Die Krähen, die sich doch gegenseitig die Augen …

Lesen Sie auch die Artikel  Noch ein Gegenargument gegen Kunststoff  und  Eins zu null für Amalgam, Studie aus 2007

 

Ein „schneewitchen“ schreibt unter der Überschrift: „Karies unter Füllung?Welchem Zahnarzt kann man trauen?“ folgenden Beitrag in ein Patientenforum

Plastik Füllung

Zitat Anfang

Hallo! Bin total verzweifelt, ich traue momentan keinen Zahnarzt mehr, ich habe die Zahnärzte die letzten Jahre wegen Vertrauensverlust durch deren schlechte Arbeit ständig gewechselt und jeder Arzt zog über seinen Vorgänger her wie schlecht die Zähne gemacht worden sind und meinte wir müssen dies und jenes neu machen. Habe daher die letzten zwei Jahre sämtliche Backenzahn-Füllungen ( 8 Stück ) neu gemacht bekommen die von aussen gesehen noch ok und erst ein paar Jahre alt waren. Angeblich sei überall Karies darunter gewesen ( von aussen nicht sichtbar aber wohl auf dem OPG-Röntgen ). Es waren Kunststofffüllungen und nun sind es wieder Kunststofffüllungen. Habe mich selbst bischen informiert und gelesen wie undicht/schlecht diese Füllungen sind. Ich knirsche zudem nachts mit den Zähnen – Goldfüllungen seien wohl die besten/haltbarsten/dichtesten die man sogar bei Zahnknirschen gut nehmen kann. Und ich will doch endlich mal Ruhe haben vor dieser Odysee! Jedes mal dachte ich das ich nun „fertig“ bin und wurde durch Folgeschäden enttäuscht …

Ein Zahn mit einer vor paar Monaten neu gemachten Kunststofffüllung hatte sich vor einem Monat entzündet, musste Wurzelbehandelt werden, der Zahnarzt der Notdienst hatte und dies machte meinte der Zahnarzt der mir alle Füllungen neu gemacht hat hätte total schlechte Arbeit geleistet, den der Zahn der Wurzelbehandelt werde musste sei voll schlecht „gefüllt“ worden und es wäre angeblich auch NOCH Karies drunter gewesen, obwohl die Füllung ja erst neu war!!! Es wäre zu vermuten das die anderen Füllungen genauso schlecht seien, von aussen sehe es jedoch „gut“ aus. Er widersprach sich auch, zuerst meinte er alle Füllungen müssten deswegen neu gemacht werden, beim nächsten Besuch wusste er nichts mehr davon und meinte, ne, ne die sehen gut aus und können so bleiben. Ich blick nicht mehr durch … hat sich noch in weiteren Dingen selbst widersprochen und so hab ich nun beschlossen auch dorthin nicht mehr zu gehen.

Soll ich jetzt die erst ein Jahr alten Kunststofffüllungen WIEDER alle rausnehmen und diesmal durch Gold ersetzen lassen? Wie finde ich einen vertrauensvollen Arzt? Es scheint mir unmöglich … Hab halt Angst zu warten bis sich Probleme einstellen, dann verlier ich womöglich noch mehr Zähne an eine Wurzelbehandlung, die Füllungen sind nämlich zum Teil schon sehr tief! Aber was ist wenn tatsächlich noch ein wenig Karies drunter ist das man beim Röntgen NOCH nicht sieht? Nicht das ich abwarte und dann bereue es nicht nochmal erneuern ( diesmal halt mit Gold ) zu lassen. Andererseits geht mit neuen Füllungen wieder Zahnsubstanz verloren und wer weiss ob dann eine Füllung noch ausreicht … Es wird dann auch teuer, kann ich mir nur nach und nach leisten … was soll ich tun? Will doch nur endlich Ruhe und eine längerfristige Lösung. *seufz* Ich weiss nicht mehr weiter.

Zitat Ende

 

Was fällt hier auf?

Die beteiligten Zahnärzte fallen auf, und zwar durch bestimmte Handlungen/Aussagen, die hier in Zahnfilm DE schon des öfteren als problembehaftet bezeichnet wurden:

  1. Jeder neue Zahnarzt tut kund: „ALLE (!) Füllungen müssen neu“.
  2. Jeder neue Zahnarzt findet angeblich „Karies“ unter relativ neuen Kunststoff Füllungen.
  3. Jeder neue Zahnarzt redet die Leistung seines Vorgängers herunter.
  4. Keineswegs zufällig gehen dabei auch ein oder mehrere Zahnnerven unter der neuen Kunststoff Füllung zugrunde und der Zahn muß wurzelbehandelt werden.

 

Wie logisch sind die zahnärztlichen Aussagen/Behauptungen?

Ich beobachte immer wieder Kollegen/innen, die an jeden neuen Patienten mit der Einstellung herangehen, „alles, was nicht von mir ist, kann nur schlecht sein.“ Die Leutchen stellen sich wohl in ihrem Kopf vor, dass nur sie den Durch- und Überblick haben und dazu auch nur sie die einzigen mit den begnadeten Zahnarztfingern sind. Alle anderen machen nur Murks. Egal ob es um die Präzision von Schleifarbeiten am Zahn, um die Formvollendung von Füllungen oder „so alles insgesamt“ geht, niemand kann den arroganten Egoschauspielern in ihren Augen das Wasser reichen. Bedauerlicherweise häuft sich dieser Typ Mensch gerade in der Zahnmedizin in hoher Dichte. Menschen mit ausreichend Abstand zu sich selbst, also solche, die sich auch selbstkritisch in Frage stellen können, z.B. „wie sinnvoll ist das, was ich den ganzen Tag so tue?“, sind offenbar in der Zahnmedizin unerwünscht oder halten nicht durch. Wie auch immer: sie befinden sich in der Unterzahl. Die Mehrzahl der Zahnheilkundigen kann getrost zum Typ „jawohl, ich hacke der anderen Krähe  gerne die Augen aus.“ gerechnet werden. Das gilt übrigens noch mehr für Zahntechniker, die grundsätzlich kein gutes Haar an der Arbeit des Kollegen um die Ecke lassen können.

Es ist aber unlogisch. Die Menge aller Zahnmediziner verteilt sich – wie die Gesamtbevölkerung – statistisch in 10 % über dem Durchschnitt, weitere 10 % unter dem Durchschnitt und 80 % genau im Durchschnitt befähigte Leute. Gemeint sind die Fähigkeiten: Motivation, Depression, Befindlichkeit, Geschicklichkeit, Menschenkenntnis, Intelligenz usw.  Angenommen, 60 % der Zahnmediziner hackt den Kollegen/innen gerne die Augen aus – was ich für einen Minimum Wert halte – dann befinden sich hauptsächlich die Durchschnittlichen unter ihnen. Mit anderen Worten: wer sich als Zahnarzt sein Maul über die Werke des Vorgängers zerreißt, hat gute Chancen, beim nächsten Behandlerwechsel genau so unerfreulich beschimpft zu werden. Denn der Nachfolger gehört mit hoher Wahrscheinlichkeit zur gleichen Durchschnittssorte, wie er selbst.

Karies Bild 2

Gerade während des Schreibens des Artikels kommt Patient Herr P. (57) vorbei und zeigt mir seinen abgebrochenen Zahn 25 (links oben). Da wäre eine „schwarze“ Füllung mit dabei gewesen. Beim Auslöffeln des erweichten Dentins mit einem Handinstrument (= Exkavator) fotografiere ich diese Momentaufnahme. Nein, Zahnschmerzen hatte Herr P. keine, weder vor noch nach dem Abbrechen und jetzt auch nicht. Puste ich dagegen den Zahn mit Luft an, meldet sich der Zahnnerv. Im Verlaufe der Behandlungssitzung habe ich diesen Backenzahn schließlich mit einer tiefen Füllung aus dem Glas Ionomer Zement Ketac Molar versorgt und ihn für eine Krone vorgemerkt. Was zeigt das Kariesbeispiel hier?

  1. Obwohl der Zahn jetzt schon bis auf Zahnfleischniveau ausgehöhlt ist, lebt der Zahnnerv immer  noch und verursacht keine Beschwerden.
  2. Die Matsche (= Karies) im Beispiel hier ist mindestens 3 mm dick
  3. Karies macht erst ganz spät Beschwerden, verhält sich also die meiste Zeit gegenüber dem Zahnnerv gutartig, im Gegensatz zu Kunststoff Füllungen
  4. Vermutlich ist diese Karies unter der uralten Amalgam Füllung (geschätzt älter als 20 Jahre) seit Jahren nicht erkannt worden. Schande über den Behandler.

 

Lügen über Karies

Nirgendwo wird so viel gelogen, wie vor Gericht, auf Beerdigungen, über Sex und über Karies. Praktisch jeder Zahnarzt nimmt das Wort Karies in den Mund, wenn es eigentlich heißen müßte: a) „der Patient möchte die schwarze Füllung weg haben“, b) „die Kunststoff Füllung ist vergilbt“, c) „der Knirscher hat wieder etwas zerbrochen“, d) „die Vorgänger Füllung gefällt mir nicht“, e) „ich beschaffe mir Bohrarbeit, notfalls auch mit Fantasie“ usw. usw. Alle aufgezählten Gründe haben eines gemeinsam: Karies hat damit nichts zu tun. 

Gibt es nun tatsächlich doch etwas Karies im Zahn, müßte der redliche Mundgesundheitsverantwortliche eigentlich erst abwägen, ob durch den bohrenden Eingriff nicht vielleicht mehr Schaden angerichtet wird als durch weiteres Beobachten. In 9 von 10 Fällen passiert dies jedoch nicht, vielmehr übertrifft  sich die Mehrheit der bohrenden Zunft darin, dem Patienten in den schwärzesten Farben vorzulügen, was die Mikrokaries in kürzester Zeit alles anrichten wird. Zum Teil geschieht das auch, weil die Behandler selbst an ihren Unsinn glauben. Viele wissen einfach nicht, wie wenig aggressiv sich die typische Erwachsenen Karies gegenüber der Pulpa verhält. Sie glauben allen Ernstes noch daran, dass das konsequente  Ausbohren auch des letzten Krümelchens Karies und das Bekleben des nackten Zahnbeins (= Dentins) mit zweifelhaften Kunststoff Mixturen für das Überleben des empfindlichen Organs „Zahnmark“ (= Pulpa) günstiger wäre. Trotz der vielen Beweise des Gegenteils.

 

Was veranlaßt Zahnärzte schlecht über die Vorgänger zu reden?

Hier läuft ein ganz fatales Spiel ab: Zahnarzt 2 will sich selbst ins rechte Licht rücken, in dem er Zahnarzt 1 herunter redet. Unglücklicherweise kommen dazu die problembehafteten Eigenschaften von Kunststoffen für Zahnfüllungen mit in das Spiel. Da ist a) die bekannte Tatsache, dass Kunststoff beim Lichthärten um 2 Volumen Prozent schrumpft, also systembedingt nie 100 % dicht zu bekommen ist, b) schrumpfbedingt bei etwa 10 % aller Anwendungen eine Überempfindlichkeit des Zahns hinterläßt, c) häufig genug die optische Unterscheidung im Röntgenbild extrem schwer fällt, zwischen Karies unter der Füllung und röntgendurchlässigen Kleber.

In der Summe führen die Materialeigenschaften des sehr unvollkommenen Komposites (= Kunststoffs) dazu, dass Patienten nach Füllungswechsel häufiger unter Zahnschmerzen leiden, bis hin zur Pulpitis und Wurzelbehandlung. Darum haben Folgebehandler ein relativ leichtes Spiel mit dem Argument „Karies“ und kurbeln auf diese Weise die Wiederholungen von Füllungsleistungen in erschreckendem Ausmaß an.

Die Kunststoff Bohrkundigen, die im System drin stecken und sich durch Berge von vermeintlich „vermurksten“ Kunststoff Füllungen wühlen, schreiben alle Mißgeschicke dem dämlichen Vorbehandler zu, obwohl in Wirklichkeit systematische Materialmängel am Werk sind. Beispiel: Nach einem Jahr verfärben sich die Ränder an 2 von 5 Kunststoff Füllungen. Wer ist das schuld? Natürlich immer nur der dämliche Vorbehandler. Wenn man aber sieht, dass bei 99 von 100 Zahnärzten jede dritte Backenzahn Füllung am Rand nach spätestens 4 Jahren auch garantiert verfärbt ist, könnte es doch sein, dass eben nicht nur der Behandler schuld ist.

Letztlich entstehen die falschen Schuldzuweisungen an die Vorbehandler auch durch die Versäumnisse in der Lehre. Hört man den aktuellen Professoren für konservierende Zahnheilkunde zu, dann muss es sich bei Komposite bereits um ein Himmelsgeschenk handeln, denn es soll ja Amalgam voll ersetzen können. Wenn es dann „mal“ nicht so funktioniert, und leider ein Zahn sein Leben dabei aushaucht, dann kann das nur der Verarbeiter verbrochen haben – am Komposite liegt es nie. Und genau diese Ideologie übernehmen die Zahnmediziner in ihren Praxen und  verurteilen sich selbst damit unbarmherzig zu Deppen, die mental einfach zu behindert sind, das Edelmaterial Komposite fachgerecht im Zahn zu verlegen.

Ich nenne dieses Spiel pervers.

2 Replies to “Die Krähen, die sich doch gegenseitig die Augen …”

  1. RE: Die Krähen, die sich doch gegenseitig die Augen …
    Als mir vor 10 Jahren meine ersten uralten Amalganfüllungen rausgebrochen sind, war ich bei einer Zahnärztin in Behandlung die frisch von der Uni kam. Die hat mir die Stelle einfach mit Kunststoff geflickt. Die wollte gar nicht wissen ob da noch Karies drunter ist.

    Das ist das Erstaunlichste was mir je beim Zahnarzt passiert ist.

  2. RE: Die Krähen, die sich doch gegenseitig die Augen …
    Hallo Albrecht, herzlichen Glückwunsch zu der intelligenten Behandlerin. Unter Amalgam finden Sie ziemlich Karies, deswegen ist der Blindflug auch gut gegangen. Ich selber arbeite auch so, d.h. ich repariere Amalgamfüllungen mit Glas Ionomer Zement. Das hält ganz gerne länger als 5 Jahre und ist beliebig wiederholbar.
    Viele Grüße
    Joachim Wagner

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