Neuro-Reflexotherapie wirksam bei CMD / TMD

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J Oral Maxillofac Surg. 2008 Aug;66(8):1664-77.

Neuro-Reflexotherapie für die Behandlung von myofaszialen Kiefergelenksschmerzen: eine doppelblinde, placebokontrollierte, auf Zufallsprinzip beruhende klinische Studie.

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Berguer A, Kovacs F, Abraira V, Mufraggi N, Royuela A, Muriel A, Gestoso M, Falahat F, Martín-Granizo R, Zamora J.

Servicio de Cirugía Maxilo-Facial, Hospital Clínico Universitario San Carlos, Madrid, Spain.
Abstract

Zweck: Um die Effektivität der Neuro-Reflexotherapie (NRT) zur Behandlung von TMD (Temporo Mandibular Dysfunktion) mit myofaszialen Schmerzen zu messen. Die Neuro-Reflexotherapie besteht in der vorübergehenden Implantation von hautgetragenen Fremdkörpern in Trigger Punkten des Rückens und der Ohren. Die Methode hat ihre Zweckmäßigkeit, Leistungsfähigkeit und ein gutes Aufwand/Ertragsverhältnis bereits in der Behandlung von subakuten und chronischen Rückenschmerzen bewiesen. Keine Studie hat allerdings bis heute ihren sinnvollen Einsatz zur Behandlung von myofaszialen Schmerzen bei TMD (MF/TMJP) nachgewiesen.

neuroreflexo1Patienten und Methoden: Hier liegt eine randomisierte, doppel-blinde, placebo-kontrollierte Stuide vor. Patienten mit länger als 3 Monate anhaltender MF/TMJP, trotz konservativer Behandlung, die darüber hinaus keine größeren Beschädigungen im Kiefergelenk aufwiesen, wurden an der Maxillofacial Abteilung des Hospitals Clinico Universitario, ein Lehrkrankenhaus in Madrid, Spanien, für die Studie erfasst. Die Patienten wurden durch ein Zufallslos aufgeteilt in eine Behandlungs- und eine Kontrollgruppe. Patienten der Behandlungsgruppe erhielten 2 NRTs und zwar eine sofort nach der Erfassung der Anfangsmeßwerte und eine 45 Tage später. Die Placebo Behandlung der Kontrollgruppe bestand in der Anwendung der gleichen Anzahl von hautgetragenen Fremdkörpern, allerdings nicht genau in den Triggerzonen, sondern etwa 5 cm daneben. In beiden Gruppen blieb die konservative Behandlung über die Beobachtungszeit weiterhin erlaubt und wurde aufgezeichnet. Die Patienten wurden 4 mal klinisch untersucht: 5 Minuten vor dem Eingriff, 5 Minuten danach, nach 45 Tagen und 90 Tagen. Die Voruntersuchung führte der Arzt in der Klinik durch, der den Patienten in die Studie einbrachte. Die 3 Untersuchungen in der Beobachtungszeit wurden unabhängig voneinander von 1 oder 2 Ärzten ausgeführt, die keine Beziehung zum Forschungsteam hatten und auch keinen Einblick in die Gruppenzugehörigkeit der Patienten. Die wichtigste Ergebnisgröße war die Stärke der Schmerzen bei Kieferbewegungen am letzten Beobachtungstag (nach 90 Tagen) und der entscheidende Vergleich, der hier interessierte, war die Änderung im Schmerz über die Zeit (Schmerzpegel zwischen Anfangsbefund und nach 90 Tagen). Alle Schmerzstärken wurden erfasst auf der Visual Analog Skala (VAS) [von 0 bis 10].

Ergebnis: 51 Patienten mit MF/TMJP wurden in die Studie einbezogen. Per Zufall verteilten sich diese auf 27 Patienten in der Behandlungs- und 24 in der Kontrollgruppe. Unterschiede in der Schmerzstärke zugunsten der Behandlungsgruppe zeigten sich sofort nach dem Eingriff, hielten 45 Tage an und verstärkten sich weiter nach dem zweiten Eingriff.
Die Unterschiede am letzten Untersuchungstermin waren klinisch und statistisch hochsignifikant (4 bis 5 Punkte weniger auf der VAS Skala, P = 0,000), was den Patienten der Behandlungsgruppe erlaubte, ihre Dauermedikamenten Einnahme zu beenden (P = 0,005). Keine Unterschiede ergaben sich in der Entwicklung von Kiefergelenksgeräuschen. Klinisch bedeutsame Nebenwirkungen des Eingriffs konnten nicht beobachtet werden.

neuroreflexo3Schlussfolgerung: Für Patienten, bei denen die konservative Behandlung versagt, kann NRT die chronischen Schmerzen verbessern, die mit dem MF/TMJP Syndrom verbunden sind.

PMID: 18634956 [PubMed – indexed for MEDLINE]

 

Original

J Oral Maxillofac Surg. 2008 Aug;66(8):1664-77.

Neuro-reflexotherapy for the management of myofascial temporomandibular joint pain: a double-blind, placebo-controlled, randomized clinical trial.

Berguer A, Kovacs F, Abraira V, Mufraggi N, Royuela A, Muriel A, Gestoso M, Falahat F, Martín-Granizo R, Zamora J.

Servicio de Cirugía Maxilo-Facial, Hospital Clínico Universitario San Carlos, Madrid, Spain.

Abstract

PURPOSE: To assess the efficacy of neuro-reflexotherapy intervention (NRT) for treating temporomandibular joint dysfunction attributed to myofascial pain. Neuro-reflexotherapy intervention consists of the temporary implantation of epidermal devices in trigger points in the back and ear. It has shown efficacy, effectiveness, and cost-effectiveness in treating subacute and chronic common back pain. No study, however, has explored its efficacy in treating myofascial temporomandibular joint pain (MF/TMJP). PATIENTS AND METHODS: This was a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Patients with MF/TMJP for more than 3 months in spite of conservative treatment, and with no evidence of major structural damage in the joint, were recruited at the Maxillofacial Department of the Hospital Clínico Universitario, a teaching hospital in Madrid, Spain. Patients were randomly assigned to an intervention group and to a control group. Patients in the treated group underwent 2 NRTs, immediately after baseline assessment and 45 days later. Sham interventions in the control group consisted of placement of the same number of epidermal devices within a 5-cm radius of the target zones. In both groups, conservative treatment during follow-up was allowed and recorded. Patients underwent clinical evaluations on 4 occasions: 5 minutes before intervention, 5 minutes after intervention, and 45 and 90 days later. The preintervention assessment was performed by the physician at the hospital service who included the patient in the study. The 3 follow-up assessments were performed independently by 1 of 2 physicians who had no connection with the research team, and who were blinded to patients‘ assignments. The primary outcome variable was level of pain severity during jaw movements at the last assessment (90 days), and the key comparison of interest was change in pain over time (pain levels at baseline and at 90 days). Level of pain was measured using a visual analog scale (VAS). RESULTS: Fifty-one patients with MF/TMJP were recruited into the study. Random assignment allocated 27 patients to the intervention group, and 24 to the control group. Differences in pain severity in favor of the intervention group appeared immediately after the intervention, persisted for 45 days, and increased after the second intervention. Differences at last follow-up were highly clinically and statistically significant (4 to 5 points on the VAS, P = .000), allowing for patients in the intervention group to cease drug treatment (P = .005). There were no differences in the evolution of crepitus or clicking in the joint. There were no clinically relevant side effects associated with the intervention. CONCLUSIONS: For patients in whom conservative treatment has failed, NRT improves the chronic pain associated with MF/TMJP syndrome.

PMID: 18634956 [PubMed – indexed for MEDLINE]

 

Ausblick

Die internationale Forschergemeinde tut sich etwas schwer, das spanische Eigengewächs „Neuro-Reflexotherapie“ Ernst zu nehmen. Dr. Francisco Kovacs arbeitet seit mindestens 1992 an dieser Methode, vorzugsweise übrigens im Palma de Mallorca. Inzwischen liegen 3 RCTs (randomisierte, placebo-kontrollierte, klinische Studien) über den Einsatz der chirurgischen Heftklammern (siehe Bild 1) auf der Rückenhaut vor, die allesamt von sehr guten Ergebnissen berichten. Sogar Cochrane als oberste Instanz bescheinigt den Studien immerhin, wissenschaftlich auf ordentlichem Niveau zu arbeiten. Das große Problem an der spanischen Idee ist zur Zeit, dass keine (!) Studie mit dieser Methode außerhalb Spaniens existiert, was angesichts des Alters der Idee merkwürdig erscheint. Zumal die 3 erwähnten RCTs sich mit der erfolgreichen Behandlung der sonst kaum zugänglichen unspezifischen chronischen Rückenschmerzen beschäftigen.

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