Dringender Kronenfall

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DSC_0337 Bild 1

Die zum Bild 1 gehörende Patientin erscheint mit folgender Fehlerbeschreibung: Schmerzen rechts oben (im Bild ist die Spiegelaufnahme) beim Beißen, bei kalt/warm und süß. Beim Betrachten der recht alten Amalgamfüllung (hier nicht abgebildet) ist zunächst kein Befund zu erheben, insbesondere keine Karies zu erkennen. Ein angefertigtes Röntgenbild bestätigt diesen Eindruck.

Aus Erfahrung kenne ich aber das Beschwerdebild im Zusammenhang mit kariesfreien Backenzähnen und vermute deshalb – ohne bisher einen Hinweis zu haben – einen Anriss des Zahns in der Richtung von vorne nach hinten. Ein Probebiss auf Weichholz läßt die Patientin beim Zahn 16 (= der hier abgebildete) deutlich stöhnen, was ich als fast sicheren Beweis für diesen Anriss bis ins Zahnmark (= Pulpa) bewerte. Noch in derDSC_0337-1 gleichen Sitzung rate ich zur schnellen Überkronung des Zahns mit einer Metallkeramik Vollkrone. Damit bis zu der Schleifsitzung kein weiterer Schaden hinzukommt, kürze ich diesen Zahn auf der Kaufläche ringsum um einen vollen Millimeter = 1.000 (Eintausend) Mikrometer.

Alle hier gezeigten Bilder stammen aus der Schleifsitzung. Beim Wegnehmen der Amalgamfüllung und endgültigem Kürzen des Zahns für die Krone taucht dann auch der Riss – nun in der Vergrößerung – gut sichtbar auf. Beachten Sie auch, dass selbst die Unterfüllung, in diesem Fall vermutlich aus Phosphatzement bestehend, mit zerrissen ist.

Warum werden solche Zähne kalt/warm empfindlich?

 

DSC_0337-2 Das ist relativ leicht zu erklären. Der Riss ermöglicht es den berüchtigten Einzellern, genannt Bakterien, direkt aus dem Speichel ohne Umweg in den Zahnnerv (= Pulpa) einzudringen. Was für Menschen auch bei hoher Vergrößerung wie eine ganz haarfeiner Riss aussieht, stellt für die koloniebildenden Einheiten eine  10 Spur breite Autobahn mitten in den Zahn hinein dar. Zum Vergleich: ein Haar hat gewöhnlich einen Durchmesser von 80 Mikrometer (ym). Ungefähr in dieser Größe dürfte der Spalt offen sein. Die Einzeller messen über alles (Länge über alles = LÜA) aber gerade mal 1 Mikrometer. Sie können also händchenhaltend in langen Ketten quer in dem Rissbereich herumlaufen.

Und sind die Kleinstlebewesen erst einmal in das Weichgewebe in der Mitte des Zahns, das Zahnmark ,eingedrungen, lösen sie in kürzester Zeit alle möglichen Entzündungsmechanismen aus, die wiederum zur Überempfindlichkeit auch auf Temperaturreize führen.

 

Die Krone

hat in dieser Situation die Aufgabe, a) den Zahn vor dem Auseinanderbrechen zu bewahren und b)   in Verbindung mit einem geeigneten Zement einen hermetischen Abschluss des Zahninneren zum Mund hin herzustellen. Der dafür bevorzugte Zement heißt – wer hätte es gedacht – Glas IOnomer Zement.

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