachten. Die jugendliche Patientin liegt seit 7 Jahren im Koma, der männliche Patient seit 3 Jahren. Im ersten Fall war es ein Schulunfall im Schwimmbad, bei der die Reanimation für die Großhirnrinde zu spät kam, und im anderen Fall eine verschleppte Lungenentzündung, die den jungen Mann in der Küche seiner Mutter zusammenbrechen ließ und durch den Ausfall der Vitalfunktionen bis zum Eintreffen der Rettungskräfte unwiederbringliche Schäden im ZNS anrichtete.

Die Pflegeeinrichtung hat zur Zeit 21 Wachkomapatienten. Die Tendenz geht zur Zunahme dieser Fälle, meinte eine Fachpflegefrau. Durch die Fortschritte der Intensiv- und Rettungsmedizin würden eben auch die Fälle überleben, die es in vergangenen Jahrzehnten nicht mehr geschafft haben würden. Das Dilemma ist nicht auflösbar.

Kommentar verfassen