Zielgröße: Viel Krone für fast umsonst

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Dem Spiegel glaubt man solange, bis man im Spiegel gestanden hat. Das alte Bonmot ist wieder anwendbar; der Spiegel schreibt in der vorletzten Ausgabe über MacDent, dass die frisch aus dem Boden gestampfte Firma demnächst die deutsche DentalLandschaft umpflügen wird – mit importiertem Zahnersatz. Nach der Discounter Methode "pile 'em high, and sell 'em cheap" sollen laut den vollmundigen Ankündigungen dann ganze Containerladungen an Chinakronen für die ganz kleine Mark über den Tresen gehen.

Was der Händler schon richtig erkannt hat, ist, dass ein Land das heute schon mehr als 30% der weltweiten PC- und Unterhaltungselektronik alleine produziert, mit der Herstellung der Lowtech Artikel Zahnkronen sicher keine Schwierigkeiten hat. Und das zu unverschämt niedrigen Kosten. Warum also nicht? Es profitieren doch alle davon. Auch die Patienten, oder?

Nicht wirklich. Da gibt es leider einen Zielkonflikt: der Händler kann ganz locker alle Zahnersatz-Anbieter in Deutschland unterbieten – vorausgesetzt er verkauft viele Kronen. Der Patient will die günstige Krone, aber will erauch viele davon?

Abgesehen von kompletten Ignoranten ist den meisten Kunden klar, dass die Entscheidung, einen Zahn für eine Krone abzuschleifen, einen Zahnarzt mit Gewissen verlangt. Der weiß aber auch, dass die Zielgröße "Viele Kronen für wenig Geld" nur für die Werbung gut ist, für die Zähne ist sie es ganz sicher nicht. Hoffentlich merkt das auch die Kundschaft bevor Dr. Raffzahn den großen Schleifer einspannt und 100 Zähne am Tag für Kronen abraspelt.

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