Vorauseilender Gehorsam – Zahnärzte sind befehlshörig

Da sind die Verordnungen und Spezifikationen für die Praxisbegehungen durch die offizielle Medizinprodukte + Hygiene + Arbeitsschutz Gestapo noch lange nicht gargekocht, und schon müssen sich die ordnungs- und befehlsgeilen zahnärztlichen Truppen gegenseitig in der Übererfüllung der Anforderungen übertreffen. So als gäbe es eine "Held der Hygiene" Auszeichnung für den radikalsten Einsatz von Hightech und Geld für die Beseitigung auch der allerletzten Mikrobe in der Praxis.

Ob denn nun der sogenannte B-Sterilisator nach EU-Vorgaben das einzig-seeligmachende Gerät für die Behandlung von Hand- und Winkelstücken ist, oder ob es da auch der 20 Jahre alte Melag 24 tut (das Sterilisations-Schlachtroß unserer Branche schlechthin), weiß auch die sehr gut am Puls der Zeit horchende Newsgroup von Dr. Michael Logies nicht so ganz genau. Dort wird sehr ernsthaft darüber gestritten, wie hoch denn die Investition in eine spezielle Chargenrückverfolgbarkeits-Software ausfallen muss, um den Plastikfüller in dem Zahn xy zu identifizieren. Der Strichcode auf allen Produkten des Handels muss jetzt auch in den Mund.

Auf der anderen Seite: eigentlich ist es skandalös, dass es bisher überhaupt keine Kontrolle der einzuhaltenden Hygienevorschriften gab. Das führte und führt dazu, dass in nicht wenigen Praxen nicht einmal die einfachsten Hygienemaßnahmen wie z.B. der Einsatz von Einwegmaterial wo immer es geht (Handschuhe, Papiertücher, Spülbecher, Abdeckfolie für Luft/Wasserpuster und Lampengriffe usw …) eingehalten werden. Das kann nicht so bleiben, aber dass jetzt sehr viele zahnärztlichen Kollegen offensichtlich bereit sind, im Vorgriff auf noch zu erlassende Detailvorschriften viel Geld in die Hand zu nehmen, um es dann – im Hinblick auf den Patientennutzen – für eher unwichtige Strichcode-Software und sprechende Sterigeräte rauszutun, das spricht dafür, dass die Zahnärzte ihr Untertanentum vorbildlich verinnerlicht haben.

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