Ein Buch „Die Vollidioten“ u.a.

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Die Vollidioten
Jetzt mal was ganz anderes: seit Wochen amüsiere ich mich köstlich beim Lesen des Autors Eckhardt Henscheid. Es ist die Roman Trilogie „Die Vollidioten“, „Geht in Ordnung- sowieso — genau —“ und „Die Mätresse des Bischofs“, erschienen im Verlag Zweitausendeins, Frankfurt/M, 1978,2003 mit 1197 Seiten incl. der Erläuterungen.

Eckhard Henscheid verpaßt seinem 2. Roman „Geht in Ordnung- sowieso — genau —“ den Untertitel: Ein Tripelroman über zwei Schwestern, dem ANO-Teppichladen und den Heimgang des Alfred Leobold. Aus dem 3. Teil (der auch so heißt) zitiere ich ab Seite 521f:

Zitat Anfang

So geschah es, dass wir uns mit den Alten vermengten. Grundlos, vielleicht erschüttert durch die ständigen Emulsionen in unserem Land, begann ich mich zu betrinken, ab und zu Trost in Alfred Leobolds leidzerwühltem Antlitz suchend. Täuschte mich nicht alles, summte er auch wieder …

Stunden später nahm ich wahr, dass Max Giermann (das ist keine Symbolik mehr, sondern reine Namensobszönität) schon sozusagen hautnah an Sabine und Susanne herangepirscht war auf sie einbalzte und die alten schmalzigen, abstaubversierten Augen rollte. „Ich bin, meine Damen“ hörte man da beispielsweise, „Skeptiker wie Brecht und Einstein. Und ich bin immer gut damit gefahren. Hahaha!“ Das machte mich so zornig und zerknirscht, dass ich plötzlich den Drang verspürte, Giermann komplette Unzurechnungsfähigkeit nachzuweisen, ich fühlte mich aber gleichzeitig zu müde, zu ausgelaugt, zu tot dazu. „Es würde mich freuen“ – „froien“, sang der Teppich-August – „wenn ich Sie demnächst in meinem Hause zu einem Schlückchen Cognac empfangen dürfte, ich liebe junge Leute!“ Der Alte schreckte vor keiner Schweinigelei zurück. Malitz, ihm gegenübersitzend, war wieder einmal mit offenem Mund eingenickt, offenkundig hatte er sich verausgabt, er trank aber, im Halbschlaf, ab und zu bestrickend aus seinem Seidelglas. Das Ende der Beamtenschaft. Sabine und Susanne, ohne dass Mogger eingeschritten wäre, äußerten lebhaftes Interesse, ja ein gewisses Entzücken. Warum schlug Mogger sie nicht zusammen oder wenigstens die eine? Wollte er sie beide abschieben an den alten und jetzt sogar schwitzenden Sittenstrolch? Wie hatte ich Schwerintellektueller diese beiden weiblichen Desperados nur ertragen können? Heute weiß ich, oder nehme es doch an, dass die beiden nur Vorstufen auf meinem Weg zu Alfred Leobold waren, ein letztes Anklammern an die Welt der Trivialsexualität, mein gelungener Abschied von allem, was …. „Die ganze Brust voll Titten!“ Das war Duschke. Weggeblasen aller Scheinadel. Ich wußte nicht, um was es ging. „Und da werden wir feiern, dass du nur so saufst!“  Der Unerhörte äugte suchend in die Runde. Plötzlich mußte ich, sprachempfindlich, wie ich bin, wieder lachen. „Und Herr Leobold, Herr Lääwohl, Sie kommen auch, fünf Mark Unkostenbeitrag pro Mann und Nase, klar!“

„Jjaah“, seufzte der müde Mann gelblich und lächelte Hans Duschke so kläglich einsatzbereit an, dass sogar dieser Grausame in sich zusammengeschrocken sein muss.

Zitat Ende

Eckhardt Henscheid beschreibt die wilden 70er Jahre in der Nachkriegs BRD in Frankfurt am Main. Vieles davon stammt aus seinem Leben als Redakteur der kritischen Zeitschrift „Pardon!“ in dieser Zeit. Obwohl die 3 Romane insgesamt viel Platz einnehmen, liest sich das Gesamtwerk sehr flüssig und ist auf mindestens jeder 3. Seite für einen Amüsiereffekt a la „Schwerintellektueller“ gut. Nicht unerwähnt bleiben sollten auch die 120 Seiten starken „Erläuterungen“ am Ende des Bandes. Hier hat Henscheid zusammen mit Fans des Buches die Erklärungen zu vielen Anspielungen auf klassische Zitate, Orte oder Personen in kurzweiliger Form niedergeschrieben. Beispiel: Alice Schwarzer: Deutsche Feministin, ehemalige „pardon“ -Kollegin von E.H.

Noch ein Zitat vom Buchrücken, das genau so stehen bleiben kann, von Herbert Rosendorfer über „geht in Ordnung“

Die Plastik- und Infantilwelt der Zeit nach dem Wirtschaftswunder ist selten so schlüssig geschildert worden wie in diesem Roman. Das erste Beispiel der Bewältigung der Umgangssprache aus der Umgangssprache heraus, und mehr nocn: des Umgangsdenkens „

 

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