Zu bizarr um sich das auszudenken

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Derzeit – im Januar 2010 – interviewe ich Bewerberinnen um eine Vollzeitstelle als ZFA (Zahnmedizinische Fachangestellte, das sind die gleichen, die früher Zahnarzthelferinnen genannt wurden). Heute erzählt mir Frau W. (39) aus Köln folgende Geschichte:

 

ZahnarztSie bewarb sich 2009 in einer 5 Behandler Gemeinschaftspraxis irgendwo in der Domstadt. Einer der dort wirkenden Behandler (= Zahnärzte) suchte schon länger nach Personal. Man vereinbarte ein Probearbeitszeit von 3 Tagen. Frau W. erschien vereinbarungsgemäß am Montag morgen um 9:30 und wurde vom prospektiven Arbeitgeber informiert, dass sie in der Arbeitszeit sich ausschließlich im Behandlungsraum aufzuhalten habe und insbesondere keine Speisen zu verzehren hätte. Die offizielle Arbeitszeit sollte bis 19:00 – ohne Pause – dauern. Tatsächlich durfte unsere wackere Bewerberin den Laden erst um 23:20 verlassen. Das Spielchen wiederholte sich am Dienstag, nur mit dem Unterschied, dass die – unbezahlten – Überstunden diesmal bis 23:45 dauerten.

 Völlig aufgedreht von solchen Arbeitsbedingungen schlief Frau W. nach eigenem Bekunden in dieser Nacht erst mit großer Verspätung ein, um 3 Stunden später den Wecker wieder klingeln zu hören, der sie rechtzeitig für die am Mittwoch angesetzte Sprechstunde mit Beginn um 6:30 (halb sieben morgens) wecken sollte. Tatsächlich erschien sie pünktlich um 6:30 wieder in der Praxis. Gegen mittag des Mittwochs stellten sich aber bei ihr so erhebliche Hungergefühle ein, dass Frau W. – verbotenerweise – zu einer mitgebrachten Flasche Kakao griff. Der Chef ahndete diese Übertretung seiner Anordnungen sofort mit einer hochoffiziellen Abmahnung, was Frau W. dann endlich die Augen öffnete und sie zum sofortigen Abbruch aller weiteren Bemühungen brachte. 

Anschließend erfuhr sie vom Lehrling, dass sich solche Dramen mit Probearbeiten und anschließender Flucht ins Weite nun mit ihr zum 8. Mal wiederholt haben, sie als Auszubildende selber von ihrem Chef seit Monaten schon nicht mehr regelmäßig in die Schule gelassen würde, weil kein Personal da sei und zu allem Überfluß der Behandler ganz offensichtlich auch in der Gemeinschaftspraxis völlig isoliert sei: keiner der 4 anderen Zahnärzte wechsele mit ihm überhaupt nur noch ein Wort. Und umgekehrt: er, der Chef, halte die anderen für Pfuscher und Schlimmeres.

 

Aus hundert Meter Abstand

wird deutlich, dass hier eine Person in dem Stück dermaßen aus dem Ruder läuft, dass es absehbar ist, wann zum menschlichen auch der geschäftliche Untergang eintreten wird. Es riecht meilenweit nach einer ernsten Persönlichkeitsstörung des involvierten Zahnmediziners, der offensichtlich nichts mehr merkt. Nicht merkt, dass er systematisch seine Mitarbeiter vertreibt, dazu völlig schwachsinnige Forderungen an sie stellt (nicht essen z.B.), anscheinend auch sein Privatleben (Dienstag abend bis 24 Uhr, Mittwoch ab 6:30) komplett aufgegeben hat und sich auch von – in seinen Augen – gleichwertigen Kollegen überhaupt nichts mehr sagen lassen will, obwohl er mit ihnen einen Gemeinschaftspraxis betreibt.

Und deswegen denke ich, dass es keinen Diplom Psychiater braucht, um vorauszusagen, wo das enden wird: sobald sich unser Bohrmeister Essverbieter in die kleinsten Zahlungsschwierigkeiten hineinmanövriert hat, werden die 4 anderen Praxisinhaber alle Hebel in Bewegung setzen, ihn aus der Praxis hinauszubefördern. Mit allen Konsequenzen bis hin zur künftigen Bleibe unter der Brücke. Da haben wir es wieder: auch der Zahnmediziner ist nur ein Mensch.

 

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