Biss spezial 10 und ein Kunststoff Opfer

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biss spezial 10#

Bild 1

Bevor ich die Fotoreihe „Biss der Woche“ begonnen hatte, war mir gar nicht klar, wieviele meiner Patienten krumme Bisse haben. Jetzt, nachdem ich stärker darauf achte, fallen in der Woche nicht ein, nicht zwei auch nicht 4 solcher Ereignisse an, sondern bedeutend mehr. Ganz grob geschätzt, verfügen mindestens 10% der Kunden über nicht eugnathe Verzahnungen.

Biss spezial 10

Bild 2

Frau S. (35) gehört ebenfalls dazu. Was für viele Leser wahrscheinlich unverständlich ist: Frau S. befand sich vom 9. bis 13. Lebensjahr in kieferorthopädischer Behandlung. Was wieder einmal zeigt, dass die KFO Behandlung a) keine Wunder vollbringen kann, und b) ihre Behandler auch nicht immer Geduldsengel sind. Jedenfalls erfüllt der Biss in den Augen der KFOten nach wie vor die Kategorie: Behandlungsbedürftig, weil der Unterkiefer zu weit vorne steht und zu breit ist.

Biss spezial 10

Bild 3

Der KFO Behandler hat aber Glück: Frau S. ist zurückhaltend, schüchtern und zu allen freundlich und wird niemand auf die Füße treten. Ja, sie habe in beiden Kiefergelenken Geräusche und Knacken bemerkt, auch ihre Freundin hätte sie darauf hingewiesen. Und manchmal müsse sie leichte Einrenkbewegungen machen, um den Mund wieder zu schließen. Aber es würde nicht weht tun und hätte auch nie weh getan, außerdem sei es jetzt gerade mal wieder weg. Auf Schmerzen im Ohr angesprochen, meint sie: nein, Ohrschmerzen hätte sie nie gehabt, nur eine Zeitlang ungeklärte Kopfschmerzen plus Schwindel. Das sei aber schon wieder Jahre her.

tot

Bild 4

Und dann fällt mir plötzlich bei der genauen Betrachtung der Zähne auf, dass in der Unterkiefer Front ein Zahn zuviel eine dunklere Farbe hat: der 32. Prompt reagiert dieser auf Kälte auch gar nicht, im Gegensatz zu seinen Nachbarzähnen und das angefertigte Röntgenbild (Bild 5) zeigt den Grund: eine apikale Ostitis = auf deutsch: Entzündung des Knochens an der Wurzelspitze 32.

apikale Ostitis 32

Bild 5

Nein, Zahnschmerzen hatte sie links unten nicht, jedenfalls kann sie sich nicht erinnern. Leider läßt sich aus meiner Patientenakte auch nicht ermitteln, wann diese Kunststoff Füllung im Zahn 32 gelegt wurde, denn ganz offensichtlich ist sie der Grund für den jetzt toten Zahnnerv. Es hat eine Einwanderung von Bakterien in den Nervkanal stattgefunden, mit einiger Sicherheit nach Anfertigung der Kunststoff Füllung (ich meine, welcher Zahnarzt bastelt eine Füllung in einen dunkler verfärbten Zahn und klärt dabei nicht, ob der Zahn noch auf Kälte reagiert?).

 

Was zeigt der Fall?

So sieht die von mir vorgefundene real existierende Wirklichkeit von CMD Fällen fast regelmäßig aus. Ich erhebe dabei an Befunden:

  1. Einen Krummbiß, mit Kreuz- doppeltem Kreuz- und/oder Mesialbiß. Im Beispiel hier: Ringsrum Kreuzbiß.
  2. Kiefergelenksgeräusche, teilweise mit Hinweise auf eine Diskusdislokation mit/ohne Reposition. Im Beispiel hier: beidseitige Kiefergelenksgeräusche und vermutliche eine anteriore Diskusdislokation mit Reposition (also diese „Einrenkbewegungen“).
  3. Oft dazu einen fetten Zahnbefund, hier im Beispiel ein – durch Kunststoff Einsatz – abgestorbener Frontzahn

Und was merkt davon die Patientin: Außer den Geräuschen beim Bewegen des Unterkiefers nichts, gar nichts. Natürlich wird jeder Pro-CMD Leser sofort anmerken, dass a) Einzelfälle nichts beweisen und b) ich (Joachim Wagner) als ausgewiesener CMD-Kritiker kein Interesse an der Präsentation von so genannten „typischen“ Fällen habe. Mein Problem mit dieser Argumentation lautet aber: ich suche für Zahnfilm DE eben keine „Vorführfälle“ heraus, sondern nehme das, was tagtäglich so einläuft. Wenn ich mir anschaue, was von der CMD-Schule an Fallvorstellungen präsentiert wird, dann weiß ich genau, dass diese

  • a) immer nur die wenigen halbwegs gut ausgegangenen Schaufälle darstellen
  • b) denen  eine große Menge an nicht vorzeigbaren Negativ Fälle gegenüberstehen
  • c) und meine kleine Internet Fall Sammlung hier in Zahnfilm DE mit „Biss der Woche“, „Knirscher der Woche“ etc. weitaus repräsentativer für die allgemeine Bevölkerung ist, als alles was ich von CMD-Größen bisher gesehen habe.

2 Replies to “Biss spezial 10 und ein Kunststoff Opfer”

  1. Das ist entweder eine Angle Klasse 3. Echte Progenie. Oder ein progener Zwangsbiß. Auf jeden Fall ein Fall für den Kieferorthopäden. Vielleicht auch für den Kieferchirurgen. Die „Einrenkbewegungen“ und anteriore Diskusverlagerung deuten aber eher auf Zwangsbiß hin. Könnte ohne Kieferchirurgie lösbar sein.

    An diesem Schneidezahn dürfte ein Vorbehandler die Pulpa beim Beschleifen angesenst haben. Und Komposit kriegt man so weit unten kaum dicht.

    h. p. (invisalign Schienentherapie seit Aschermittwoch 2015: Angle Klasse 1: Multiple Dreh- und Engstände. Kreuzbiß regio 45)

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